MedizinDas stimulierte Hirn

Mehr als hundert Stromschläge pro Sekunde, direkt ins Gehirn und das freiwillig: 100.000 Menschen weltweit laufen mit kleinen Elektroden im Gehirn herum, weil Medikamente nicht mehr helfen.

"Ich habe in Sitzungen auf meiner Hand gesessen, damit das nicht sichtbar wurde. Der Arm, der schüttelte wie Teufel."
Hans Steinhagen, Parkinson-Patient

Eine Operation am Gehirn: Der Patient sitzt vor einem Team aus Chirurgen, nur leicht betäubt, ansonsten aber bei Bewusstsein. Die Ärzte bohren zwei Löcher in die Schädeldecke. Elektroden werden eingepflanzt, Kabel unter der Haut des Schädels verlegt.

Unkontrollierbar

Hans Steinhagen ist an Parkinson erkrankt. Sein Tremor, ein unkontrollierbares Zittern der Gliedmaßen, war so stark, dass es ihn nachts aus dem Schlaf gerissen hat. Weil seine Hand plötzlich auf die Bettdecke schlug. Manchmal zittert er so stark, dass er kaum laufen kann. Seine Bewegungen waren langsam, abgehackt. Hans Steinhagen konnte nicht mehr schreiben. Medikamente halfen ihm nur kurzfristig.

Dopamin als Schmierstoff

Der Grund für das Zittern und die teilweise heftigen Zuckungen von Parkinson-Patienten: Im Gehirn ist zu wenig Dopamin vorhanden. Der Belohnungs- und Botenstoff sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen den Hirnarealen reibungslos abläuft. Parkinson-Patienten bewegen sich langsamer, werden steifer, irgendwann beginnt das Zittern. Und neben der psychischen Belastung durch die Symptome, führt der Mangel an Dopamin zu Depressionen.

"Dopamin ist die Schokolade des Gehirns. Das wohlige Gefühl des Erfolges."

Wenn Medikamente nicht mehr helfen, kann ein Gehirn-Schrittmacher die Symptome lindern. Mithilfe der Tiefen Hirnstimulation (THS) bringen kleine Stromschläge die Nervenleitungen auf Trab. Bei Hans Steinhagen hat sich die Operation gelohnt. Er kann wieder schreiben und gehen. Und er hat die Kontrolle über sein Motorik wiedererlangt.

Eingriff mit Nebenwirkungen

Hans Steinhagen hat aber auch Veränderungen an sich festgestellt. Er sei leichter reizbar als früher, schneller genervt und leichter zu verärgern. Eine Wesensveränderung gehört zu den Nebenwirkungen der THS, die Neurologen nicht ausschließen. So trauen sich manche Patienten mehr zu, nachdem die Elektroden in ihr Gehirn eingepflanzt wurden. Andere entwickeln Esstörungen, werden kauf- oder spielsüchtig.

"Vieles ist besser geworden, auf jeden Fall das Schreiben. Dann die Bewegung der Hand, also zum Beispiel das Greifen. Und das Laufen. Ich klebe nicht mehr am Boden."
Hans Steinhagen, Parkinson-Patient