Toxic BestieWas ist mit unserer Freundschaft los?
Eine beste Freundin, mit der wir immer alles teilen. Doch dann ändert sich etwas. Verletzende Sprüche, fehlende Unterstützung. Wie sprechen wir schmerzhaftes Verhalten an und woran erkennen wir, ob eine Freundschaft uns nicht mehr guttut?
Ein Herz und eine Seele – so werden beste Freundinnen oft beschrieben. Auch Jenny und ihre beste Freundin waren unzertrennlich. Damals war Jenny Anfang 20, heute ist sie 26. Ihre Geschichte liegt also einige Jahre zurück. Sie erzählt uns ihre Version. Die Version ihrer Freundin kennen wir nicht.
Best Friends – bis es kompliziert wird
Jenny und ihre Freundin unternehmen fast alles gemeinsam: Sie gehen feiern und zum Sport, machen Spaziergänge und verbringen die Wochenenden miteinander.
"Es war wirklich eine Traumfreundschaft, so wie man sie sich vorstellt."
Und dann wird es kompliziert. Jenny kommt mit jemandem zusammen. Ihre Freundin auch. Jenny trennt sich, ihre beste Freundin ebenfalls. Doch dann kommt Jenny wieder mit ihrem Ex zusammen, ihre beste Freundin aber nicht.
Von da an merkt Jenny, dass es "nicht mehr ganz so passt". Jenny erinnert sich: "Sie hat angefangen, sich ihre Kosmetikartikel von mir bezahlen zu lassen." Einmal soll ihre Freundin Jennys Auto gegen einen Bordstein gefahren und dabei die Felgen zerkratzt haben. "Dafür hat sie sich nicht mal richtig entschuldigt, sondern nur 'Ups' gesagt", sagt Jenny.
Mit der Zeit fällt Jenny auf, dass ihre eigentlich beste Freundin schlecht über ihren Freund spricht. "In Situationen, in denen ich mich über ihn ausgekotzt habe, sagte sie: 'Der will doch sowieso nichts Ernstes von dir. Lass es doch sein'.“
Gleichzeitig sucht Jennys beste Freundin ausgerechnet bei ihrem Freund Unterstützung. "Sie war am Wochenende feiern und rief meinen Freund an, damit er sie abholt." Daraufhin stellt Jenny ihre Freundin zur Rede. Es kommt zum Streit. Danach ist die Freundschaft offiziell vorbei.
Veränderungen können Freundschaften herausfordern
Wenn eine Freundin einen Partner gefunden hat, die andere aber nicht, kann sich das auf die Freundschaft auswirken. Das bestätigt Angelika Vandamme, Psychologische Psychotherapeutin und Resilienz-Coach. Für die Dynamik einer Freundschaft kann das eine große Veränderung bedeuten. Vielleicht verbringen die Freundinnen plötzlich nicht mehr jede freie Minute zusammen. "Das kann bei der anderen Freundin einen Abschiedsschmerz auslösen. Langfristig sollte sich das Gefühl aber wieder legen", sagt die Therapeutin.
"In einer Freundschaft muss man auch mal freidrehen dürfen. Langfristig kommt es darauf an, wieder zueinanderzufinden, sonst überlebt die Freundschaft es vielleicht nicht."
Die Psychologin plädiert dafür, auch mal Fünf gerade sein zu lassen. Selbst von unserer besten Freundin sollten wir nicht erwarten, dass sie sich immer so verhält, wie wir es uns wünschen oder gerade brauchen.
Als Beispiel nennt sie einen entmutigenden Spruch, den die beste Freundin nach einem erfolgreich verlaufenen Bewerbungsgespräch fallen lässt. "Es kann sein, dass die andere Freundin auch gerade einen Job sucht und es bei ihr nicht läuft", gibt die Therapeutin zu bedenken. "In einem solchen Fall fällt es der Freundin womöglich schwer, sich mit uns zu freuen." Wenn verletzende Sprüche oder fehlende Unterstützung allerdings in ganz unterschiedlichen Situationen und immer wieder vorkommen, könne das ein Hinweis auf eine ungesunde Dynamik sein.
"Ich empfehle, darauf zu hören, wenn es ein Störgefühl gibt oder das Bauchgefühl einem sagt, in dieser Beziehung stimmt etwas nicht."
Ein Gespräch kann beiden Seiten Klarheit schaffen
Bleibt das Störgefühl bestehen oder hat sich die Freundschaft dauerhaft verändert, rät die Therapeutin zu einem Gespräch. Dabei könne es auch zum Streit kommen. Auch der gehöre zu Freundschaften dazu. Idealerweise kommunizieren wir weiterhin konstruktiv miteinander und bleiben offen für die Perspektive des Gegenübers, so Angelika Vandamme.
"Ein klärendes Gespräch kann sehr wertvoll sein und die Freundschaft am Ende noch tiefer werden lassen."
Gibt es kein gegenseitiges Verständnis, könne das ein Zeichen dafür sein, dass die Freundschaft nicht mehr gut funktioniert und wir Abstand voneinander brauchen. "Das muss nicht für immer sein", fügt Angelika Vandamme hinzu. "Manchmal entfernt man sich voneinander und nähert sich später wieder an." Ein offenes Gespräch sei aber die Voraussetzung dafür, dass beide Seiten eine bewusste Entscheidung treffen können.
Wenn die Freundschaft endgültig vorbei ist
Ein solches klärendes Gespräch hat es zwischen Jenny und ihrer damaligen besten Freundin nicht gegeben. Nach dem Streit war Schluss. Über vier Jahre lang hatten die beiden keinen Kontakt.
Als sie sich schließlich wiedersehen, will Jenny über das Geschehene hinwegsehen. Doch die Reaktion ihrer Ex-Freundin sei eindeutig gewesen. "Es war wie bei Gossip Girl", erinnert sich Jenny. Ihre ehemals beste Freundin habe sie von oben bis unten taxiert, die Haare über die Schulter geworfen und ihr die kalte Schulter gezeigt.
Heute sagt Jenny: "Die gute Zeit, die wir hatten, vermisse ich schon. Aber sie als Person nicht."
Außerdem hört ihr in der Podcastfolge Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Katja Kauer. Sie erklärt, warum Freundschaften unter Frauen lange abgewertet wurden.