Landwirtin"Seit Mitte Juli füttern wir komplett zu – das ist einfach zu früh"

Die Kühe auf der Weide von Landwirtin Nina Bramm bekommen derzeit das Futter, das eigentlich für den Winter gedacht ist. Normalerweise fressen die Kühe im Sommer frisches Gras, aber die Weiden sind ausgetrocknet. Die Landwirtin hofft, dass die Vorräte reichen.

Nina Bramm ist Bio-Landwirtin in Ladbergen im Norden von NRW. Sie hält vor allem Rinder und spürt die Dürre sehr deutlich. "Unsere Rinder sind auf der Wiese und aktuell steht auf der Wiese aber überhaupt kein frisches Gras mehr. Das heißt, die werden zu 100 Prozent mit Winterfutter versorgt", sagt sie.

Im Sommer fressen die Tiere eigentlich nur Gras von der Weide. Ab Oktober oder September könne es dann immer mal passieren, dass dort nicht mehr genug frisches Futter wächst und die Tiere mit Heu gefüttert werden müssen. Das sei kein Problem. Aber in diesem Jahr bekommen die Tiere seit Juli Futter aus dem Vorrat. Und das sei einfach zu früh, sagt die Landwirtin.

"Seit 2018 sind wir auch ein bisschen gebrannte Kinder, dass wir immer quasi doppelte Ernte zu Hause haben."
Nina Bramm, Bio-Landwirtin In Nordrhein-Westfalen

Nina Bramm sagt, früher war das nicht so krass: "In normalen Jahren, also vor den 2000er-Jahren, hatten wir Bombenernten im Gegensatz zu dem, was jetzt kommt." Aber das Jahr 2018 sei bereits ein Weckruf gewesen. Auch damals gab es eine Dürre und es fehlte an Futter. Aber weil die Jahre zuvor auch schon trocken gewesen waren, fehlte es an Vorrat für die Tiere. "Aktuell habe ich eigentlich, wenn wir keine Dürre haben, doppelt so viel Futter, wie ich brauche", sagt sie.

"Dieses Mal kommen wir aus ganz guten Jahren und deshalb habe ich jetzt noch Vorräte und hoffe und bete und bange, dass sie dann auch wirklich bis Mai nächstes Jahr reichen.”
Nina Bramm, Bio-Landwirtin in Nordrhein-Westfalen

Die vergangenen Sommer waren einigermaßen ertragreich. Darum hat Nina Bramm dieses Jahr noch Futter auf Vorrat. Aber sie sagt auch, dass sie hofft, dass diese Reserve bis zum kommenden Sommer ausreicht.

Der Weckruf kam 2018

Es gibt immer wieder Meldungen von Bauern, die ihre Rinder frühzeitig zum Schlachter bringen müssen, weil es nicht genug Futter gibt. Nina Bramm sagt, soweit ist es derzeit bei ihr noch nicht, aber im Winter werde es eine Rolle spielen. "Vorsorglich fange ich auch einfach früher an zu schlachten, wobei ich in den Wintermonaten sowieso geschlachtet hätte”, so die Landwirtin. Denn sie möchte auch verhindern, dass im kommenden Jahr alle Reserven aufgefressen sind.

"Seit 2018 habe ich schon abgestockt. Also da war sozusagen der große Erwachen-Moment."
Nina Bramm, Bio-Landwirtin in Nordrhein-Westfalen

Nach der Dürre von 2018 habe sie bereits gehandelt und die Anzahl der Rinder reduziert. Damit sie mit ihren Flächen genug Heu auf Vorrat produzieren kann, der für die verbleibenden Tiere reicht.

"Das ist so ein bisschen dystopisch gerade, weil man so das Gefühl hat, die Bäume gehen ja auch alle kaputt. Und die Zukunft sieht bei mir jetzt nicht so total rosig aus."
Nina Bramm, Bio-Landwirtin in Nordrhein-Westfalen

Nina Bramm hat auch konkrete Wünsche an die Politik: "Wir haben hier in der Region in den 50er-, 60er-Jahren eine massive Flurbereinigung gehabt, das heißt Entwässerungsgräben an allen Ackerflächen und auch an den Wiesen. Und ich wünsche mir einfach, dass die Politik versteht, dass wir im Winter das Wasser sammeln müssen und dass diese Gräben einfach zugemacht werden." Damit es länger in den Wiesen bleibt und sie nicht so schnell austrocknen. Und damit sich wieder mehr Grundwasser sammeln kann. "Mein erster Brunnen ist jetzt ausgefallen, also da kommt kein Wasser mehr aus der Quelle”, so Nina Bramm.