Um 570Der Prophet Mohammed und die Verbreitung des Islam
Mohammed ist für Muslime Prophet und Gesandter Gottes. Seine Nachfolger, die Kalifen, bauten den Einfluss des Islam von der Arabischen Halbinsel über den Nahen Osten und Nordafrika bis nach Persien und später auch auf die Iberische Halbinsel aus.
Als Mohammed um das Jahr 570 in Mekka geboren wird, ist die Arabische Halbinsel religiös vielfältig, beschreibt Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld die Zeit vor der Geburt des Propheten. In Mekka verehren die Menschen verschiedene Götter und Göttinnen.
Polytheismus im vorislamischen Arabien
Gleichzeitig sind die Menschen aber auch schon von den beiden monotheistischen Religionen Judentum und Christentum beeinflusst, es existieren jüdische und christliche Gemeinschaften. Durch Handelswege und Karawanen steht die Region zudem mit anderen Teilen des Nahen Ostens in Kontakt.
"Weder Mutter noch Vater spielten eine zentrale Rolle bei Mohammeds Erziehung."
Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi fasst zusammen, was wir über das Leben des Propheten Mohammed aus dem Koran und anderen Quellen wissen. Er leitet den Fachbereich Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Mohammeds Vater Abdullah stirbt bereits vor seiner Geburt. Seine Mutter Amina stirbt, als Mohammed etwa sechs Jahre alt ist. Danach wächst er zunächst bei seinem Großvater und später bei seinem Onkel Abu Talib auf. Als junger Mann arbeitet Mohammed im Handel und ist mit Karawanen unterwegs, unter anderem in Richtung Syrien.
"Der Koran ist kein historisches Buch. Es gibt nur Hinweise über den Propheten Mohammed."
Dabei kommt er mit Menschen aus verschiedenen Regionen und religiösen Traditionen in Kontakt. Dass diese Begegnungen seinen späteren Glauben unmittelbar beeinflusst haben, lässt sich historisch allerdings nicht sicher nachweisen.
Um das Jahr 595 heiratet Mohammed die wohlhabende Händlerin Khadija. Die beiden haben sechs Kinder. Tochter Fatima ist die einzige, die Nachkommen hat, die ihren Stammbaum auf den Propheten zurückführen.
Mohammed und der Erzengel Gabriel
Laut der Überlieferung erschien Mohammed etwa 610 der Erzengel Gabriel. Er sagte ihm, dass er ein Prophet sei und die Aufgabe habe, die neue Religion zu verkünden.
"Um 610 kam der Erzengel Gabriel zu Mohammed und befahl ihm, zu rezitieren."
Die ersten drei Jahre, erklärt Abdel-Hakim Ourghi, hat er das allerdings nur im engsten Familienkreis getan. Die Entscheidung, den Koran aufzuschreiben, wurde erst später getroffen – zwischen 644 und 656 durch den dritten Kalifen Osman.
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Benedikt Schulz erinnert an den Exodus Mohammeds nach Medina im Jahr 622 – um später nach Mekka zurückzukehren und zum Propheten aller Muslime zu werden.
Als Mohammed 632 gestorben war, übernahm Abu Bakr die Rolle als Oberhaupt der Muslime. Er wurde zum ersten Kalifen, das bedeutet auf arabisch "Nachfolger" beziehungsweise "Stellvertreter".
Die "Islamische Expansion"
Die Islamwissenschaflterin und Historikerin Gudrun Krämer war bis 2019 Direktorin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie beschreibt die sogenannte "islamische Expansion" vom 7. bis ins 8. Jahrhundert.
"Mohammed hat quasi im eigenen Umfeld angefangen und dann ging das immer weiter in einer unglaublichen und auch nicht vorhersehbaren Dynamik."
In dieser Zeit breiteten sich muslimische Herrschaftsgebiete von der Arabischen Halbinsel über den Nahen Osten und Nordafrika bis nach Persien – und ab 711 auch auf die Iberische Halbinsel aus. Die Islamisierung der eroberten Gebiete erfolgte allerdings vielfach erst über längere Zeit.
Dass der Islam in dieser Zeit so erfolgreich wurde und schnell neue Anhänger fand, hat laut Gudrun Krämer mehrere Gründe:
- Die religiöse Überzeugung der Eroberer: ihr Gefühl, Gott auf ihrer Seite zu wissen, was durch ihren Erfolg ihrem Empfinden nach auch bestätigt wurde – zudem kannten manche Mohammed noch persönlich
- Motive, die wir zum Beispiel auch aus den Kreuzzügen kennen: Abenteuerlust, materieller Gewinn, Status, Land
- Die Schwäche der Großmächte dieser Zeit, also des persischen Reiches auf der einen und des oströmisch-byzantinischen Reiches auf der anderen Seite – beide hatten sich im vorderen Orient seit Jahrzehnten bekämpft und zerrieben
"Der moderne Islamismus beginnt so um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert angesichts der Krise des Osmanischen Reiches."
Wie kam es zum Islamismus?
Gegen Ende dieser Folge Eine Stunde History ordnet der Islam- und Terrorismusexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik zudem ein, wie und warum sich der islamistische Terror entwickelt hat.