UnterwäscheKunst- oder Naturfaser für den Intimbereich?

Polyester, Nylon oder Elasthan haben einen schlechten Ruf insbesondere im Wäschebereich. Baumwolle soll da besser sein. Aber was ist problematisch an den Kunstfasern und welche Folgen haben sie für den Intimbereich?

Um die Frage, ob Kunst- oder Baumwollfasern für Unterwäsche, gibt es viel Diskussion und wenig gesichertes Wissen. Es gibt nur wenige und meist ältere Studien zu dieser Frage und am Ende hat bislang keine belegt, dass sich Kunstfaser eindeutig schädlich für den Körper auswirkt.

Fakt ist aber, dass Baumwolle luftdurchlässiger ist und Feuchtigkeit aufnehmen kann, während Kunstfaser die Feuchtigkeit da belässt, wo sie auftritt und wenig atmungsaktiv ist. Dass diese Eigenschaften aber unweigerlich dazu führen, dass vermehrt Hefepilze entstehen oder bakterielle Entzündungen auftreten, konnten die Studien nicht beweisen. Es kann aber sein, dass sie dieses Milieu fördern.

Bei Krankheiten besser zu Naturfaser wechseln

Eine der Studien hat den Zusammenhang festgestellt, dass Frauen mit Infektionen, häufiger Wäsche aus Kunstfaser tragen. Damit ist aber nicht bewiesen, dass die Wäsche diese verursacht. Andere Studien können keinen Zusammenhang feststellen. Worin sie sich aber einig sind, ist, wenn eine Frau eine Pilz- oder bakterielle Infektion hat, dann ist es für sie besser, Wäsche aus Naturfaser zu tragen, damit die Infektion schneller abklingen kann.

Hormoneller Schadstoff BPA in der Unterwäsche

Was aber bei Kunstfaser auf jeden Fall problematisch ist, sind die enthaltenen Chemikalien wie Bisphenol A (BPA), das sich fortpflanzungsschädigend auswirken kann. Sie wirkt ähnlich dem weiblichen Hormon Östrogen und hat bereits erhebliche Umweltschäden verursacht. Die Chemikalie soll die Farbe fixieren und die Faser stabilisieren. BPA kann aber auch über die Haut in den Körper gelangen. Ein Schweizer Verbrauchermagazin hat die BPA-Menge in Frauenunterwäsche untersucht: nur die wenigsten Wäschestücke hatten eine vertretbare BPA-Menge.

Zwar wird BPA nicht nur in Frauenwäsche verwendet, aber laut einem österreichischen Verbrauchermagazin schneidet Frauenunterwäsche am schlechtesten ab. Und Frauen sind auch deshalb gefährdeter, weil sie häufiger synthetische Materialien tragen und die Kleidungsstücke meist eng am Körper anliegend tragen, wodurch die BPA-Aufnahme begünstigt werde.

"Aber was man eigentlich in Fachkreisen überall lesen kann: ab und zu mal ein String aus Spitze ist kein Problem."
Julia Demann, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es kommt auf die BPA-Menge an, mit der der Körper belastet wird. Wer also ab und an einen String-Tanga aus Kunstfaser trägt, wird weniger stark belastet. Die Form der Wäsche hat wohl kaum Auswirkung auf gesundheitliche Belastungen. Aber: String-Tangas führen zwar nicht zu mehr Harnwegsinfektionen, wer aber zu Harnwegsinfektionen neigt, sollte lieber normale Slips tragen – und dann am besten aus Baumwolle.