USA vs. ChinaFührt das KI-Wettrennen in die Katastrophe?
USA und China liefern sich ein Wettrennen um die KI-Vorherrschaft. Nach Warnungen vor Horror-Szenarien stellt sich die Frage: Droht eine unkontrollierte Entwicklung – oder sind beide Länder bereit, KI-Giganten stärker zu regulieren?
Wer zuerst bremst, verliert. Was wie eine ungeschriebene Regel bei einem illegalen Straßenrennen klingt, scheint derzeit auch für die Entwicklung von KI zu gelten. Befeuert wird das vor allem durch die Entwicklungen in den USA und in China.
Das könnte gefährlich werden, warnen inzwischen führende Tech-Konzerne. Dario Amodei, Chef von Anthropic, kündigte nun vor dem UN-Sicherheitsrat an: "Wir werden so stark bremsen, wie es nötig ist, um sicherzustellen, dass jede weitere KI-Technologie, die wir veröffentlichen, tatsächlich sicher ist."
KI und die Frage nach wirtschaftlicher Macht
Unterstützung von Seiten des US-Präsidenten Donald Trump dürfte er dabei nicht bekommen, sagt Gregor Schmalzried, Host von "Der KI-Podcast". Die Befürchtung der US-Regierung sei viel zu groß, von China überholt zu werden.
"Aktuell sagen die Amerikaner: Wir müssen das machen, weil es sonst die Chinesen machen. Und die Chinesen sagen: Wir müssen es machen, weil es sonst die Amerikaner machen."
Und auch wenn Chinas Staatspräsident Xi Jinping derzeit in die USA gereist ist, um US-Präsident Trump zu treffen und dabei unter anderem über KI zu sprechen, ist laut Gregor Schmalzried klar: Beide Länder liegen – nicht nur, was KI angeht – sehr weit auseinander. Mit anderen Worten: Eine Einigung auf eine supranationale Kontrollinstanz ist nicht vorstellbar.
Auch die wirtschaftlichen Vorstellungen davon, warum KI vorangetrieben werden soll, unterscheiden sich fundamental. "Die Amerikaner sehen KI als so eine Art Winner-takes-it-all-Szenario", erklärt Gregor Schmalzried. "Für die gilt am Ende, wer die beste KI gebaut und sie am besten an den Rest der Welt verkaufen kann."
China: KI verfügbar machen zum kleinsten Preis
China hingegen will "einfach möglichst viel KI – und zwar überall". Vor allem Letzteres löst bei sicherheitsbedachten US-Amerikanern Bedenken aus. Die lauten in etwa so, sagt der Journalist: "Es wird jetzt schon immer schwerer, KI zu kontrollieren. Wie wird es erst, wenn China uns mit eigenen KI-Modellen zuschüttet?"
Stand jetzt sind die USA Spitzenreiter in Sachen KI-Modelle.
"China möchte die Technologie breit verfügbar machen, sodass keine große amerikanische Firma sie mehr an den Rest der Welt verkaufen kann."
Europa droht abhängig zu werden
Europa hingegen hat nach Einschätzung von Gregor Schmalzried keine Chance, bei der Entwicklung aufzuholen. Trotzdem müssen wir uns auf allen Ebenen mit der Technologie beschäftigen, appelliert der Journalist. Zunächst brauche Europa viel mehr Rechenzentren. Anderenfalls werden wir "komplett abhängig sein von dem, was die Amerikaner und Chinesen uns anbieten", sagt er.
Darüber hinaus müsse KI stärker in der Industrie und vor allem im Mittelstand angewandt werden. Und nicht zuletzt gebe es in der EU Unternehmen wie Zeiss und ASML, die dafür verantwortlich sind, dass KI überhaupt erst gebaut werden kann. Die Carl Zeiss AG produziert Optiken, die für die Herstellung von Mikrochips benötigt werden.
"Wir müssen KI nicht unbedingt selbst bauen, um wichtig zu sein für die KI. Das zu stärken, ist ratsam, damit man uns in den Verhandlungen nicht so leicht kleinkriegt."
Oliver Schulze setzt in seinem Unternehmen Agorum stark auf KI. Das stellt eine KI-Businessplattform her und hat auch beispielsweise KI-Agenten in Abläufe implementiert.
Mit US-amerikanischen Angeboten mitzuhalten, sei nicht möglich, sagt der Geschäftsführer. Das liege nicht nur an den schnell fortschreitenden technologischen Möglichkeiten, sondern auch an den strengen, von der EU auferlegten Regularien. Gleichzeitig, betont Oliver Schulze, sei es auch nicht das Ziel, mit den USA mitzuhalten, weil sein Unternehmen sich nicht an den amerikanischen, sondern den europäischen Markt richte.
"Ich sehe überhaupt keine Chance, dass wir in Europa in der Lage wären, auch nur annähernd an das heranzukommen, was die USA gerade machen. Wir haben weder die Infrastruktur noch das Geld dafür."
Neben der KI-Entwicklung, die Oliver Schulze intensiv verfolgt, beschäftigt er sich mit der Abhängigkeit von Technik. die aus den USA kommt.
Wenn möglich, versucht er, sein Unternehmen unabhängig davon zu machen. "Wir haben zum Beispiel auch Server bei uns im Haus, wo wir lokal KI betreiben." Seine Befürchtung betrifft nicht nur KI, sondern auch andere technische Infrastruktur.
Er gibt ein Beispiel: "Wenn die US-Regierung entscheidet, nicht mehr mit Europa zusammenzuarbeiten, wären wahrscheinlich 98 Prozent der Unternehmen hier tot." Als konkretes Beispiel nennt er Office 365, das in vielen Unternehmen und Behörden genutzt wird.
"Die Abhängigkeit von US-amerikanischen Frontiermodellen ist mir ein echter Dorn im Auge."
Neue Technologie wirft auch juristische Fragen auf
Insgesamt wirft die Entwicklung von KI jede Menge Fragen auf, die über die technische Entwicklung hinausgehen. So stellen sich Fragen rund um Abhängigkeiten, Forschung und Regulierung. Aus Gregor Schmalzrieds Sicht geht es auch um Haftung und damit um Rechtsfragen.
"Wir müssen uns fragen, wie eine Firma belangt wird, die zugelassen hat, dass ihre KI in eine andere Firma einbricht."
Es gibt also noch viel zu tun, fasst der Journalist zusammen. Eine Form der KI-Regulierung hält er allerdings nicht für realistisch. Da helfe es auch nicht, wenn 22 Staats- und Regierungschefs – darunter Friedrich Merz – sich für eine globale KI-Behörde aussprechen.
"Natürlich würde das komplett Sinn machen", so der Journalist. Das Problem daran ist nur: Der Vorschlag wurde nicht von denen unterschrieben, bei denen es in der KI-Entwicklung derzeit ankommt. Und das sind die USA und China.