UnzufriedenWarum so viele die AfD wählen
Wer sich ungerecht behandelt fühlt, kein Vertrauen in die Politik hat oder glaubt, nicht gehört zu werden, wählt eher die AfD. Ein Vortrag über die Ursachen des Erfolgs der AfD des Soziologen Detlef Pollack.
Im Bundestag ist die AfD die zweitstärkste Kraft, im Osten ist die Zustimmung besonders hoch. Wie kommt das? Was sind die Ursachen für den Erfolg der Partei? Das sind die Fragen, die man beantworten muss, bevor man sich sinnvoll mit der Frage beschäftigen kann, was man gegen den Aufstieg der AfD tun kann, sagt Detlef Pollack.
Die Lage in Deutschland wird als schlecht eingeschätzt
Detlef Pollack ist Seniorprofessor am Institut für Soziologie der Universität Münster. Er kommt selbst aus dem Osten. In seinem Vortrag präsentiert er die Ergebnisse seiner Untersuchungen im Detail. Wenn Menschen zum Beispiel das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden – oder wenn sie die Lage in Deutschland als ausgesprochen schlecht einschätzen –, dann wählen sie eher die AfD.
"Es gibt einen klaren Zurechnungsmodus: Die Politik muss sich ändern und deswegen wählt man AfD."
Das Gefühl, nicht gesehen zu werden, kein Vertrauen in die Arbeit der Regierung zu haben und Migranten als Herausforderung zu betrachten sind weitere Faktoren, die die Zustimmung zur AfD erhöhen, erklärt Pollack. Als Schuldiger wird die Politik ausgemacht, die sich ändern muss, daher wählt man AfD. Das, so Pollack, sei eine Form des Protestes, der Unzufriedenheit und der Empörung.
"Was ich vorschlage, wäre rhetorische Abrüstung."
Detlef Pollack betrachtet diese Einstellung als eine nicht zu befriedigende Anspruchshaltung. Deshalb sitzt die Politik seiner Meinung nach "in der Falle". Denn obwohl sie verspricht, die Probleme der Menschen zu lösen, kann sie die vielen gestellten Ansprüche gar nicht erfüllen.
Sie kann sie aber auch nicht ignorieren. Wenn sich demokratische Parteien darüber hinaus als "die Guten" darstellen wollen und deswegen die Gefahr übertreiben, dann tragen sie damit zur Polarisierung der Gesellschaft bei. Daher, glaubt Pollack, ist der wichtigste erste Schritt eine "rhetorische Abrüstung".
Detlef Pollack ist Seniorprofessor am Institut für Soziologie der Universität Münster. Sein Vortrag hat den Titel "Warum wählen im Osten Deutschlands so viele die AfD?" Er hat ihn am 20. Januar 2026 in Frankfurt (Oder) gehalten im Rahmen der Ringvorlesung "Wie umgehen mit dem Rechtsextremismus?" (Ringvorlesung „Wie umgehen mit dem Rechtsextremismus?“ • Europa-Universität Viadrina). Veranstaltet wurde die Reihe von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).