WeltordnungStaaten als "Warlords" auf dem Vormarsch?
Das Friedensgutachten 2026 warnt vor staatlichen "Warlords" und dem weiteren Zerfall von Demokratien. Gleichzeitig zeigen die Forschungsinstitute Maßnahmen auf, die helfen, zu einer friedlicheren Welt zurückzukehren.
In ihrem diesjährigen Friedensgutachten warnen vier deutsche Konfliktforschungsinstitute vor der Zunahme an Gewalt als reguläres Mittel internationaler Politik. Regierungen würden immer mehr wie Kriegsfürsten auftreten, internationale Regeln missachten und Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzen. Gleichzeitig ist der Rückgang an Demokratien als auch deren Qualität besorgniserregend. Nur noch 7 Prozent der globalen Bevölkerung lebten in freien Demokratien.
Dabei verbietet das internationale Regelsystem der Vereinten Nationen ausdrücklich Krieg, sagt Ursula Schröder. "Trotzdem haben wir heute die höchste Zahl an Krisen, Gewaltkonflikten und Kriegen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs", sagt die wissenschaftliche Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.
Machtbesessene Männer als Kriegsfürsten
Für das Gutachten sind die Institute der Frage nachgegangen, warum wir auf der Welt so viele Konflikte wie noch nie haben. Einer der Gründe sei, "dass eine bestimmte Gruppe von Staatsführern, die muss man auch nicht gendern, das sind alles Männer, Krieg als probates Mittel von Politik verwenden, Interessen durchzusetzen, Territorien zu bekommen, Macht durchzusetzen und Profite zu machen", sagt Ursula Schröder.
Diese Gewaltbereitschaft bei Staatschefs sei neu, die wie "Warlords" in Bürgerkriegen handeln würden. Der Unterschied zu den "Warlords" oder Milizenführern in Bürgerkriegen sei, dass diese Staatsmänner wie US-Präsident Donald Trump, der israelische Premier Benjamin Netanjahu demokratisch gewählt wurden. Nur im Fall des russischen Präsidenten Wladimir Putin kann man nicht von einer demokratischen Wahl sprechen. Was Putin und Trump vergleichbar mache, sei ein ähnliches Politikmuster.
"Das haben wir in dieser Konstellation noch nicht gesehen und das macht uns als Konfliktforscher, als Sicherheitsforscher, wirklich Sorgen."
Diese Regierungen haben andere Werkzeuge zur Hand als Milizenführer in einem Bürgerkrieg, erklärt Ursula Schröder. Sie könnten auf Hightech-Waffen zurückgreifen und könnten Regierungsfunktionen nutzen. Sie handeln nicht außerhalb des Staats wie Milizenführer, sondern durch und mit dem Staat und haben ganz andere Gewaltmittel zur Verfügung, betont Ursula Schröder.
Völkerrecht scheint keine Rolle mehr zu spielen
Zwar gab es früher auch fragwürdige Kriege wie beispielsweise den Irakkrieg 2003, doch damals habe die US-Regierung noch mit Bezug auf das Völkerrecht argumentiert: Ja, es gibt das Friedensgebot, aber man sah sich im Recht auf Selbstverteidigung. Heute würden sich diese neuen "Warlords nicht mehr darum scheren, ob es das Völkerrecht überhaupt gibt". In diesem Ausmaß wie heute, sei das auch noch nie aufgetreten, sagt Ursula Schröder.
"Dass ein Staat einfach einen anderen Staat überfällt – wie im Fall Venezuelas die USA –, ohne solche Argumentationsmuster draufzulegen, das ist neu."
Dass Russland andere Staaten überfällt, ist nicht neu, sagt Ursula Schröder, aber die Brutalität und die Härte, mit der die russische Regierung vorgehe, sei neu. Diese Muster, die die Institute jetzt beobachten, in dieser Dichte und in der Masse habe man zuvor nie gesehen. Dieses Vorgehen würde uns in eine Welt führen, in der stärkere Staaten sich durchsetzen und schwächere verlieren. "Und in einer solchen Welt wollen wir nicht so gerne leben", stellt Ursula Schröder fest.
Völkerrecht stärken
Damit sich diese Entwicklung wieder umkehrt, rät Ursula Schröder, dass Gewalt politisch, rechtlich und finanziell unattraktiv werden muss. "Gewalt darf sich nicht lohnen und Regelbrüche müssen Kosten haben." Das heißt auch für die deutsche Regierung: Regelbrüche des Völkerrechts müssen sanktioniert werden, auch wenn es sich um Verbündete handelt.