WG-StressWenn unser Besuch nicht wilkommen ist

Ariane hat während ihres Auslandssemesters im spanischen Murcia in einer WG gewohnt. Als ihr Freund für zwei Wochen zu Besuch kam, waren ihre drei Mitbewohnerinnen nicht begeistert. Wie wir mit solch schwierigen Situationen in Wohngemeinschaften besser umgehen können, weiß der Mediator Tilman Bemm.

Zwei Wochen Freundesbesuch seien zu lang, haben Arianes WG-Mitbewohnerinnen in Murcia gesagt. Themen oder Probleme in einer WG offen anzusprechen, findet Ariane zwar prinzipiell wichtig und richtig, sagt sie – doch hier habe ihr ein wenig das Verständnis gefehlt.

"Ich dachte, ich finde es erst mal voll wichtig, dass sie das ansprechen. Von einer WG möchte ich ja eigentlich auch haben, dass man da offen über solche Dinge reden kann."
Ariane über ihre WG-Erfahrungen

Mit zwei Bädern, einer separaten Küche und sogar einem extra Wohnzimmer neben den eigenen Schlafzimmern sei eigentlich ausreichend Platz in der WG gewesen, um sich für die Zeit zu arrangieren, findet Ariane. Und mit den Mehrkosten durch ihren Freund wären sie sich sicher auch einig geworden.

Angespannte Grundstimmung in der WG

Die Grundstimmung und Dynamik in der WG sei aber schon zuvor nicht ganz einfach gewesen. Ihre drei Mitbewohnerinnen kamen alle aus Sizilien, zwei waren bereits befreundet. Oft hätten die Mädels untereinander Italienisch gesprochen, wodurch sie sich immer wieder auch etwas ausgeschlossen gefühlt habe, erzählt Ariane. Sie habe solche Dinge auch angesprochen und sich verletzlich gezeigt, doch kaum Mitgefühl bekommen.

"Auf Basis dessen, dass mein Freund sich unwillkommen und ich mich auch unverstanden gefühlt habe, haben wir entschieden, noch ein paar Nächte in eine andere Stadt zu fahren."
Ariane über ihre WG-Erfahrungen

Als Arianes Freund schließlich – trotz der WG-Differenzen – zu Besuch kam, hätten beide sehr darauf geachtet, Rücksicht auf die Mitbewohnerinnen zu nehmen. So hätten sie beispielsweise zu unterschiedlichen Zeiten gekocht. Da sie sich aber in der Situation nie so ganz wohlgefühlt haben, sind die zwei für ein paar Tage noch in eine andere Stadt gefahren, erzählt Alina.

Vom Desinteresse enttäuscht

Dazu kommt, dass zwei ihrer Mitbewohnerinnen ebenfalls Freunde gehabt hätten, von denen zumindest einer ein paar Tage im Monat in der WG gewohnt hat, sagt Alina. Auch hier hätte sie sich mehr Verständnis für ihre Situation gewünscht – und generell insgesamt mehr Interesse an ihrer Person und ihrem Leben.

Bis zum Ende ihrer Erasmuszeit habe sich das Verhältnis zu ihrer WG nicht mehr wesentlich verbessert, selbst Smalltalk sei schwierig gewesen. Gute Kontakte und auch internationale Freundschaften hat Alina trotzdem geknüpft, sagt sie – allerdings außerhalb ihrer WG.

Wohngemeinschaft: Wünsche und Bedürfnisse äußern

Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Kumpel oder Beziehungspartner*innen in einer WG nicht so willkommen sind, sei Ausziehen immer die allerletzte Option, sagt Mediator Tilman Bemm. Wir sollten immer zuerst das gemeinsame Gespräch suchen, um die Gründe zu erfahren – dabei aber keine Vorwürfe äußern. Vielmehr sollten wir versuchen, unsere Gefühle auszudrücken. Mit Sätzen wie "Das macht mich traurig" oder "Das hat mich verärgert" zum Beispiel.

"Am besten ist immer, nach einem Gefühl zu suchen: 'Das macht mich traurig' oder 'Das hat mich verärgert'".
Tilman Bemm, Mediator

Neben dem Gefühl sei es zudem wichtig, die eigenen Bedürfnisse und auch Wünsche zu äußern – etwa, dass es schön wäre, wenn der Besuch von den anderen begrüßt wird.

Gemeinsame Regeln vereinfachen das WG-Leben

Freunde, Partnerinnen, Besuche, Besuchsdauer oder finanzielle Beteiligung – schon bei der WG-Gründung sollten solche Fragen idealerweise geklärt werden. Auch hier heißt es: über Bedürfnisse sprechen, Wünsche offenlegen und dann schauen, wie alle auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Wer neu in eine WG kommt, sollte sich auf jeden Fall über die Gepflogenheiten in der Gemeinschaft erkundigen, so der Mediator.

Hilfreich kann es auch sein, den eigenen Partner der WG erst mal vorzustellen. Vom Erzählen her mag man einen Menschen leiden können, doch im echten Leben kann das natürlich anders sein.