Wilde TräumeWie Medikamente den Schlaf verändern
Sie können schläfrig machen, aber auch bizarre Träume verursachen oder den Schlaf stören: Verschiedenste Medikamente verändern als Nebenwirkung unseren Schlaf. Wie kommt das?
Die Liste der Medikamente, die sich auf unseren Schlaf auswirken können, ist lang. Wer auf Reisen geht, hat vielleicht schon Erfahrung mit einem Mittel gegen Reiseübelkeit oder einem Malariaprophylaxe-Medikament gemacht. Beide wirken sehr unterschiedlich auf den Schlaf.
Bei Malaria wird zum Beispiel oft das Medikament Malarone für die Prophylaxe aber auch zur Behandlung unkomplizierter Infektionen verschrieben. Die Tabletten enthalten eine Kombination der Wirkstoffe Atovaquon und Proguanil. Und das kann zu Schlaflosigkeit führen, sagt Schlafforscherin Christine Blume.
"Ein bis zehn Prozent derjenigen, die das Medikament einnehmen, sind von dieser Nebenwirkung betroffen."
Teils beschreiben Menschen, die das Medikament schon einmal genommen haben, auch intensive oder bizarre Träume. Für seltsame Träume ist aber vor allem ein Medikament bekannt, das früher zur Malaria-Prophylaxe eingesetzt wurde: Mefloquin.
"Mefloquin führt gern zu abnormen oder lebhaften Träumen. Die werden manchmal noch Tage später erinnert. Aber auch Schlaflosigkeit, Angst und depressive Verstimmung können auftreten."
Manche kennen es auch noch unter dem Handelsnamen Lariam. In Deutschland hat es seit 2016 keine Zulassung mehr und wird nur noch in Ausnahmefällen aus dem Ausland importiert. Das Medikament wirkt stark auf das Gehirn und kann sogar Sinnestäuschungen hervorrufen – ähnlich wie bei einem Drogenrausch.
Viele Medikamente beeinflussen als Nebenwirkung den Schlaf
Derart heftige Nebenwirkungen sind bei Medikamenten gegen Reiseübelkeit nicht zu erwarten. Schlafforscherin Christine Blume ist selbst davon betroffen und berichtet, dass sie von Medikamenten dagegen früher häufig schläfrig wurde. Dahinter steckt die Wirkung der Medikamente im Gehirn. Bei Reiseübelkeit helfen sie, weil sie die Wirkung des Botenstoffs Histamin im Gehirn blockieren.
"Ich habe Antihistaminika der ersten Generation mal bei einem Segeltörn benutzt und war schon oft ziemlich schläfrig."
Histamin ist an der Übertragung von Informationen zum sogenannten Brechzentrum beteiligt. Das ist eine Art Zentrale im Hirnstamm, die Signale aus dem gesamten Körper sammelt und auswertet, zum Beispiel aus dem Magen-Darm-Trakt. So können dann zum Beispiel Übelkeit oder Erbrechen ausgelöst werden.
Und Histamin hat nicht nur diese eine Funktion: Der Botenstoff macht uns auch wach. Ist seine Wirkung blockiert, werden wir schläfrig. Antihistaminika der ersten Generation können den Schlaf aber auch stören, berichtet Christine Blume, und zwar mit weiteren Nebenwirkungen wie etwa unruhige Beine.
"Sie können dazu führen, dass Menschen Symptome eines sogenannten Restless-Legs-Syndrom entwickeln oder sich die Symptome verstärken, wenn man ein Restless-Legs-Syndrom hat."
Wer vom Restless-Legs-Syndrom betroffen ist, empfindet vor allem abends und in der Nacht ein unangenehmes Kribbeln, Brennen, oder Ziehen in den Beinen. Der Name kommt daher, dass Bewegung die Beschwerden kurzzeitig verbessert.
In dieser Folge Über Schlafen sprechen Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge und Schlafforscherin Dr. Christine Blume auch über die Wirkung von Antidepressiva und Beta-Blockern auf den Schlaf.