Zu viele DrogenWie gehen wir damit um, wenn Friends ständig ballern?

Ellie wurde der Drogenkonsum in ihrem Freundeskreis zu viel: Sie hat als letzte Konsequenz den Kontakt abgebrochen. Wie sich das Konsumverhalten von jungen Menschen verändert hat und wie wir Freunden helfen können, erklären zwei Experten.

Hinweis: In diesem Beitrag geht es um Drogenkonsum. Auch Tod durch Überdosis wird erwähnt. Bitte geh achtsam mit dir um.

Erst mal war es nur gelegentlich auf einer Party, dann aber jedes Wochenende – sogar beim Filmabend: So beschreibt Ellie den Drogenkonsum ihrer ehemaligen Freund*innen.

Ellie ist viel in der Techno-Szene unterwegs. Da kommt sie häufig mit Drogen in Kontakt. In ihrem Freundeskreis sind sie und ihre beste Freundin die einzigen, die nicht konsumieren.

"Ich habe einige Freundschaften verloren, weil sich der Charakter so extrem durch den Konsum verändert hat."
Ellie, nimmt selbst keine Drogen und fühlt sich unwohl damit, dass es in ihrem Freundeskreis stattfindet

Von manchen ihrer Freund*innen hat sie sich wegen ihres Drogenkonsums abgewendet. "Es tut mir weh, zu sehen, wie meine ehemaligen Freunde sich so verloren haben da drin – wenn die Charakterzüge verloren gehen, die man so sehr an Freunden schätzt, weil es nur noch um Konsum geht", sagt Ellie. Eine Erfahrung prägt sie bis heute: Ellie hat einen Freund vor mehreren Jahren an einer Überdosis verloren.

"Es war am Anfang nur auf Partys, dann war es jedes Wochenende. Es tut mir weh, zu sehen, wie die sich verlieren."
Ellie über den Drogenkonsum ihrer ehemaligen Freundinnen und Freunde

Wenn es darum geht, Drogen zu nehmen, spricht Ellie bei ihren Freund*innen an, wie unwohl sie sich damit fühlt. Teilweise seien ihre Freund*innen einsichtig. Bei den meisten nimmt Ellie aber eine Abwehrhaltung wahr. "Sie sagen: Ich habe kein Drogenproblem. Das ist nur ab und zu", erzählt sie.

Wann die Droge zur Sucht wird

Wann ein Verhalten eine Sucht ist, dafür gibt es viele klinische und wissenschaftliche Kriterien. Psychiater und Psychotherapeut Tobias Rüther nennt eine Faustregel: Bestimmt die Substanz, wann, wie oft und wie viel konsumiert wird und nicht mehr man selbst, kann man von einer Sucht sprechen.

Tobias Rüther leitet die Suchtambulanz am LMU-Klinikum in München. Er sagt, das Suchtverhalten unter jungen Menschen verändere sich momentan.

Bei der Alkoholabhängigkeit, die vor ein paar Jahren ein großes Problem war – besonders bei Jugendlichen – sei der Trend gleichbleibend bis rückläufig. "Aber dafür gibt es ein anderes Phänomen: Es gibt viele verschiedene Substanzen, die teilweise konsumiert werden. Das sind zum Beispiel Ecstasy, Opiate, die Club-Drogen und auch Cannabis. Es ist aber auf keinen Fall so, dass wir ein riesengroßes zunehmendes Suchtproblem bei Jugendlichen haben", erklärt der Psychiater und Psychotherapeut. Es komme aber weiterhin auf Präventionsarbeit an.

Du bist mir wichtig

Sollten wir beobachten, dass Freund*innen ein problematisches Konsumverhalten haben, können wir das ansprechen. Psychotherapeut Markus Mitteramskogler rät, vor so einem Gespräch erst mal mit weiteren Freund*innen darüber zu reden. Sie können teilen, wie sie das Konsumverhalten wahrnehmen.

"Ich spreche es an, weil du mir wichtig bist. Ich kann dir eine Telefonnummer heraussuchen, vielleicht auch ein Erstgespräch mit dir vereinbaren, aber hingehen musst du selbst."
Markus Mitteramskogler, Psychotherapeut und Leiter einer Drogenberatungsstelle, darüber, Freunden bei problematischem Konsumverhalten zu unterstützen

Geht es dann um das Gespräch mit der betroffenen Person, empfiehlt der Psychotherapeut und Leiter einer Drogenberatungsstelle:

  • Einen ruhigen Moment finden, in dem kein Konsum stattfindet.
  • Keine Vorwürfe machen, keine Diagnosen stellen oder versuchen, die Person zu überzeugen.
  • Deutlich machen: Ich spreche das an, weil du mir wichtig bist.
  • Konkrete Beobachtungen teilen. Beispiel: Beim letzten Treffen habe ich das und das bemerkt.
  • In Ich-Botschaften sprechen.

"Es geht nicht darum, zu überzeugen oder der anderen Person einen Vorwurf zu machen. Es geht darum, dass ich der anderen Person eine Außenwahrnehmung mitgebe", erklärt Markus Mitteramskogler. Die Hilfe anzunehmen, liegt dann aber in der Verantwortung der betroffenen Person.

Dabei ist es wichtig, seine eigenen Grenzen zu wahren. Sollten wir bei uns merken, dass wir die Rolle von Retter*innen einnehmen oder es uns schlecht dabei geht zu helfen, können wir auf professionelle Hilfe verweisen. Damit geben wir der betroffenen Person auch die Verantwortung für ihr Leben zurück.

Ellie hat auch ihre Grenzen gesetzt. Dieses Jahr war sie mit einer Freundesgruppe auf Festivals unterwegs, bei der Drogen nicht im Mittelpunkt standen. "Alle sind viel ruhiger geworden, wollen lieber den Moment genießen und merken: Nüchtern macht Raven auch Spaß", sagt sie.

Hörtipp: "Du fehlst"

"Du fehlst" – ein Podcast, in dem über Dinge gesprochen wird, die oft im Verborgenen bleiben: Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und andere Probleme, die passieren, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt. In diesem Podcast erzählen Frauen, Paare und Männer ihre ganz persönlichen Geschichten. Einfühlsam, nahbar und mutmachend, um zu zeigen: Man ist nicht allein.