Zwischen den FrontenWas passiert gerade im Libanon?

Israel greift im Libanon an, die Hisbollah schießt zurück – und die Menschen fürchten um ihr Leben. Über eine Million sind auf der Flucht. Wie lebt man im Krieg? Und warum greift Israel so massiv an?

Im Süden des Libanon rückt das israelische Militär weiter vor. Wer dort lebt, soll fliehen. Die Armee ruft alle Menschen südlich des Flusses Litani auf, das Gebiet zu verlassen. Zudem erklärt Israels Verteidigungsminister Israel Katz das Gebiet bis auf Weiteres zur Pufferzone. Auch in der libanesischen Hauptstadt Beirut gibt es viel Zerstörung durch den Krieg.

Welche Umstände zum Krieg im Libanon führten

Als Israel und die USA Iran angreifen, töten sie am 28. Februar 2026 den obersten Führer, Ali Chamenei. Die Hisbollah-Miliz im Libanon, die vom Iran unterstützt wird, feuert daraufhin Raketen auf Israel. Eigentlich gab es eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon – auch wenn diese nicht sehr stabil war. Nun herrscht dort seit vier Wochen wieder Krieg. Über eine Million Menschen flüchten zurzeit.

"Das alles hat natürlich psychologische Auswirkungen, weil die Menschen nie eine Pause machen können. Für die Menschen bedeutet das auch, dass sie ihr Leben nicht weiter planen können, weil sie gar nicht wissen, wie es weitergeht."
Stella Männer, Korrespondentin in Beirut

In Friedenszeiten hilft Abdel Hamid Aouad, genannt Abdo, den Ärmsten. Er unterstützt als Direktor der Nichtregierungsorganisation Tahaddi auch syrische Geflüchtete. Aktuell ist er rund um die Uhr im Einsatz, um den Menschen zu helfen, die vor dem Krieg aus ihren Häusern geflüchtet sind, um Schutz in Notunterkünften wie Schulen zu suchen.

Mit dem Rollstuhl auf der Flucht

Dazu gehören auch die Zwillingsbrüder Hassan und Hussein. Vor ungefähr 40 Jahren waren sie vor dem Bürgerkrieg im Libanon als Kinder nach Deutschland geflohen. Damals wurde Hussein bei einem Raketenangriff gelähmt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Vor sechs Jahren sind die beiden in den Südlibanon zurückgekehrt und befinden sich nun wieder auf der Flucht vor dem Krieg.

"Hassan hat auch erzählt, dass unterwegs Raketen über sie hinweggeflogen sind und er geweint hat. Jetzt sind sie in einer Notunterkunft in einer Schule in Beirut."
Jan Dahlmann, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Besonders für Hussein ist das als Rollstuhlfahrer herausfordernd. Die beiden sind im Lehrerzimmer einer Schule untergekommen. Die Schule ist komplett überfüllt. Sie kommen im 4. Stock unter. Für Hussein wäre es besser, im Erdgeschoss zu sein, da durch das Herauf- und Heruntertragen bereits ein Griff an seinem Rollstuhl abgebrochen ist.

Psychische Belastung durch den Krieg ist immens

Abdo Aouad erlebt erschreckende Szenarien: Menschen, die ihre Familien, ihr Zuhause oder auch Körperteile durch Verletzungen verloren haben. Für ihn ist es gut, pausenlos im Einsatz zu sein, ohne innehalten zu können. Denn das schützt ihn davor, zu viel über die Schrecken nachzudenken.

"Es ist hart, denn die Geschichten sind hart. Viele haben ihre Familien, ihr Zuhause, ihren Besitz und Körperteile verloren, und die Bedingungen, unter denen sie leben, sind alles andere als optimal, was Hygiene, Privatsphäre und anderes angeht."
Abdel Hamid Aouad, Leiter der Hilfsorganisation Tahaddi

Für die Menschen im Libanon bedeutet der Krieg permanenten Stress: Körperlich und psychisch ist das eine extreme Belastung, erklärt Stella Männer, die als Journalistin im Libanon lebt. Denn die Bevölkerung müsse sich ständig darüber informieren, ob das Gebiet, in dem sie wohnen, von Kriegshandlungen betroffen werden könnte. Viele haben zudem keine Notunterkünfte finden können und harren in Zelten und auf der Straße aus.

Mittlerweise befindet sich das Land seit dem 8. Oktober 2023 in einem Kriegszustand. Eine lange Zeit der dauerhaften Bedrohung, die die Menschen mürbe macht. Deswegen berichtet Korrespondentin Stella Männer am liebsten über Akteure, die nach Lösungen und Auswegen aus dem Konflikt suchen, sagt sie.

Die Menschen leben sehr im Jetzt, sagt Stella Männer. Sie können nicht planen, weil nicht klar ist, wie lange der Krieg andauern und was danach sein wird.