ArbeitsplatzIm Job Platz für Trauer schaffen

Zuverlässig, routiniert, unemotional: In der Arbeitswelt gibt es einen Verhaltenskodex. Doch wenn wir trauern, fällt es schwer, ihn einzuhalten. Welche Rechte haben wir als Arbeitnehmende? Und wie können Arbeitgeber und Team Trauernde supporten?

Ein Mensch, der uns nahesteht oder den wir lieben, stirbt. Vielleicht haben wir uns nach langer Krankheit auf den Tod vorbereiten können. Oder aber er kam ganz plötzlich. So ein Verlust kann Trauernde aus der Bahn werfen.

Trauern ist sehr individuell

Jeder Mensch trauert dabei anders. Der eine kann nicht mehr arbeiten, der anderen hilft es, weiterzumachen. Und manche glauben, weiter funktionieren zu müssen, obwohl es eigentlich nicht geht. Vor allem eben im Job. Schließlich stehen Abgaben an, Kund*innen warten auf Antworten und die Mails türmen sich. Und die Kolleg*innen allein lassen mit der Arbeit? Schlechtes Gewissen!

Nur: Trauer lässt sich weder planen noch weg organisieren. Was sich hingegen organisieren lässt: Arbeitsaufgaben. Unternehmen und Teams können sich darauf einstellen, wenn Mitarbeitende oder Führungskräfte einen Verlust erleben.

Welche Rechte Trauernde haben

Wie sieht die rechtliche Seite aus? Einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub im Trauerfall gibt es in Deutschland nicht – allerdings gewähren 90 Prozent der Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden in einem solchen Fall ein bis zwei freie Tage, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sarah Brendel.

Die Regelung sei entweder im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung festgelegt. "Der Sonderurlaub gilt allerdings nur bei Trauer um Kind, Ehepartner*in oder Elternteil", erläutert die Reporterin.

Mit seinen Regelungen hinkt Deutschland im internationalen Vergleich beim Entgegenkommen gegenüber Trauernden hinterher, sagt Anja Gebhard. Sie berät Unternehmen darin, wie sie mit Trauer am Arbeitsplatz umgehen können.

"Frankreich, Portugal und Neuseeland gewähren zehn Tage. Die kann man innerhalb eines Jahres nehmen."
Anja Gebhard, berät Unternehmen im Umgang mit Trauer

In manchen Ländern stehen Arbeitnehmenden freie Tage für die Trauer zu. In Deutschland ist es dagegen üblich, sich krankschreiben zu lassen, wenn man über die ein bis zwei freien Tage hinaus wegen der Trauer nicht arbeiten kann, erklärt Sarah Brendel.

"Krankgeschrieben werden wir wegen der Symptome, die im Zusammenhang mit Trauer entstehen, wie akute Belastungsreaktion mit Schlafstörungen, Erschöpfung oder Depression."
Sarah Brendel, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Es gibt auch eine Diagnose, die im Zusammenhang mit anhaltender Trauer gestellt werden kann: die anhaltende Trauerstörung. "Die wird aber in der Regel erst diagnostiziert, wenn die Symptome auch noch sechs Monate nach dem Todesfall anhalten", erklärt unsere Reporterin.

Wie wir mit Trauernden im Job umgehen können

Auch Kolleg*innen und Teams stehen oft vor der Frage, wie sie einer trauernden Person begegnen sollen. Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, halten sich manche lieber zurück. Anja Gebhard rät ausdrücklich davon ab. Denn das Schweigen könne dazu führen, dass sich Betroffene, die sich ohnehin schon allein mit ihrer Trauer fühlen, noch einsamer fühlen. Der betroffenen Person zu zeigen, dass man ihre Trauer wahrnimmt, reiche schon.

"Es tut mir leid, was dir passiert ist. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll – das reicht schon als Unterstützung und als Zeichen, dass man den Betroffenen sieht."
Anja Gebhard, berät Unternehmen im Umgang mit Trauer

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