Postpartale DepressionDepressive Symptome nach der Geburt? Bitte abklären!
Eine postpartale Depression, auch Wochenbett-Depression genannt, erleben viele Mütter – und auch Väter. Trotzdem wird oft nicht darüber geredet. Dabei ist es für Eltern und Kinder extrem wichtig, dass sie schnell behandelt wird.
Das ist die Traumvorstellung: Entbindung gut gelaufen, Kind da, alle happy! Oft ist das auch so – oft aber eben auch nicht. Dass vor allem Mütter, aber auch Väter, nach einer Geburt statt Glücksgefühlen Traurigkeit oder auch depressive Symptome erleben, ist leider überhaupt nicht ungewöhnlich.
Wichtig ist dann, zu erkennen und zu unterscheiden, worum es sich handelt:
- Um den üblichen sogenannten Babyblues? Der beginnt oft wenige Tage nach der Geburt und hängt vor allem mit den hormonellen Veränderungen nach einer Entbindung zusammen, erklärt Julia Dehmann aus dem Deutschlandfunk-Nova-Wissensteam. Die Betroffenen sind emotionaler als sonst, da können auch schon mal Tränen fließen. Das ist so weit normal und geht vorüber.
- Oder um die sogenannte Wochenbett-Depression, in der Fachsprache postpartale Depression genannt? Die ist schwerwiegender: Sie geht einher mit typischen depressiven Symptomen wie gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit, Überforderung oder auch sehr düsteren Gedanken.
Schwer zu erkennen: Babyblues oder mehr?
Das Problem: Es ist eben nicht einfach zu erkennen, womit man es zu tun hat. Das bestätigt auch die Psychiaterin Dörte Jennet, Co-Leiterin der interdisziplinären Mutter/Vater-Kind Station des Alexius/Josef Krankenhauses in Neuss. Oft wird sie von Eltern gefragt, ob sie es nun mit einem Babyblues oder einer Wochenbett-Depression zu tun haben, erzählt sie.
Nur: Es gibt nicht die postpartale Depression, erklärt sie, es gibt verschiedene Formen. Was aber klar sei: Wenn es jemandem nach einer Geburt nicht gut geht, dann ist erst mal egal, welches Etikett da dran gehört – in jedem Fall sollte man hinschauen.
Postpartale Depression ist häufig – und bleibt häufig unerkannt
Selten ist Wochenbett-Depression nicht: Es wird davon ausgegangen, dass zehn bis 20 Prozent aller Mütter davon betroffen sind, erklärt unsere Reporterin – und für viele vielleicht überraschend: auch zehn Prozent der Väter. Die wirkliche Zahl der Betroffenen einzuschätzen, ist allerdings schwer.
"Frauen haben es häufiger. Aber es kann wirklich beide betreffen. Und auch die Väter haben eben wirklich dann eine postpartale Depression."
Denn: Viele Mütter und Väter leiden still vor sich hin und tauchen daher in keiner Statistik auf. "Die Dunkelziffer scheint tatsächlich ziemlich hoch zu sein", sagt Julia. Die Gründe dafür sind etwa Schamgefühle oder mangelnde Aufklärung über Symptome und Hilfsangebote.
Für Eltern ist es wichtig zu wissen, wie sich so eine postpartale Depression äußern kann und auch, wie sie entstehen kann. Eine Geburt ist ein massiver physischer und psychischer Einschnitt. "Der Körper verändert sich, Beziehungen verändern sich, man ist auf einmal nicht mehr nur für sich allein verantwortlich", macht unsere Reporterin bewusst.
"Es ist wirklich eine Riesenanpassungsleistung in allen Bereichen. Und die macht zu schaffen."
Und in so einer "Schwellensituation" können psychische Vorerkrankungen, Veranlagung oder schwierige Rahmenbedingungen wie etwa Beziehungsprobleme die Entwicklung einer postpartalen Depression noch zusätzlich begünstigen, erklärt Psychiaterin Dörte Jennet.
Schwere Folgen für Eltern und Kinder
Wenn eine Mutter oder ein Vater möglicherweise betroffen ist, ist es extrem wichtig, das zügig abzuklären und wenn nötig schnell Hilfe zu bekommen. Dabei kann die Partnerperson, aber auch der Freundes-, Bekannten- oder Verwandtenkreis eine wichtige Rolle spielen. Sorge, dass jemand betroffen ist? Im Zweifel lieber sanft ansprechen!
Denn für Mütter, Väter und Kinder kann postpartale Depression ernsthafte Folgen haben, zeigt Forschung: Unbehandelt kann sie jahrelang anhalten und chronisch werden. Kinder können dadurch in ihrer Entwicklung gestört werden, und das nachhaltig.
Hilfsangebote bei postpartaler Depression
Es gibt aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, Psychotherapie zum Beispiel. Um die richtige für sich zu finden, sollte man sich beraten lassen – etwa bei der Patientenorganisation "Schatten und Licht" oder über das Hilfsangebot "Frühe Hilfen", das es in jeder Stadt gibt. Auch Gynäkolog*innen, Hebammen und Kinderärzt*innen können weiterhelfen.