SchwangerschaftsabbruchHebamme: Die Studie von Jens Spahn ist eine Chance

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, in einer Studie die seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen untersuchen zu lassen. Er hat das zur Bedingung gemacht für eine Lockerung des Paragrafen 219a. Viele Kritikerinnen und Kritiker halten eine solche Studie für unnötig. Sie meinen, Frauen, die abtreiben, leiden vor allem unter der gesellschaftlichen Stigmatisierung. Eine Studie, wie Jens Spahn sie fordert, könnte diese Stigmatisierung noch verstärken. Doch es gibt auch andere Stimmen - etwa die, der Hebamme Tirza Schmidt. Sie sagt, sie steht auf der Seite der Frauen. Eine wissenschaftliche Studie fände sie trotzdem hilfreich.

Tirza Schmidt ist Hebamme und Heilpraktikerin. Sie sagt, eine Studie, wie Jens Spahn sie fordert, könnte dazu führen, dass wir "das Thema Schwangerschaftsabbruch endlich ganzheitlich sehen". Und damit meint sie, es gibt nicht nur ein "Davor", also die Frage, was Frauen bewegt, wenn sie über einen Abbruch nachdenken. Sondern es gebe auch das "Danach": Wie geht es den Frauen nach dem Abbruch? 

Es gibt ein "Davor" und ein "Danach"

Weil ihr dieser Aspekt sehr wichtig ist, hat die Hebamme in Bochum eine Beratungsstelle für Frauen gegründet, die ihre Schwangerschaft abgebrochen haben und das bereuen.

"Als ich erfahren habe, dass Herr Spahn diese Studie in Auftrag geben möchte, war ich überrascht, aber wirklich optimistisch."
Tirza Schmidt, Hebamme und Heilpraktikerin

Ja, der Schwangerschaftsabbruch sei in Deutschland ein Tabuthema, meint Tirza Schmidt. Besonders leiden würden aber die Frauen, die einen solchen Abbruch hinter sich haben und keine Hilfe erfahren. Die Debatte um dieses Thema sei sehr vielschichtig und emotional. 

"Ich stehe nicht auf der Seite Spahns, sondern ich stehe an der Seite der Frauen, die es erlebt haben, und die in Deutschland still schweigen."
Tirza Schmidt, Hebamme und Heilpraktikerin

Eine Petition gegen die Studie

Die Bloggerin Nike van Dinther hat unter dem Hashtag #WasfürnSpahn eine Petition gegen die neue Studie gestartet. Sie schreibt: "Nein, es sind tatsächlich nicht die Abbrüche selbst, die psychische Erkrankungen wahrscheinlicher machen, sondern die Umstände. Frauen leiden (…) unter der immer noch herrschenden gesellschaftlichen Stigmatisierung." Und sie formuliert, was offenbar einige Jens Spahn unterstellen: Dass er an den Problemen von Frauen und einer offenen wissenschaftlichen Studie kein Interesse habe, sondern dass die Studie ideologisch motiviert sei. Sie solle eine Politik legitimieren, die das Recht von Frauen, eine Schwangerschaft abzubrechen, einschränkt.

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Hebamme Tirza Schmidt kennt die Vorbehalte, glaubt aber trotzdem, dass eine wissenschaftliche Studie den Frauen helfen könnte - wenn sie die richtigen Fragen stellt und offen ist, für die unterschiedlichen Antworten. Es gehe zum Beispiel um die Frage, wie sich ein Abbruch möglicherweise auf die Psyche oder die Paarbeziehung auswirkt.

"Ich sehe die Chance, dass wir das Augenmerk haben auf einer vielleicht auch psychischen Nachsorge nach einem Schwangerschaftsabbruch."
Tirza Schmidt, Hebamme und Heilpraktikerin

Eine Nachsorge könnte Frauen nach einem Abbruch helfen, für sich erneut "Frieden und Stabilität zu erfahren" und eine gute Entscheidung für sich zu treffen "wenn man erneut schwanger wird, und erneut vor die Wahl gestellt wird."

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