WeltraumSwift ist verglüht wie ein Komet
Heftige Gammablitze waren seine Spezialität und viele, viele Überstunden: Jetzt ist das Weltraumteleskop Swift Geschichte. Es hinterlässt eine lange Spur aus Licht – und jede Menge Daten.
Das Weltraumteleskop Swift ist abgestürzt. Es trat am 4. November 2026 über Indonesien in die Erdatmosphäre ein und verglühte. Und auch wenn dieses Ende absehbar war, Astrophysiker Michael Büker trauert doch ein wenig: "Swift hat über 20 Jahre lang einige der spannendsten astrophysikalischen Phänomene untersucht."
In diesen zwei Jahrzehnten hat das Teleskop Gammablitze im All gemessen und dokumentiert. "Gammastrahlung ist elektromagnetische Strahlung mit besonders hoher Energie. Sie entsteht bei besonders dramatischen kosmischen Katastrophen", erklärt Michael Büker.
Beweglichkeit als Stärke
Swift konnte binnen Minuten auf einen Ausbruch von Gammastrahlen reagieren. Dann drehte sich das Weltraumteleskop rasch in Richtung des Ursprungs der Strahlung und beobachtete mit gleich zwei weiteren Teleskopen an Bord beobachtet, ob in dieser Richtung etwas Auffälliges zu sehen war. "Und dieses Konzept war ein riesiger Erfolg", findet der Astrophysiker.
"Swift war technisch eigentlich noch nicht am Ende. Es war ursprünglich für zwei Jahre im All gebaut worden."
Ursprünglich sollte der 1,5 Tonnen schwere Satellit nur für die Dauer von zwei Jahren Daten liefern, doch arbeitete dann etwa zehnmal länger, als beim Start im Jahr 2004 geplant. Damit übertraf Swift auch die von der Nasa errechnete Betriebsdauer von sieben Jahren deutlich.
Funktionalität trotz Kreiselausfall
Zuletzt bewegte sich Swift nicht mehr so flink, zeigte eine gewisse Altersschwäche. Doch das Gerät funktionierte bis zum Schluss trotz des Ausfalls von zwei der vier installierten Kreisel. "Das sind wichtige Gerätschaften, mit denen ein Satellit sich drehen und ausrichten kann", erklärt Michael Büker.
"Swift könnte noch forschen, wäre es nicht aufgrund von Sonnenstürmen zu tief in die Erdatmosphäre geraten."
Und Swift selbst kann für seine eigenes Ende nicht verantwortlich gemacht werden: Sonnenstürme haben in den letzten Jahren mehr als erwartet dazu geführt, dass die Erdatmosphäre sich aufgebläht hat.
Wenig Geld, keine Rettung
Durch die zusätzliche Luftreibung, von der es auch in einigen hundert Kilometern Höhe noch ein winziges bisschen gibt, wurde die Umlaufbahn des Teleskops immer weiter nach unten gezogen. "Das ist ein schleichender Prozess ohne Umkehr und irgendwann gipfelt er unweigerlich in einem feurigen Absturz", sagt Michael Büker.
Zuletzt scheiterte eine sehr späte und sehr günstige Rettungsaktion. Und von Swift blieb nur ein kurzer heller Moment am Himmel über Indonesien: "Ein großer Feuerball mit einem Schweif, der von Westen nach Osten über den Himmel gezogen ist", so beschreibt es Michael Büker und so zeigt es das Video oben.
"Nur mit mehr Geld, mehr Zeit und ernsthafter Unterstützung durch die amerikanische Politik hätte die Nasa eine echte Chance gehabt, Swift noch ein paar Jahre länger im All zu halten."
Unser Bild: Am 28. März 2023 dokumentierten Nasa-Wissenschaftler in der Sagitta-Konstellation einen der womöglich stärksten Gammablitze überhaupt – mit Hilfe des Weltraumteleskops Swift. Zur Orientierung: Der leuchtende Stern, der am oberen linken Bildrand in manchen Beschnitten zu sehen ist, ist die Wega.