ZähneknirschenWie es entsteht und was hilft

Beißen, Pressen, Knirschen – viele von uns haben das nachts schon mal gemacht oder kämpfen damit, dass es ständig passiert. Die Folgen können Zahn- und Kieferschmerzen sein. Und auch der Schlaf ist gestört.

Laut einer Online-Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK knirschen 20 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer in Deutschland mit den Zähnen. Es betrifft also jede fünfte Person. Eine aktuelle Übersichtsarbeit bestätigt diese Zahlen. Weltweit sind laut der Studie gut 20 Prozent betroffen. Frauen berichten häufiger, dass sie mit den Zähnen knirschen. Außerdem tritt es bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen und Zähneknirschen kann vermutlich auch in der Familie liegen.

"Es gibt auch Studien, die bestimmte Genvarianten mit Zähneknirschen in Verbindung gebracht haben. Da sind aber auch noch viele Fragen offen."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel 

Im Schlaflabor kann eine erhöhte Aktivität in der Kaumuskulatur nachgewiesen werden. Das passiert über Elektroden, die im Gesicht angebracht werden. Schlafforscherin Christine Blume erklärt, dass Zähneknirschen nur in einer bestimmten Schlafphase stattfindet: "Zähneknirschen findet man in der Regel im in den Leichtschlafphasen."

"Meistens sind das kürzere Episoden, die ein paar Sekunden dauern, oft während leichten Aufwachreaktionen des Gehirns."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Im Tief- und REM-Schlaf knirschen Betroffene nicht. Im REM-Schlaf ist das auch kaum möglich, denn das ist die Schlafphase, in der der Körper gelähmt ist. Im Schlaflabor finden Forschende aber auch bei Menschen, die nicht von Zähneknirschen betroffen sind, eine leichte Aktivität in der Kiefermuskulatur: "Eine gewisse rhythmische Aktivität in der Kaumuskulatur kann man bei vielen Menschen im Schlaf messen", sagt Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel.

"Eine gewisse Muskelaktivität scheint normal zu sein. Zähneknirschen ist quasi die ungute Extremform davon."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Entscheidend ist, dass Menschen, die von Zähneknirschen betroffen sind, die Muskeln länger und viel stärker anspannen. Eine Studie hat gezeigt, dass die Kiefermuskulatur bei knirschenden Menschen für elfeinhalb Minuten pro Nacht angespannt war. Bei denen, die nicht knirschen, waren es nur ungefähr sechseinhalb Minuten.

Zähneknirschen: Wie entsteht es?

Häufig wird Zähneknirschen mit Stress in Verbindung gebracht. Schlafforscherin Christine Blume beschreibt den Weg von Stress zu knirschen: "Neurobiologisch sind Gehirnregionen, die besonders stark aktiviert werden, wenn wir Stress erleben oder Angst haben, besonders gut mit der Kiefermuskulatur verschaltet", so Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel.

"Und das ist übrigens nicht nur bei Menschen so, auch bei anderen Tieren findet man, dass Stress zu mehr Anspannung in der Kiefermuskulatur führt."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Bruxismus: Der Fachbegriff für Zähneknirschen

Zähneknirschen beziehungsweise Bruxismus, wie Zähneknirschen in der Fachsprache heißt, tritt aber auch häufig bei Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerz auf. Außerdem bei Menschen mit Angsterkrankungen oder Depressionen. Und auch mit diversen Schlafstörungen gibt es Zusammenhänge. Noch dazu belastet das Knirschen selbst den Schlaf.

"Menschen mit Bruxismus geben im Durchschnitt eine geringere Schlafqualität an und berichten auch, dass sie zum Beispiel am Tag müder und reizbarer sind."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Auch im Schlaflabor zeigt sich, dass der Schlaf von knirschenden Menschen öfter unterbrochen wird. Es zeigen sich kurze Weckreaktionen. Das bedeutet, die Betroffenen können sich zwar am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern, ihr Schlaf war aber häufiger gestört.

Das kann dazu führen, dass sie sich am nächsten Tag weniger erholt fühlen. Außerdem verbringen die Betroffenen weniger Zeit im Tiefschlaf. Ob das Zähneknirschen dazu führt oder zum Beispiel der Stress, der auch das Knirschen begünstigt, den Schlaf stört, ist nicht geklärt.

In dieser Folge "Über Schlafen" sprechen Schlafforscherin Christine Blume und Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge auch darüber, was Betroffenen helfen kann.