Hintern, Brüste, gebrochener RückenGeschlechterklischees in Comics

Supermaskuliner Typ in Ganzkörperstrumpfhose, dazu sexy Babes, deren Hauptzweck es ist, dem Leser Po und Busen entgegenzustrecken. Über diese Geschlechterklischees in Comics regen sich nicht nur weibliche Comiczeichner auf.

Spiderwoman hockt auf allen Vieren und streckt uns Lesern ihren Hintern entgegen. Wonderwoman schwebt in der Luft, schwingt ein Lasso, und präsentiert ihre Taille, die schmaler ist als die von Barbie, in einem knappen Kostüm. Und bei Catwoman sehen wir sowohl Rücken als auch Hintern und dann auch noch die Brust. Anatomisch ist das kaum möglich. Deshalb hat diese Pose sogar einen Namen: "butt and boob pose", oder auch "broken back pose", weil die Körper so verdreht sind, als wäre der Rücken gebrochen. 

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Po, Rücken, Brust - am besten alles gleichzeitg

Aber nicht nur Comiczeichnerinnen fragen sich immer häufiger: Ist diese Pose anatomisch und perspektivisch überhaupt möglich? Auch Männer fragen sich, ob weibliche Comichelden wirklich immer sexy sein müssen. Ein einfacher Test demonstriert, wie absurd weibliche Comichelden oft gezeichnet sind. Zeichner haben angefangen, einfach die weiblichen durch männliche Comichelden zu ersetzen – zum Beispiel durch den männlichen Charakter Hawkeye aus dem Marvel-Comic-Universum. Der wird dann in die gleichen Kostüme und Posen gesteckt. 

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Natürlich sind weibliche Charaktere nicht in jedem Comic die sexy Heldinnen. Bei den Schlümpfen zum Beispiel ist die Frau eher ein Accessoires, das gerettet werden muss. Die Quotenschlumpfine hat überhaupt keine eigene Motivation und handelt auch nicht autark, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Jennifer Rieger. 

Ausschnitt eines Comic-Strips von Lisa Frühbeis

In den letzten Jahren sind aber immer mehr Comics entstanden, die es anders machen. Bei Lisa Frühbeis sehen wir auch völlig überzeichnete weibliche Charaktere. Doch sie setzt die großen Brüste bewusst sein, um auf das Klischee aufmerksam zu machen. In ihren Comic-Strips setzt sie sich mit feministischen Themen auseinander. Zum Beispiel, warum Frauen High Heels tragen. 

"Absätze heben den weiblichen Popo schön wieder den Männern unter die Nase. Dazu dieses hilflose, fragile Trippeln – einfach erotisch... Ich bin berauscht von deiner körperlichen Beschränktheit!"
Lisa Frühbeis, Comiczeichnerin

Katja Klengel zeichnet auch feministische Comics: Bei "Girlsplaining", ihrer Kolumne, die auf dem Online-Portal Broadly erscheint, ist der Name Programm. Sie verarbeitet persönliche Alltagsgeschichten oder das weibliche Körperbild und Körperbehaarung.

"Irgendwie hatten alle um mich herum es geschafft, dass ich mich wie ein kompletter Freak fühlte. Hereinspaziert, hereinspaziert! Live in person: Hairy woman! Sie ist so haarig, dass sogar Haare auf ihren Haaren wachsen. Da hilft kein Rasierer mehr."
Katja Klengel, Comiczeichnerin

Gerade in Deutschland gibt es viele erfolgreiche Comiczeichnerinnen. Der Max und Moritz-Preis, der größte deutsche Comicpreis, ging in den letzten Jahren oft an Frauen. Der gebrochene Rücken scheint nicht mehr so aktuell, weil Zeichnerinnen und Zeichner ordentlich mit Geschlechterklischees in Comics aufräumen.

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