Ohne Kopftuch, mit Zigarette und großer Pistole: Die Comicfigur Bloody Nasreen schießt sich durch die Unterwelt von Pakistan - und durch die Männerwelt. Nur gedruckt wurde ihre Geschichte bisher nicht.

Bloody Nasreen ist eine junge pakistanische Frau, die als Mädchen missbraucht wurde. Sie will sich rächen und macht den Kriminellen und dem Patriarchat in Karachi das Leben schwer. Der Ort ist gut gewählt, denn Karachi gilt als die gefährlichste Stadt in Pakistan - mit viel Gewalt und Bandenkriminalität, sagt unsere Korrespondentin Silke Diettrich. Superkräfte hat Bloody Nasreen allerdings nicht, sie setzt auf Schwert und Pistole. Manchmal fliegen auch Handgranaten.

Schießt, raucht und guckt: Bloody Nasreen
© Shahan Zaidi
Bloody Nasreen: Mit Lippenstift und Kippe

Ihre Kleidung ist so unangepasst wie das, was sie tut. Zwar trägt Bloody Nasreen den Salwar Kamiz, also eine traditionelle Hose und obenrum ein längeres Hemd. Ihr Ausschnitt ist allerdings viel tiefer, und auch das Kopftuch fehlt. Damit ändert die Comicheldin den traditionellen südostasiatischen Stil ziemlich deutlich ab. Und noch ein weiteres Detail stimmt nicht: Nasreen trägt Sneaker.

"Der Ausschnitt ist ein bisschen tiefer als normal. Nasenring, große Kreolen als Ohrringe: Ich finde echt, dass sie ganz schön sexy aussieht."
Silke Diettrich, Korrespondentin

Bisher ist Bloody Nasreen allerdings nicht mehr als eine Comic-Studie, ein Charakterentwurf. Nasreen-Erfinder Shahan Zaidi ist seit Jahren auf der Suche nach Geldgebern für eine gedruckte Ausgabe. Eigentlich sollte der Comic im Frühjahr 2018 erscheinen, vielleicht kommt der Band aber auch erst im Winter - wenn überhaupt.

"Es ist nicht klar, ob ein Buchhändler überhaupt den Comic verkaufen würde, wenn auf dem Cover diese Frau zu sehen ist: ohne Kopftuch, mit rotem Lippenstift, Kippe im Mundwinkel."
Silke Diettrich, Korrespondentin

Zielgruppe des Comics sind für Shahan Zaidi gebildete und weltoffene Pakistanis, Studenten und Studentinnen. Sie leben in der Regel in den Großstädten des Landes: in der Hauptstadt Islamabad, in Lahore oder eben in Karachi.

Shahan Zaidi ist selbst in Karachi aufgewachsen und kennt die kriminellen Strukturen der Stadt. Zeitweise waren die Straßen für normale Bürger so gefährlich, dass sie sich nachts nicht mehr vor die Tür getraut haben.

Mit Handgranaten und Teddybär: Bloody Nasreen räumt gewaltig auf.
© Shahan Zaidi
Zielscheibe für pakistanische Traditionalisten: Bloody Nasreen im Kugelhagel

In den Augen der meisten Pakistanis steht Bloody Nasreen vermutlich für vielfältige Tabubrüche, das macht sie zu einer bösen Frau: Sie raucht, sie ist mit Schwert und Pistole bewaffnet. Immerhin trinkt sie keinen Alkohol, denn der ist in Pakistan verboten. Ganz ausschließen möchte der Zeichner Shahan Zaidi allerdings auch diesen Tabubruch nicht. Er kann sich vorstellen, dass sich Bloody Nasreen irgendwann mal einen Drink genehmigen könnte.

Keine Frau wie im Koran

Progressiven Frauen in Pakistan gefällt die Comic-Heldin. Traditionalistinnen können mit der Figur hingegen nichts anfangen. Eine Koranlehrerin, mit der unsere Korrespondentin gesprochen hat, findet, dass Mädchen in Pakistan sich an anständigen und verschleierten Frauen orientieren sollten. Als Vorbilder nennt sie die Töchter des Propheten Mohammed, die zeigen würden, dass auch kluge Frauen einen Schleier tragen.

"Der Großteil der Frauen in Pakistan kann sich, glaube ich, eher nicht mit Bloody Nasreen identifizieren."
Silke Diettrich, Korrespondentin

Ein Imam aus Karachi geht noch weiter: Alles Wichtige zum Thema Frauen stehe im Koran. Schmutz-Comics bräuchte man in Pakistan nicht und auch keine Zustände wie im Westen, wo Frauen sich wie Männer aufführen würden.

Für Silke zeigt sich an den Äußerungen zu der Figur Bloody Nasreen der Gegensatz zwischen traditionellen und progressiven Kräften im Land. Ein Gegensatz, der für sie längst zu einer Spaltung des Landes geführt hat, sei es beim Thema Frauenrechte oder wenn es allgemeiner um westliche Werte gehe und um Religiosität.

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