Pille, Periode und Tinder - Gellarah heißt das neue Hochglanzmagazin für Frauen in Afghanistan. Die drei Macherinnen müssen vorsichtig vorgehen, um sich nicht zu gefährden.

Gellarah heißt das erste Hochglanz-Magazin für Frauen in Afghanistan. Gellarah bedeutet übersetzt: sehr schöne Frau. Das Heft behandelt ähnliche Themen wie die Frauenmagazine in Deutschland: es geht um die Periode, die Pille, die Tinder-App, um Kleidungstipps für schwangere Frauen, Familienrecht und Brustkrebsvorsorge. Das sind Themen, die im öffentlichen Leben in Afghanistan normalerweise nicht vorkommen - Tabuthemen. 

"Die Macherinnen wollen weibliche Vorbilder zeigen. Sie wollen weg von diesen Geschichten über Mädchen, die das Haus nicht verlassen dürfen. Genau diese Mädchen sind aber eigentlich die Leserschaft. Sie wollen ihnen zeigen, schaut mal, es gibt z. B. eine Yoga-Lehrerin, die in Kabul ein Laden aufgemacht."
Silke Diettrich, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin
Die Macherinnen des afghanischen Frauenmagazins Gellarah.
© dpa
Die Macherinnen des afghanischen Frauenmagazins 'Gellarah'.

Und auf dem Cover ist eine Frau ohne Kopftuch abgebildet - schon dafür haben die Macherinnen des neuen Blattes massive Drohungen erhalten. Die Macherinnen von Gellarah sind Aktivistinnen, die sich feministischen Ziele gesetzt haben. 

Die Studentinnen haben sich über einen Lesezirkel kennengelernt haben. Dort hatten sie Texte von Simone de Beauvoir, Virginia Woolf und der Kriegsreporterin und Islamkritikerin Oriana Fallaci gelesen und diskutiert. 

"Wie in anderen Magazinen geht es natürlich auch um Mode, es geht um Kosmetik, die wollen aber auch Tabuthemen aufgreifen: zum Beispiel über Abtreibung oder die Geschichte mit dem Brustkrebs. Das eine Frau sich überhaupt an die Brust greifen darf - das ist schon ein riesen Tabu."
Silke Diettrich, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin
Verschiedene Seiten des afghanischen Frauenmagazins
© dpa
Das erste afghanische Frauenmagazin 'Gellarah'.

Die Macherinnen sind auf die Straße gegangen und haben in der Öffentlichkeit ihre Frauenzeitschrift angeboten. Schon die Tatsache, dass auf dem Heft eine Frau ohne Kopftuch abgebildet ist, hat für heftige Reaktionen gesorgt. 

Inzwischen gehen die Redakteurinnen von Tür zu Tür, erklären den Frauen, was ein Frauenmagazin ist und welche Themen darin behandelt werden. 

"Es gibt nicht nur die eine Realität für Frauen in Afghanistan, da hat sich in den letzten Jahren auf jeden Fall etwas geändert. Die Mädchen konnten zur Schule gehen oder zur Uni. Natürlich gibt es heute Architektinnen, Soldatinnen, Politikerinnen, Journalistinnen, aber das ist auf keinen Fall die große Mehrheit."
Silke Diettrich, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin

500 Exemplare ihres Magazins haben sie so schon verkauft - direkt an die Leserinnen. Viele Frauen dürften Angst davor haben, dass das Magazin von Vätern, Ehemännern oder dem Rest der Familie entdeckt wird. 

Trotz des großen Einsatzes ist die Finanzierung des Magazins bisher noch schwierig. Die Redakteurinnen haben großer Mühe einige wenige Anzeigenkunden gefunden. Bisher verdient noch keine der Initiatorinnen etwas an diesem ambitionierten Projekt. Deutschlandfunk-Nova-Korrespondentin Silke Diettrich sagt, es sei schwer einzuschätzen, ob dieses Magazin eine Zukunft habe, und ob die Macherinnen langfristig auch die Möglichkeit haben werden, ihr Leben damit zu finanzieren.