Wir können nicht ohne Nahrung, Luft zum Atmen und auch nicht ohne die Befriedigung unserer Triebe leben. Das haben wir alle irgendwann gelernt und schon längst tausendfach erfahren. Aber dass wir auch den Rhythmus zum Leben brauchen, ist eher nur in Fachkreisen bekannt.

Musik kann uns helfen. Am ehesten sagt uns in diesem Zusammenhang der Beruf des Musiktherapeuten etwas. Musik für kranke Menschen als Hilfsmittel, wieder gesund zu werden.

"Von allen Künsten ist die Musik am besten geeignet, einen Schmerz zu Erstarrung zu bringen oder einzuschläfern. Sie allein vermag es, die Seele wieder zu erhellen und sie aus sich selbst herauszuheben."
Giacomo Leopardi, italienischer Lyriker

Die Musiktherapeutin Susanne Bauer von der Universität der Künste setzt noch viel früher an. Rhythmus erfahre der Mensch schon im Mutterleib: Die Tonhöhe, die Dynamik, die Sprechpausen nimmt das ungeborene Kind körperlich wahr, lange bevor es die Worte kennenlernt. Später begleitet uns die Musik das ganze Leben lang - bis zur Trauerfeier bei unserem Tod.

Ungeborene Babys spüren Wut, Trauer, Depressionen

Depressive Mütter würden weniger reden und auch die Tonhöhe sei für den Embryo negativ verändert, erklärt Susanne Bauer. Auch andere Gefühle wie Trauer, Wut oder Aufregung könnten sich dauerhaft aufs Kind auswirken. Bauer erlebe immer wieder, dass die Folgen derartiger Entwicklungsstörungen Menschen später als Patienten in ihr Musiktherapie-Zimmer treibe.

Dort könnten sie sich ein Instrument aussuchen und über die Musik wieder Nähe zu anderen Menschen lernen. Mit Instrumenten sei derart viel an Ausdruck möglich, dass sie immer wieder erstaunt darüber sei, was die "neuen Musiker" dem Piano, der Trommel oder der Gitarre entlocken.

"Wir können fest zuschlagen, wir können leicht zuschlagen, wir können ein Glissando machen, können Stakkato spielen, wir können auf einen Ton spielen: Es gibt so viele Möglichkeiten, ein Instrument zu behandeln."

Doch nicht immer sei Musik gut. In der ehemaligen Sekte "Colonia Dignidad" unter Leitung des Deutschen Paul Schäfer hatte dieser Fallstricke in Musikstücke eingebaut, die Sektenmitglieder vorzutragen hatten. Nur um die Menschen damit zu beschämen. Auch darüber berichtet Susanne Bauer in ihrem Vortrag an der Berliner Sommer-Uni.