Mehr als 12 Millionen Deutsche ab 14 bezeichnen sich als Allergiker. Da sich die Blühzeiten durch den Klimawandel verschieben, haben Betroffene oft länger mit Pollenallergie zu kämpfen. Ein Facharzt erklärt, warum wir Heuschnupfen behandeln lassen sollten.
Die Pollensaison in Deutschland hat dieses Jahr besonders früh begonnen. Bereits im Januar ging es mit den Haselnusspollen los, vor allem in Westdeutschland. Dass die Pollensaison immer früher im Jahr beginnt, liegt laut dem Allergologen Karl-Christian Bergmann unter anderem am Klimawandel. Die höheren Temperaturen führen dazu, dass Pflanzen früher im Jahr blühen.
"Die höheren Temperaturen infolge des Klimawandels führen dazu, dass die Haselnusspollen früher im Jahr zu blühen beginnen."
Dagegen fliegen die Beifußpollen durch die Klimaveränderung länger, so Bergmann – zum Teil bis in den November. Dadurch gebe es im Jahr kaum noch Wochen ohne jeglichen Pollenflug.
"Wenn jemand gegen Baumpollen, Gräserpollen und Kräuterpollen allergisch reagiert, hat man nur noch vier Wochen, fünf Wochen, in denen man keine Allergiebeschwerden hat."
Ein weiterer Grund für das veränderte Blühverhalten sei die Lichtverschmutzung in Städten, sagt Karl-Christian Bergmann.
Lichtverschmutzung stresst Stadtbäume
Über Millionen von Jahre waren Bäume gewohnt, dass es nachts dunkel ist. Doch das vermehrte Licht auch nachts – vor allem in den Städten – führe bei Bäumen zu Stress, sodass sie früher im Jahr blühen und Pollen freisetzen.
Mehr Hitzeinseln
Durch den fast pausenlosen Kontakt mit Allergenen verstärke sich bei Betroffenen die Erkrankung, so der Fachmann. Das führe zu Überempfindlichkeit an Nase, Augen und Bronchien. Karl-Christian Bergmann: "Die Beschwerden werden stärker. Außerdem kommt es durch den Klimawandel in Städten zu immer mehr sogenannten Hitzeinseln. "Es ist wärmer, dazu kommt mehr Luftverschmutzung, das führt zu mehr Feinstaub."
Pollen zerplatzen in der Luft, erklärt Bergmann. Die Allergene der Polen gelangen in den Feinstaub – und wir Menschen atmen sie dann tief in unsere Bronchien ein.
"Der eingeatmete Feinstaub – mit den darin enthaltenen Allergenen – landet tief in den Bronchien."
Das führe zu viel stärkeren Symptomen, erklärt der Allergologe. Dass durch diese Veränderungen die Zahl der Allergiker*innen steigt, sei allerdings nicht der Fall. "Das wird zwar immer wieder behauptet. Aber die Statistik zeigt, dass es nicht so ist", so Bergmann.
Heuschnupfen unbedingt behandeln lassen
Allergien können auch noch im hohen Alter auftreten. Beim wem das der Fall ist, die oder der kann sich freuen, dass es einem zuvor erspart geblieben ist. Doch egal, wann er auftritt: Ein Heuschnupfen sollte auf jeden behandelt werden, so der Allergologe. Sonst könne daraus schnell Asthma werden.
"Den Heuschnupfen bitte unbedingt behandeln lassen, denn jeder dritte Heuschnupfen geht im Schnitt in ein Pollen-Asthma über. Und damit ist gar nicht zu spaßen."
