In der Welt gibt es viel Negatives – Kriege und Konflikte, aber auch negative Gedanken, die uns ausbremsen. Es ist gut, sich dem zu stellen. Ständiges Overthinking hilft aber selten. Wie können wir positiver werden? Kann man Optimismus trainieren?
Dominic nennt sich selbst einen Optimisten. In seinem Leben war aber nicht immer alles sorgenfrei. In der Schulzeit hat er sich oft ausgegrenzt gefühlt. Während der Coronapandemie war er an seinem Gymnasium nicht happy, hat sich weiter isoliert, bekam schlechte Noten und fand immer weniger Anschluss.
Während aus seiner Sicht eigentlich jeder einen engen Buddy zum Reden hatte, fühlte er sich nicht gesehen und nicht verstanden. Dominic wusste nicht, wie es für ihn weiter geht und ob er sein Abitur jemals schaffen würde. Und er beginnt, an sich selbst zu zweifeln.
"Das war ein Punkt, wo ich mir wirklich gedacht habe: Scheiße, vielleicht bin ich irgendwo falsch abgebogen!"
Dominic sagt, er hatte schon regelrechte Fantasien darüber, wie schlimm sein Leben werden würde, dass er nie etwas finden könnte, was ihn glücklich macht. Das habe seinen Alltag mehr geprägt, als ihm lieb war. Dazu kam: Die Leute, mit denen er sich abgab, waren auch eher negativ eingestellt.
Zuversicht kommt zurück
Als Wendepunkt in seinem Leben beschreibt er dann einen Schulwechsel: Weil es am Gymnasium nicht mehr weitergeht, besucht er eine Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Mediendesign. "Ich war schon immer sehr in Medien und Fotografie und Design interessiert", sagt er und "plötzlich hat sich alles richtig angefühlt".
Offen sein für Veränderung
Rebecca Böhme ist Neurowissenschaftlerin und sie hat gerade ein Buch geschrieben, in dem es unter anderem darum geht, wie unsere Überzeugungen als Filter für unser Gehirn dienen können. Oder anders gesagt: Wie unser Gehirn geneigt ist zu denken.
Wenn wir die ganze Zeit negative Nachrichten lesen, führt das verkürzt gesagt dazu, dass unsere Erwartungen an die Welt auch immer negativer werden, erklärt sie. Aber die gute Nachricht lautet: Wir können gegensteuern.
"Es gibt Studien, die zeigen: Wenn wir unser Gehirn mehr als eine Art Muskel anstatt etwas fertiges und festes ansehen, dann sind wir tatsächlich auch offener dafür, uns zu verändern."
Unser Gehirn kann quasi lernen, etwas optimistischer zu denken. "In jedem Moment, wo ich denke: Ach, die Welt ist vielleicht nicht ganz so schlimm, korrigiere ich dieses innere Modell", sagt Rebecca Böhme. Wenn wir unser Gehirn mit positiven Impulsen füttern, können wir eine positivere Grundeinstellung gewinnen.
Die Kraft der Gedanken
Genau das hat auch Dominic erlebt. Mit dem Schulwechsel kam der Spaß am Lernen und die Zuversicht zurück. Er hat es sich zum Ziel gemacht, nicht mehr so sehr in negative Gedanken abzudriften. Er probiert ganz bewusst, die schönen Kleinigkeiten des Alltag wahrzunehmen. Das kann ein guter Kaffee oder ein schöner Gedanke sein. Diese Dinge hielt er lange Zeit regelmäßig in einem Dankbarkeits-Journal fest.
"Optimismus ist ein bisschen so, als würdest du eine Sprache lernen. Du kannst dein Gehirn drauf trainieren. Was mir geholfen hat, war zu journalen."
Heute reicht Dominic ein kleines Post-it am Abend, da schreibt er drei Dinge auf, die gut gelaufen sind, die schön waren. "Und da gebe ich mir einfach Mühe, dass ich das regelmäßig mache", sagt er, "man kann das Gehirn einfach voll gut darauf trainieren, indem man sich immer wieder optimistische oder positive Sachen hervorruft."
Freunde, mit denen man reden kann
Natürlich befreit ihn das nicht von allen Sorgen: Kriege, der Rechtsruck in Deutschland – das sind Themen, die ihn trotzdem beschäftigen. Aber "ich habe mittlerweile einen Freundeskreis, mit dem ich zum Glück über solche Themen sprechen kann", sagt Dominic. Dazu versucht er, im kleinen Kreis immer wieder für ein bisschen Liebe und eine positive Haltung zu sorgen.
"Dieses: 'Jetzt muss ich positiv denken, wird schon alles!', das kann ja oberflächlich erzwungen sein, das kann total viel Druck machen."
Ein positives Mindset, das findet auch Psychologin Ulrike Bossmann gut. Sie sagt, ob wir eher zum Optimismus oder Pessimismus neigen, hängt auch davon ab, was uns geprägt hat. Ein blinder Optimismus verdrängt Probleme. Einen gesunden Optimismus sieht sie dann, wenn jemand trotz Problemen an einen positiven Ausgang glaubt.
"Deswegen finde ich auch Hoffnung eigentlich einen schöneren Begriff als Optimismus", sagt die Psychologin, "weil das bedeutet, dass ich mir überlege: Was kann ich selber machen, welche Möglichkeiten kann ich sehen?".
Glitzer gegen negative Geschichten
Ulrike Bossmann meint: Negative Storys werden öfter geteilt, im Freundeskreis oder auch in den Medien, weil sie mehr Aufmerksamkeit erzeugen, mehr "Guckgefühl", wie sie sagt. Auch darum findet sie es besonders wichtig, da gegenzusteuern. Gute Freunde, gute Gefühle und schöne Dinge in seinem Leben zu kultivieren. Einfach "Glitzer in das Leben streuen und den schnöden Alltag ein bisschen bunter für sich machen", sagt die Psychologin.
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