Bald können wir in einem eigenen Wertpapierdepot fürs Alter sparen und der Staat packt Zulagen drauf. Neobroker werben aktuell teils aggressiv und vermitteln uns das Gefühl, sofort handeln zu müssen. Stimmt nicht, sagt die Verbraucherzentrale.

Die private Altersvorsorge soll renditestärker, günstiger und einfacher werden als bisher. Das Zauberwort dafür heißt: Altersvorsorgedepot.

"Man hat versucht, mit dem Altersvorsorgedepot ein besseres Produkt zu schaffen – und ich würde auch erst mal sagen, dass es gelungen ist."
Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Um Altersarmut vorzubeugen, hat die Bundesregierung am 8. Mai 2026 das Altersvorsorge-Reformgesetz (AVRG) beschlossen. Es geht um eure private Altersvorsorge, weil die staatliche Rente allein in Zukunft bei vielen wohl nicht mehr ausreichen wird.

Mit staatlicher Förderung, aber ohne Garantie

Die Grundidee:

  • Wir investieren unser Geld in einem Wertpapierdepot in ETFs oder in Aktien – und der Staat legt Zulagen auf die eigenen Beiträge.
  • Im Unterschied zur Riester-Rente gibt es keine Pflicht mehr, die eingezahlten Beiträge auch zu garantieren – unser Geld kann deshalb stärker in Aktien fließen.
  • Das bringt mehr Renditechancen, aber auch mehr Risiko.

Durch das Altersvorsorgedepot können mehr Menschen gefördert werden als bei Riester, zum Beispiel auch Selbstständige. Ab dem Rentenalter wird das Geld schrittweise ausgezahlt, entweder als lebenslange Rente oder über einen Auszahlplan. Ein Teil kann auch auf einmal entnommen werden. Versteuert wird erst bei der Auszahlung.

Den staatlichen Zuschuss können wir uns nicht auf ein (vielleicht schon) bestehendes Depot überweisen lassen, erklärt Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Wir müssen also ein vorgeformtes Altersvorsorge-Depot eröffnen.

"Ich kann jetzt nicht einfach meinen ETF-Sparplan nehmen und sagen: Guck mal, mache ich ja schon, könnt ihr mir die Förderung direkt darauf überweisen. Das funktioniert leider nicht."
Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Neobroker wie Trade Republic, Smartbroker und so weiter werben gerade sehr intensiv dafür, dass wir diese Depots jetzt direkt bei ihnen eröffnen sollen.

Die Anbieter "haben natürlich ein Interesse daran, so früh wie möglich möglichst viele Kunden zu gewinnen", erklärt Saskia Schenk. Eine Notwendigkeit zu schnellem Handeln bestehe allerdings nicht, stellt die Verbraucherschützerin klar.

Staatliche Förderung für alle Einzahlungen in 2027

Die volle staatliche Förderung werde nämlich für alle Einzahlungen im Jahr 2027 gewährt – also selbst dann, wenn wir erst im Dezember das für uns passende Produkt finden.

"Selbst wenn Sie erst im Dezember abschließen, bekommen Sie die volle Förderung und es entgeht Ihnen gar nichts. Es gibt also gar keinen Grund für mich jetzt, da schon was abzuschließen."
Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Saskia Schenk empfiehlt sogar, mit dem Abschluss noch "eine ganze Weile" zu warten. Aktuell hätten die meisten Anbieter nämlich erst ihr allererstes Produkt auf dem Markt, manche hätten auch noch gar keins.

"Jetzt etwas abzuschließen, wo ich noch gar nicht weiß, was der Markt mir noch so alles anbieten wird, macht aus Verbrauchersicht gar keinen Sinn."
Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen

Beim sogenannten Standarddepot hat der Staat die Kosten gedeckelt – es darf auf keinen Fall mehr als ein Prozent des Anlagebetrags kosten. Es gibt aber auch noch andere Optionen, also Altersvorsorgedepots, bei denen wir mehr selbst entscheiden können. Bei diesen können die Kosten höher liegen.

Verlockende Köder-Konditionen

Gerade im Moment würden potenzielle Kund*innen mit sehr guten Anfangskonditionen geködert, sagt Saskia Schenk, momentan meistens sogar 0 Prozent. Doch die Verbraucher*innen könnten sich sicher sein: "Auch die Neobroker haben nichts zu verschenken. Die sind ja nicht so wahnsinnig interessiert daran, Ihnen jetzt ein Produkt zu verkaufen, was sie die nächsten 40 Jahre für 0 Prozent bedienen werden."

Die Kosten werden also steigen.

Wichtig für euch: Ab dem 1. Januar 2027 werden keine neuen Riester-Rentenverträge mehr abgeschlossen. Wer noch einen Riester-Vertrag hat, kann:

  • ihn behalten und weitersparen
  • ihn ruhen lassen und warten bis zur Rente
  • ihn kündigen – das ist laut Saskia Schenk allerdings meistens nicht die schlauste Idee
  • ihn in das neue Altersvorsorge-Depot übertragen (samt aller Förderungen) – das wird in den meisten Fällen wohl die beste Variante sein, glaubt Saskia Schenk
Shownotes
Altersvorsorgedepot
Nicht stressen lassen vom Werbehype
vom 27. Oktober 2026
Moderation: 
Till Haase und Sebastian Sonntag
Gesprächspartnerin: 
Saskia Schenk, Referentin für Altersvorsorge bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen