Sie schlafen bis zu 15 Stunden am Tag und fressen in Zeitlupe. Die Ursache dafür liegt in ihren Zellen verborgen. Sie haben den langsamsten Stoffwechsel aller Säugetiere. Man könnte es auch Energieeffizienz nennen. Dafür sorgen "springende Gene".

Einmal pro Woche den Baum hinunterklettern, um aufs Klo zu gehen, mehr Bewegung muss für ein Faultier oft nicht sein. Was auf den ersten Blick ziemlich bequem wirkt, ist tatsächlich Teil einer ausgeklügelten Strategie: Faultiere sparen Energie, wo immer es geht. Forschende haben jetzt besser verstanden, warum ihnen das gelingt. Entscheidend sind offenbar Veränderungen im Erbgut, die ihren Stoffwechsel besonders langsam arbeiten lassen.

Faultiere haben den niedrigsten Stoffwechsel aller Säugetiere. Sie verdauen ihre Nahrung extrem langsam, besitzen vergleichsweise wenig Muskelmasse und können sogar Schwankungen ihrer Körpertemperatur gut verkraften. Um herauszufinden, warum das so ist, hat ein internationales Forschungsteam das Erbgut eines Zweifinger-Faultiers mit dem anderer Säugetiere verglichen.

Springende Gene bremsen die Kraftwerke der Zellen

Dabei stießen die Forschenden auf besonders viele sogenannte springende Gene. Das sind DNA-Abschnitte, die sich selbst kopieren und an anderer Stelle im Erbgut wieder einfügen können. Auffällig war, dass viele dieser Gene mit den Mitochondrien zusammenhängen – den Bestandteilen der Zellen, die Energie für den Körper bereitstellen.

"Von allen Säugetieren haben die Faultiere den niedrigsten Stoffwechsel."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredaktion

Wie Anne erklärt, ist der gesamte Lebensstil der Tiere auf Energiesparen ausgelegt. Die langsam arbeitenden Mitochondrien seien offenbar ein wichtiger Grund dafür, dass Faultiere mit so wenig Energie auskommen und trotzdem gesund bleiben.

Die neuen Erkenntnisse liefern damit eine mögliche Erklärung dafür, warum Faultiere nicht einfach „faul“ sind. Ihre Langsamkeit beginnt vielmehr auf Zellebene – und macht sie zu besonders energieeffizienten Säugetieren.

Erkenntnisse könnten auch Menschen helfen

Die Forschung ist nicht nur für das Verständnis von Faultieren interessant. Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse auch Hinweise für die Medizin liefern können. Denn auch beim Menschen spielen Mitochondrien eine wichtige Rolle. Funktionieren sie nicht richtig, kann dies unter anderem Erkrankungen wie Diabetes oder Muskelschwund begünstigen oder verursachen.

"Wie die Faultiere das schaffen, obwohl sie so langsam arbeitende Mitochondrien-Kraftwerke haben, gesund zu bleiben – da könnten Ansätze für die Humanmedizin drinstecken."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredaktion

Noch handelt es sich um Grundlagenforschung. Langfristig könnten die Erkenntnisse aber dabei helfen, Stoffwechselerkrankungen besser zu verstehen. Selbst Ideen für Langzeitmissionen im All werden bereits diskutiert – auch wenn der „Faultiermodus“ für Astronautinnen und Astronauten vorerst Zukunftsmusik bleibt.

Shownotes
Genetik
Geheimnis hinter dem gechillten Leben der Faultiere
vom 13. Juni 2026
Moderator: 
Gero Simone
Gesprächspartnerin: 
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensredaktion