Deine Freunde haben Bock auf Heiraten und gefühlt wirst du gerade jeden Monat zu einer Hochzeit eingeladen – und bist Single? Manche haben genau davor Angst, weil sie allein zur Hochzeitsfeier gehen müssen. Wie sich die trotzdem gut überstehen lässt.
Klar, nicht alle haben ein Problem mit der Hochzeitssaison – aber wir interessieren uns jetzt für die Herausforderungen für Singles: Giulia zum Beispiel war nach einer langen Beziehung vier Jahre Single und hat in dieser Zeit erlebt, dass sich ihre Friends ganz schön verändert haben.
Hochzeiten werfen viele Fragen auf
Auf einmal ging es los mit den Hochzeitseinladungen. Und damit die Fragen: Was ziehe ich an? Oder: Wie finanziere ich das Outfit? Wie bezahle ich Reise und Übernachtung? Und manche Singles fragen sich eben auch: Wie stehe ich das durch?
In dieser Single-Phase hatte Giulia nicht nur bei Hochzeiten das Gefühl, dass ihre Freunde sie nicht verstehen. Jeder und jede steckte in einer anderen Lebensphase, erinnert sie sich: Die einen wollten heiraten und Kinder kriegen, die anderen waren noch nicht mit dem Studium fertig. Sie hatte oft das Gefühl, in ihrer Situation nicht verstanden zu werden.
Wann werde ich selbst heiraten?
Als in ihrem Freundeskreis immer mehr heiraten wollten, erzählt sie, hat sie sich natürlich für ihre Freund*innen gefreut, dass sie jemanden gefunden haben, mit dem sie ihr Leben teilen wollen. Gleichzeitig fragte sie sich allerdings auch: Warum ist das bei mir nicht so?
"Warum hat es bei mir jetzt nicht geklappt und wann wird es bei mir denn soweit sein?W
Giulia hatte sich damals getrennt und war wieder Single. Im Vergleich zu ihren Freund*innen fühlte sie sich wie an einem Nullpunkt, von dem aus sie neu startete. Auch wenn sie sich auf den Hochzeiten für ihre Freund*innen ehrlich gefreut hat, gab es Momente, die sie nur schwer ertragen konnte. gibt sie zu.
"Ein Moment, der mir auf jeden Fall immer sehr nah ging, war natürlich das Jawort."
Beim Jawort halten die Paare Händchen, sitzen nebeneinander, gucken sich tief in die Augen und lassen andere an ihrem Glück teilhaben. Aber genau dabei musste Giulia daran denken, dass sie all das nicht hatte. Trotz dieser Herausforderungen war eine Absage für Giulia nie eine Option: "Ich habe mir gedacht, ich stehe diesen Tag durch für meine Freunde – egal ob ich jetzt auch einen Partner dabeihabe oder nicht.“
Tricks, den Tag gut durchzustehen
Giulia hat sich bei den Hochzeiten dann oft die Rolle der Videografin zugeteilt und hielt schöne Momente der Hochzeit fest. So fühlte sie sich nicht komplett fehl am Platz, sondern hatte ihre Aufgabe, die gute Stimmung einzufangen.
Eine gute Unterstützung war für sie auch, wenn eine andere Person ebenfalls allein bei der Feier war und sie sich mit ihr zusammensetzen und unterhalten konnte. Oder Giulia besprach sich vorher mit ihren Freunden und Freundinnen, wie es sein würde, wenn sie alleine zu der Hochzeit geht.
Erwartungsdruck runterschrauben
Dass manche Singles bei einer Hochzeit große Unsicherheit und Angst verspüren, liegt vor allem daran, dass wir uns selbst Druck machen, sagt Christine Geserick. Sie ist Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Österreichischen Institut für Familienforschung und forscht zu Singles.
"Wir haben heute enorm hohe Erwartungen an eine Partnerschaft."
Diese hohen Erwartungen an eine Partnerschaft erzeugen Unsicherheiten in uns, "mit wem wir ab wann und auch wie durchs Leben gehen wollen", erklärt sie.
Mentale Vorbereitung hilft
Wenn wir schon beim Lesen der Hochzeitseinladung einen Stich im Herzen spüren, dann sollten wir uns wirklich gut auf die Feier vorbereiten, rät Ulrike Scheuermann. Sie ist Psychologische Psychotherapeutin und empfiehlt, sich vorher zu fragen, was bei der Feier schwierig werden könnte und was wir brauchen, um diese Schwierigkeit durchzustehen.
"Wir sollten uns vorher Zeit nehmen und uns fragen: Was könnte denn bei dieser Hochzeit schwierig für mich sein?"
Damit könnten wir plötzlich aufkommende Gefühle gut in den Griff bekommen. Dabei gehe es nicht darum, die Gefühle zu unterdrücken, sondern sich schon zuzugestehen, dass bestimmte Momente schwierig auszuhalten sind. Wichtig sei, einen Umgang mit diesen Gefühlen zu finden.
Ein Weg könnte etwa sein, eine Vertrauensperson bei sich zu haben, die Bescheid weiß und mit der wir uns kurz austauschen können. Eine andere Lösung wäre, das Fest früher zu verlassen. "So ein früheres Gehen ist kein Versagen, sondern Selbstfürsorge", sagt Ulrike Scheuermann.
Mut zur Ehrlichkeit: Freunde haben Verständnis
Auch wenn das Brautpaar uns bittet, eine bestimmte Rolle bei der Hochzeit zu übernehmen, die gerade so gar nicht in unsere Gefühlswelt passt, sollten wir das ehrlich ansprechen, rät die Psychologische Psychotherapeutin: "Ich bin bei alldem immer für absolute Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, weil es um Gefühle geht.“
In der Regel haben die anderen Verständnis für diese Gefühle, meint sie. Dazu gehöre auch eine Absage, wenn wir uns nach einer Trennung noch nicht stark genug fühlen, die Hochzeit von Freunden zu erleben.
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