Wenn wir Alkohol getrunken haben, lässt unsere Orientierung nach, auch das Gleichgewicht. Genau die Fähigkeiten, die beim Radeln wichtig sind. Bislang ist ein Grenzwert von 1,6 Promille auf dem Rad zulässig.

Für einige Radler*innen sind ein oder auch zwei Bier durchaus in Ordnung bevor sie sich aufs Fahrrad schwingen. Manche rechnen sich das Risiko klein und unterschätzen, wie sehr Alkohol Konzentration und auch Koordination einschränkt.

Daten des Statistischen Bundesamts zeigen jedoch, dass es 2024 mehr als 5.100 Fahrradunfälle unter Alkoholeinfluss gab. "Das waren Unfälle, bei denen Radfahrende alkoholisiert waren – auch bei Zusammenstößen mit Autos", sagt unsere Reporterin Livia Hofmann. Für Radler*innen gilt ein Promillegrenzwert von 1,6, für Autofahrer*innen liegt die Grenze bei 0,5.

Keine Sicherheit: Alkohol auf dem Fahrrad

Radfahrende sind inzwischen die größte Gruppe bei alkoholbedingten Verkehrsunfällen, so Livia Hofmann. Besonders betrifft Alkohol auf dem Fahrrad die mittlere Altersgruppen zwischen 35 und 60 Jahren.

Alkoholeinfluss bedeute meist eine gewisse Enthemmung, so die Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Versicherer, kurz GDV. "Auch eine Selbstüberschätzung geht damit einher."

"Je mehr Alkohol man trinkt, kann auch eine Form von Benommenheit auftreten."
Kirstin Zeidler, Gesamtverband der Versicherer

Die Konzentration, Reaktion und Koordination lassen nach bei Alkoholkonsum, so unsere Reporterin. Dann übersehen Radfahrer*innen auch schnell Hindernisse, missachten Verkehrszeichen oder Ampeln. Im schlimmsten Fall fahren Radler*innen Schlangenlinien oder bleiben plötzlich stehen.

Radler*innen mit Alkohol intus, die klare Ausfallerscheinungen zeigen, kann die Polizei stoppen und die Weiterfahrt untersagen, auch wenn der Promillewert der Person noch unter 1,6 liegt. Das Fahrradfahren gilt dann als Straftat.

Forderung nach niedrigerer Promillegrenze

Ab etwa 1,1 Promille nehmen die Fahrfehler deutlich zu, so unsere Reporterin. Deshalb unterstützen Unfallforscher*innen wie Kirstin Zeidler Vorschläge, dass die Politik den Alkoholgrenzwert für Radfahrer*innen auf 1,1 Promille absenkt.

"Es kann den Menschen ein Signal geben, ab hier wird es gefährlich. Das kann am Ende dazu führen, dass Unfälle vermieden werden."
Kirstin Zeidler, Gesamtverband der Versicherer

Die 1,1 Promille würde dann zu einer Bußgeldgrenze werden. "Und die ist sinnvoll, weil wir eben wissen, ab dieser Grenze nehmen die Fahrfehler deutlich zu", sagt Kirstin Zeidler.

Shownotes
Verkehrssicherheit
Die Promillegrenze für Fahrradfahrer könnte sinken
vom 26. Januar 2026
Moderation: 
Jenni Gärtner, Thilo Jahn
Gesprächspartnerin: 
Livia Hofmann, Deutschlandfunk Nova