Von "Wasserknappheit" zu sprechen, reicht nicht mehr aus, sagen Forschende der UN. Sie wählen den Begriff "Wasserbankrott" und bringen damit zum Ausdruck: Viele natürliche Wasserquellen sind bereits unwiederbringlich verloren.
Bisher war oft die Rede von Wasserknappheit oder einer Wasserkrise. Forschende von der Universität der Vereinten Nationen sind sich aber einig, dass diese Begriffe den Eindruck vermitteln, es handele sich dabei um ein temporäres Problem.
Die akute Bedrohung und der unwiederbringliche Verlust von Wasservorräten und -reserven sei aber viel drastischer. Die Forschenden sprechen in ihrem Global Water Bankruptcy Report 2026 daher von einem "Wasserbankrott".
"Die Realität ist, an vielen Orten sind die natürlichen Wasserquellen unwiederbringlich verloren."
Durch die aktuelle Entwicklungen müssen Forschende davon ausgehen, dass die massiven Konsequenzen, die der Verlust von Wasserreserven mit sich bringt, das Leben auf der Erde vor viele Veränderungen und Herausforderungen stellen wird.
Große Gletscherschmelze – Süßwasserspeicher werden verschwinden
Gletscher sind beispielsweise wichtige Süßwasserspeicher. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten könnten schätzungsweise bis zu 4.000 Gletscher pro Jahr verschwinden. Eine dramatische Entwicklung.
Gletscher sind wichtig, weil sie zum Beispiel saisonal trockenere Zeiten ausgleichen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Claudia Neumeier. Schätzungsweise sind bis zu zwei Milliarden Menschen von diesem schmelzendem Gletscherwasser abhängig, führt sie aus. Wenn allerdings Gletscher den Großteil ihrer Masse verloren haben, dann gibt es – zumindest in menschlichen Zeiträumen – keinen Weg, um ihre Speicherfunktion wiederherzustellen.
Das könnte in den kommenden Jahrzehnten zu bedeutenden Versorgungsproblemen führen.
Sinkende Grundwasserspiegel verschärfen das Problem
Ein anderes Problem sind sinkende Grundwasserspiegel, erklärt Claudia Neumeier. Bereits mehr als 70 Prozent der weltweiten Grundwasserspeicher zeigen einen langanhaltenden, sinkenden Trend.
Das Problem geht aber darüber hinaus, sagt unsere Reporterin. Wenn man einmal zu viel Grundwasser entnimmt, dann sinkt auch der Boden ab. Auf fünf Prozent der weltweiten Landfläche ist das schon der Fall. Die Folge: Wenn der Boden absinkt, dann sinkt auch seine Speicherkapazität dauerhaft und unumkehrbar.
"Wir leben über unsere Verhältnisse: Wir brauchen nicht nur unser 'Wasser-Einkommen' komplett auf, wir verjubeln auch unser gesamtes 'Erspartes'."
Auch hierzulande haben wir immer wieder mit Trockenheit zu tun, stellen die Forschenden der Universität der Vereinten Nationen in ihrer Studie fest. Deutlich wird das, wenn man an Brandenburg in den vergangenen Jahren denkt, sagt Claudia Neumeier.
Allerdings findet der Großteil des deutschen Wasserverbrauchs gar nicht in Deutschland statt. Die Forschenden schreiben in ihrem Bericht, dass natürlich auch die ganzen importierten Waren – also beispielsweise Tomaten aus Spanien oder Kleidung aus Südostasien, für deren Herstellung viel Wasser verbraucht wird – zum weltweiten "Wasserbankrott" beitragen.
Wasserproblem als verbindende Brücke zwischen Nationen
Die Studienautoren verstehen ihren Bericht nicht als – wortwörtlich – "einen Ausdruck der Hoffnungslosigkeit", sondern als Weckruf, erklärt Claudia Neumeier. Wir müssten den drohenden Wasserbankrott als neue Realität anerkennen und endlich die Entscheidungen treffen, mit denen Menschenleben, Wirtschafts- und Ökosysteme erhalten bleiben, so die Studienautor*innen.
Und die Forschenden gehen sogar noch einen Schritt weiter: Das Wasserproblem könne eine Brücke in der gespaltenen Welt sein, schreiben sie. Denn um es zu lösen, müssten die verschiedenen Nationen Wasser als gemeinsame Priorität anerkennen und zusammenarbeiten, so das Fazit der Forschenden.
