Es ist ein warmer Sommertag, als am 26. August 1820 fünf Männer in Partenkirchen aufbrechen, um im Auftrag Seiner Majestät, des Königs von Bayern, Maximilian I. Joseph, herauszufinden, wo genau die Grenze des bayrischen Königreichs verläuft und ob der höchste Punkt der Zugspitze nun in Bayern oder etwa in Österreich liegt. Auserkoren das herauszufinden, ist der 27-jährige Leutnant Josef Naus. Gemeinsam mit seinen vier Begleitern macht er sich auf den Weg nach oben.

Am Anfang ist es noch ein geradezu beschaulicher Spaziergang – aber das ändert sich, je höher sie kommen. Das Wetter schlägt um, es beginnt zu regnen, die Gruppe muss unter einem kleinen Felsvorsprung Schutz suchen. Von jetzt an ist der Weg rutschig, die teilweise mit Gras bedeckten Serpentinen sind mit einer glitschigen Wassermasse überzogen. Jeder Schritt muss wohlüberlegt sein.

Kurz darauf setzt Schneefall ein, die Gruppe sichert sich mit einem Seil. Sie sacken immer wieder im Schnee ein, weil sich unsichtbare Luftblasen gebildet haben, in denen sie ohne Weiteres für immer versinken könnten.

Mühsam kämpft sich die Gruppe die letzten 400 Meter bis zum Gipfel hinauf. Am Schluss erwartet sie nackter Felsen, der spitz in den Himmel ragt. In eisigem Wind krallen sich die Männer um den 27-jährigen Leutnant Josef Naus mit den Fingern in kleinste Felslöcher – bis sie endlich oben angekommen sind. Nach fünf Minuten müssen sie mit dem Abstieg beginnen, weil Schneegestöber und ein Unwetter sie dazu zwingen. Viel gesehen haben sie nicht, aber immerhin wird klar: Der Gipfel der Zugspitze liegt in Bayern und nicht in Österreich.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Tom Dauer ist nicht nur aktiver Kletterer, sondern auch Buchautor und Filmemacher. Er fasst zusammen, was man über die Erstbesteigung im Sommer 1820 weiß.
  • Der Journalist und Redakteur der Deutschen Welle, Stefan Nestler, erläutert nicht nur die Schönheit der Berge, sondern auch die Risiken durch den Alpinismus für die Bergwelt.
  • Fotograf Uli Auffermann, der zahlreiche Bildbände über die Alpen und andere Gebirge verfasst hat, erklärt die "Faszination Berg".
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über den "Vater der Alpinisten", den Renaissance-Humanisten Petrarca, der 1336 den Mont Vertoux erklomm und "darüber sich selbst" vergaß.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Esther Körfgen erinnert an den beschwerlichen Aufstieg zur Zugspitze im Auftrag des bayrischen Königs Maximilian I. Joseph.