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In Deutschland herrscht Pflegenotstand. Wie die Pflege in unserer immer älter werdenden Gesellschaft organisiert werden sollte, erklärt der Rechtswissenschaftler Thomas Klie in seinem Vortrag.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir irgendwann auf Pflege angewiesen sein – weil wir alt werden oder auch schon früher, etwa nach einem Unfall oder einer Krankheit. Oder aber wir werden selbst Angehörige pflegen.

Doch die Pflege ist in Deutschland schlecht organisiert, sagt Thomas Klie. Der Rechtswissenschaftler und Sozialexperte beschreibt in seinem Vortrag, warum das System dringend reformiert werden muss.

"Die Pflegekassen sind finanziell am Ende."
Thomas Klie, Rechtswissenschaftler

Wenn es schwer ist, einen Pflegedienst zu bekommen oder wenn die Heimkosten zu hoch sind, engagieren viele Menschen Haushaltshilfen aus Osteuropa.

Osteuropäische Haushaltshilfen: "Brauchbare Illegalität"

Mehr als 850.000 von ihnen arbeiten in Deutschland – das sind mehr als alle Pflegekräfte, die bundesweit in ambulanten Diensten arbeiten, zusammen, erklärt der Sozialexperte.

"Viele greifen auf osteuropäische Haushaltshilfen zurück. Davon gibt es 850.000 in Deutschland."
Thomas Klie, Rechtswissenschaftler

Die Haushaltshilfen würden entweder ganz ohne Arbeitsschutz oder in einer Grauzone des Arbeitsrechts arbeiten. "Brauchbare Illegalität" nennt Thomas Klie das.

Wie sollte eine Pflege-Reform aussehen?

Wichtig sei, dass wir die Pflegefachkräfte, die wir haben, sinnvoll einsetzen, erklärt der Experte. Sie könnten weit unabhängiger und eigenverantwortlicher arbeiten und sollten auf keinen Fall unqualifizierte Aufgaben wie etwa Putzen übernehmen, so Thomas Klie.

Außerdem müssten die Rechtsansprüche auf Pflege vereinfacht werden und es müsse eine sinnvolle Pflege- und Sorgestrukturplanung in den Kommunen geben. Dass Ehepartner*innen von Heimbewohner*innen oft von Armut bedroht sind, wenn die Partnerin oder der Partner stirbt, hält er für untragbar und spricht von einem Skandal.

"Von Armut betroffen sind häufig Ehepartner von Heimbewohner*innen. Denen bleibt möglicherweise nach dem Tod ihres Partners oder der Partnerin so gut wie gar nichts mehr. Und das finde ich einen wirklichen Skandal."
Thomas Klie, Rechtswissenschaftler

In seinem Vortrag erklärt der Rechtswissenschaftler, wie diese Punkte dazu beitragen könnten, die Pflege in Deutschland sicherzustellen.

Thomas Klie ist Rechtswissenschaftler und leitet das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Außerdem ist er Justiziar der Vereinigung der Pflegenden in Bayern. Und: Thomas Klie hat selbst zwölf Jahre lang Angehörige gepflegt, er kennt sich also nicht nur wissenschaftlich mit dem Thema Pflege aus. Seinen Vortrag "Demographische Transformation und Pflege" hat er am 26.01.2026 im Rahmen der Reihe "vhs.wissen live" gehalten. Organisiert wird die Reihe von der Volkshochschule Esslingen und der Volkshochschule SüdOst im Landkreis München.

Shownotes
Alternde Gesellschaft
Wie bleibt Pflege bezahlbar?
vom 17. April 2026
Moderation: 
Nina Bust-Bartels
Vortragender: 
Thomas Klie, Rechtswissenschaftler, Evangelische Hochschule Freiburg
  • Was heißt Pflege und Pflegepolitik?
  • Voraussetzungen für eine gute Pflege
  • Wie könnte eine Reform aussehen?
  • 1. Fachpflegerische Begleitung
  • 2. Kompetenzorientierter Einsatz von Pflegefachkräften
  • 3. Vereinfachung der Rechtsansprüche
  • 4. Planung von Pflege vor Ort
  • Heimkosten
  • Caring Community
  • Sektorenübergreifende Versorgungskonzepte
Quellen aus der Folge:
  • Thomas Klie, Michael Ranft, Nadine-Michèle Szepan: Reset-Pflegeversicherung: 14 Thesen zu einer grundlegenden Reform
  • Thomas Klie: Pflegenotstand? Eine Streitschrift. Hirzel Vertrag 2024.
  • Georg Cremer: Alles schrecklich ungerecht? Mythen, Halbwahrheiten, Fakten zum deutschen Sozialstaat. Verlag Herder. 2025