Klar! Wir sollten fürs Alter vorsorgen. Aber gerade den Jüngeren unter uns fällt das schwer, weil das Geld schon heute dringend fürs Leben und die Familie gebraucht wird. Reicht auch ein bisschen Sparen?
Das neue Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 eingeführt wird, soll über den Kapitalmarkt Rendite bringen. Plus staatliche Zulagen soll so am Ende eine zusätzliche Altersversorgung zur gesetzlichen Rente aufgebaut werden. Bis zu einem jährlichen Eigenbeitrag von 360 Euro soll es für jeden gesparten Euro vom Staat 50 Cent als Grundzulage dazugeben.
Das soll das Altersvorsorgedepot attraktiv machen auch für Leute mit wenig Geld, die in der Ausbildung oder auf Jobsuche sind oder als Solo-Selbstständige arbeiten. Schon ab monatlich 10 Euro Zahlung soll es bereits Zulagen geben.
Plus durch hohe staatliche Zulagen
Attraktiv ist vor allem, dass es vom Staat hohe Zulagen gibt, erklärt Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven:
- Es soll bis zu 540 Euro pro Jahr geben.
- Wer 360 Euro im Jahr einzahlt, bekommt 50 Prozent Zulage, also 180 Euro dazu.
- Kinderzulage gibt es bis zu 300 Euro pro Jahr.
- Wer unter 25 Jahre alt ist, bekommt einmalig 200 Euro als Bonus.
Im Netz gibt es kostenlose Rechner - beispielsweise bei Finanzfluss und Finanztip - mit denen jede und jeder sich die Variante für seine individuelle Situation mit ausrechnen lassen kann.
Spätere Auszahlungen müssen versteuert werden
Aber es gibt auch Knackpunkte, sagt Nicolas Lieven:
- Wer jetzt in Not gerät und das angesparte Geld braucht, also das Depot auflösen muss, muss auch die staatlichen Zulagen zurückzahlen. Die steuerlichen Vorteile sind dann weg.
- Mit Renteneintritt kann man sich maximal 30 Prozent auszahlen lassen. Der Rest der Summe wird in monatlichen Raten gezahlt. Bitter ist, dass die Auszahlungen alle voll versteuert werden.
"Ich würde mir wirklich Zeit nehmen und verschiedene Varianten einfach durchrechnen. Das Wichtigste für mich ist immer, dass man sich nicht hetzen lässt und wirklich schaut, wie hoch die Gebühren sind."
Dieses Altersvorsorgedepot besteht aus einem Wertpapierdepot. Diese Wertpapiere sind breit gestreut und werden auf dem Kapitalmarkt gehandelt. So soll eine hohe Rendite für das Depot entstehen. Der Aktienmarkt unterliegt allerdings auch Krisen, wie beispielsweise 2008, von der er sich wieder erholt hat. Kurzfristig kann es aber zu großen Schwankungen und Wertverlusten kommen. Im Vergleich zum ETF-Sparen, also einem sogenannten indexorientierten Depot, ist das Altersvorsorgedepot sicherer, weil es breiter gestreut ist.
Angebote genau prüfen und Gebühren vergleichen
Aktuell gibt es sehr viele Angebote für das Altersvorsorgedepot im Netz. Bei den meisten werden besondere Vorteile beworben, für die wir uns angeblich schnell entscheiden sollten. Aber wir müssen jetzt nichts überstürzen, sagt der Wirtschaftsjournalist, "das ist eine Entscheidung, die triffst du für Jahrzehnte".
Deshalb sollten sich vor allem die Jüngeren Zeit nehmen und die verschiedenen Angebote genau prüfen. Gerade bei den Gebühren kann es deutliche Unterschiede geben. Sie sollten sich zwischen 0,2 und 0,5 Prozent der Anlagesumme bewegen, rät Nicolas Lieven, und am besten sollten wir sie langfristig vereinbaren.
Für manche ist es auch wichtig zu wissen, aus welchen Wertpapieren das Altersvorsorgedepot besteht. Über die Seite faire-fonds.info etwa kann man nach Fonds suchen und sehen, ob sie beispielsweise in fossile Energieträger investieren.
Riester, ETF, Altersvorsorgedepot - was passt am besten für mich?
Wer bislang in eine Riester-Rente gespart hat, kann jetzt seinen Anbieter wechseln und auf ein Altersvorsorgedepot umsteigen, in das das Guthaben übertragen wird. Es gibt ca. 15 Millionen Riester-Verträge, viele davon ruhen, weil sie nichts mehr gebracht haben, sagt Nicolas Lieven.
Allerdings können bei einem Wechsel von relativ jungen Riester-Verträgen Gebühren anfallen. Wurde einmal gewechselt, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Außerdem kann man auch nicht in beide Systeme - Riester-Rente und Altersvorsorgedepot - sparen.
Leute mit sehr niedrigem Einkommen fahren mit der Riester-Rente besser, weil dort schon Einzahlungen ab 5 Euro monatlich gefördert werden. Aber: "In den meisten Fällen wird das Altersvorsorgedepot die bessere Wahl sein", sagt Nicolas Lieven.
Wer sich nicht sicher ist, ob ETF, Riester oder Altersvorsorgedepot besser passen, kann alle Varianten mit den Rechnern im Netz durchspielen und so für sich die beste finden. Zur Sicherheit kann man auch bei der Verbraucherzentrale einen Beratungstermin vereinbaren.
