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Kuba erlebt gerade massive Stromausfälle, Lebensmittelknappheit und Proteste. Journalistin Sandra Weiss beschreibt das Land als "ein bisschen apokalyptisch". Jetzt bittet Kuba sogar vor der UN um Hilfe – während Trump den Druck weiter massiv erhöht.

Sandra Weiss ist Journalistin und lebt seit 25 Jahren in Lateinamerika. Von dort berichtet sie für verschiedene Medien. Vor ein paar Wochen war sie das letzte Mal auf Kuba und erinnert sich an gespenstische Szenarien:

  • dunkle Straßen wegen andauernder Stromausfälle
  • Müllberge auf den Straßen, weil der städtischen Müllabfuhr das Benzin für den Abtransport fehlt
  • Menschen, die auf Grills und an Feuerstellen vor ihren Häusern notdürftig Essen zubereiten
  • Lebensmittel verderben, weil keine Kühlung möglich ist
Hans-Jürgen Burchardt, Kuba-Experte und Professor für Internationale Beziehungen an der Uni Kassel
"Es gibt eine humanitäre Krise."

Mit Sanktionen und Zöllen hat US-Präsident Donald Trump den Druck auf das Land erhöht: Venezuela liefert kein Erdöl mehr nach Kuba und auch Mexiko hat – aufgrund hoher US-Zölle – die Lieferungen eingestellt.

"Dieses Symbol 'Kuba muss fallen' aus Sicht der USA – das ist eigentlich eine lange Tradition, die Trump in einer brutalen Weise auch auf Kosten des Lebens der Kubaner versucht umzusetzen."
Bert Hoffmann, Lateinamerika-Forscher am GIGA Institut in Hamburg

Nicht allen Menschen auf Kuba geht es gleich schlecht, beobachtet sowohl die Journalistin Sandra Weiss, als auch der Lateinamerika-Experte Bert Hoffmann, der für das GIGA Institut in Hamburg auf diesem Gebiet forscht. Menschen, die Verwandte im Ausland haben, können etwa über Online-Supermärkte mit Lebensmitteln versorgt werden oder bekommen Geld geschickt.

Eine Frau, die Sandra Weiss auf Kuba trifft, hat sich mithilfe ihrer Tochter, die in Kanada lebt, vom kubanischen Stromnetz unabhängig gemacht. Sie hat ihr Dach mit Solarpanelen ausgestattet und ist so in der Lage, sich selbst und ihre Nachbarn mit Strom zu versorgen: Sie legt Mehrfachsteckdosen vor ihrem Haus hin, die an ihren Stromkreislauf angeschlossen sind. So haben auch die Nachbarn die Chance, ihre elektrischen Geräte aufzuladen.

Kubanischer Außenminister fordert: "Lasst Kuba in Frieden leben"

Eine humanitäre Katastrophe droht, deswegen hat der kubanische Außenminister vor den Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Er sagte: "Ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, sich zu mobilisieren, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, die sich bereits durch den Einsatz von Waffen oder durch die Energieblockade und deren extreme Verschärfung abzeichnet."

"Unter solchen Bedingungen zu überleben und zu arbeiten, das ist schon sehr drastisch."
Sabine Weiss, Journalistin

Die Situation, dass kein Öl mehr ins Land geliefert werde, dauere schon seit fünf Monaten an, erklärt Lateinamerika-Forscher Bert Hoffmann. Trotz der Energieblockade habe es nur kleinere Ausbrüche von Wut und Verzweiflung unter den Kubanern und Kubanerinnen gegeben, aber keine größeren Demonstrationen oder Unruhen. Das findet er bemerkenswert.

Sandra Weiss hat aber beobachtet, dass immer größere Teile der Bevölkerung darin übereinstimmen, dass es einen Wandel geben muss. Das heißt, dass nicht nur der Druck von außen auf das Land gestiegen ist, sondern sich auch der Druck von innen erhöht hat. Viele Menschen hätten inzwischen die Haltung, dass die kubanische Führung dazu gezwungen sei, Reformen anzugehen und das System zu ändern, berichtet Sandra Weiss.

Die Kubanerinnern und Kubaner wünschen sich Reformen

Die Menschen haben ein wenig die Hoffnung, dass Donald Trump etwas Bewegung in diesen Prozess bringen könnte, sagt die Journalistin. Aber es besteht auch die Angst vor möglichen militärischen US-Operationen. Eine sehr zwiespältige Stimmung herrsche im Moment auf Kuba, so Sandra Weiss.

Vor allem die jungen Menschen hätten allerdings kaum Hoffnung und wollten Kuba lieber so schnell wie möglich verlassen.

"Ohne Öl zu sein, das bringt ja jedes Land in den Notstand – und dafür ist es vergleichsweise ruhig geblieben in Kuba."
Bert Hoffmann, Lateinamerika-Forscher am GIGA Institut in Hamburg

Die Regierung versuche Verschiedenes, um auf die Krise zu reagieren, sagt Bert Hoffmann. Es sei ein Sparprogramm verfügt worden: Betriebe seien geschlossen, der Verkehr in Teilen eingestellt und die Stromversorgung werde auf essenzielle Orte reduziert, zum Beispiel auf Krankenhäuser.

Mit der Regierung Trump zu verhandeln, ist schwierig

Und im Hintergrund habe es Gespräch zwischen der kubanischen Regierung und den USA gegeben, erklärt der Wissenschaftler. Aber die Verhandlungen mit der Trump-Administration seien schwierig, weil es nicht nur um einzelne Zugeständnisse von Seiten Kubas gehe.

Obwohl Kuba Zugeständnisse gegenüber den USA gemacht habe, reiche das nicht aus, um ein Weg aus dieser Krise zu finden, sagt Bert Hoffmann. Um die Versorgung der Menschen wieder zu gewährleisten, sei es wichtig, dass wieder Öl ins Land komme.

"Sie müssen es irgendwie schaffen, Öllieferungen zu kriegen, oder es geht dann wirklich in einen Überlebensmodus."
Bert Hoffmann, Lateinamerika-Forscher am GIGA Institut in Hamburg

Der aktuelle Konflikt hat eine lange Tradition: Er geht auf die Kubanische Revolution Fidel Castros im Jahr 1959 zurück, sagt Bert Hoffmann. Seitdem sei es der Wunsch der USA, dieses "Symbol Kuba" fallen zu sehen – und diese lange Tradition sei durch Trump jetzt radikalisiert worden.

Die Vormachtsstellung, die die USA in Nord- und Südamerika beanspruchten, werde durch die Regierung Trump aktuell auf brutale Weise durchgesetzt – und zwar auf Kosten der Menschen auf Kuba, so der Lateinamerika-Forscher.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Angst vor Eskalation
Was will Trump mit Kuba?
vom 27. Mai 2026
Moderation: 
Marcel Bohn
Gesprächspartnerin: 
Sandra Weiss, Journalistin in Lateinamerika
Gesprächspartner: 
Bert Hoffmann, Lateinamerika-Forscher am GIGA Institut in Hamburg