In Sachsen-Anhalt und Teilen Sachsens haben die Menschen laut einer Studie deutschlandweit am meisten Angst, Opfer einer Straftat zu werden. Dabei ist die Kriminalität dort nicht höher. Woher diese Angst kommt – und bei wem sie besonders groß ist.

Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren sicherer geworden, zeigen Zahlen des Bundeskriminalamts. Trotzdem haben viele Menschen hierzulande Angst vor Verbrechen. Das ifo Institut Dresden hat untersucht, wo diese Angst besonders groß ist. Ergebnis: in Sachsen-Anhalt und Teilen von Sachsen. Allerdings ist die Kriminalitätsrate dort gar nicht am höchsten.

Gleichzeitig haben Menschen in Berlin – einem Bundesland mit vergleichsweise hoher Kriminalitätsrate – weniger Angst vor Verbrechen als etwa in Unterfranken, wo die Rate deutlich geringer ist, sagt Grega Ferenc vom ifo Institut. Er forscht dazu, wie die Angst vor Verbrechen mit tatsächlich begangenen Straftaten zusammenhängt.

Wer sich besonders unsicher fühlt

Der genaue Grund für dieses Angstgefühl lässt sich nicht benennen, sagt Grega Ferenc. Es gebe aber bereits einige Ansätze von Forschenden. Für die USA sei beispielsweise herausgefunden worden, dass das Gefühl mit dem Medienkonsum zusammenhängen kann. Wenn Menschen ständig mit Schlagzeilen über Verbrechen konfrontiert seien, könne dies zu einer verzerrten Wahrnehmung führen, erklärt Ferenc.

Frauen und Jüngere haben mehr Angst vor Verbrechen

Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Angst vor Kriminalität vor allem bei Frauen ausgeprägt ist. Auch bei Jüngeren ist das Gefühl stärker. "Jüngere Leute im Alter von 18 bis 29 haben signifikant mehr Angst als die Gruppe der 30- bis 44-Jährigen. Und ältere Gruppen haben signifikant weniger Angst", so Grega Ferenc.

"Man verlässt zum Beispiel das Haus nicht mehr in der Nacht oder meidet die öffentlichen Verkehrsmittel."
Grega Ferenc, Forscher am ifo Institut Dresden

Außerdem wurde bei Menschen mit Migrationshintergrund und bei Menschen mit geringerem Bildungsgrad ein größeres Angstempfinden festgestellt. Insbesondere Frauen würden ihr Verhalten aufgrund der eigenen Angst anpassen, erklärt Ferenc. So würden sie zum Beispiel bestimmte Orte oder Uhrzeiten meiden.

Laut Grega Ferenc spielt auch die politische Haltung beim Angstempfinden eine Rolle. "Menschen, die sich auf einer ideologischen Skala eher als rechts einstufen würden, greifen häufiger zu Verhaltensanpassungen." Bei Menschen, die sich eher links von der Mitte positionieren, sei dies hingegen nicht der Fall und hier sei auch die kognitive Angst weniger ausgeprägt.

Shownotes
Angst vor Kriminalität
Der Osten sticht heraus, aber warum?
vom 29. September 2026
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Grega Ferenc, Forscher am ifo Institut Dresden