Wenn Menschen krankhaft Tiere sammeln, leiden die Tiere. Und auch die Menschen sind häufig nicht gesund. Ein Forschungsprojekt hat sich erstmals mit dem Ausmaß der Qualen beschäftigt und widerlegt gängige Klischees.

Im Jahr 2023 gab es in Deutschland mindestens 343 Fälle von Animal Hoarding mit insgesamt über 16.000 betroffenen Tieren: Ein Forschungsprojekt sammelt Informationen zum krankhaften Sammeln von Tieren und wertet sie aus.

Beteiligt sind unter anderem die Technische Universität Dresden und der Tierschutzbund. "Bisher gibt es dazu keine Statistik, keine gemeinsame Datenbank der Veterinärämter", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Krissy Mockenhaupt.

"Es ist nicht nur ein Tierschutzproblem, sondern es sind oft Menschen in belasteten Lebenssituationen mit hohem psychosozialen Unterstützungsbedarf."
Sandra Wesenberg, ist an dem Forschungsprojekt zum Animal Hoarding der TU Dresden und dem Tierschutzbund beteiligt

Animal Hoarding ist für Veterinärämter und Tierheime mit großem Aufwand verbunden, wenn die Tiere den Haltenden entzogen werden müssen.

Wiederholungen und Rückfälle

"Das ist zum Teil mehrfach dieselbe Person. Schätzungen zufolge werden über 90 Prozent der Animal Hoarder rückfällig, nachdem bei ihnen schon mal Tiere beschlagnahmt wurden", sagt Reporterin Krissy Mockenhaupt.

"Und dann siehst du in den Ecken kauernd irgendwelche Hunde, wo du teilweise nicht unterscheiden kannst zwischen Kothaufen und ist da noch ein Hund drinnen."
Anita Hartner, Tierschutzverein Gut Aiderbichl

Sie beschreibt einen Fall von Februar 2025 im niedersächsischen Bad Iburg. Aus einem Einfamilienhaus werden 47 Hunde gerettet. Die Tiere sind krank, mangelernährt und verhaltensauffällig. Für rund zwei Monate werden sie intensiv im Tierheim betreut. Der Halter der verwahrlosten Hunde wurde zu über zwei Jahren Haft verurteilt. Das passiert selten. Oft gibt es nur ein Tierhalteverbot, das sich schwer kontrollieren lässt, erklärt Krissy Mockenhaupt.

Uneinsichtige Hoarder

Viele Animal-Hoarder sehen nicht ein, dass es den Tieren schlecht geht bei ihnen, berichtet Krissy Mockenhaupt. Abgesehen davon sind durch das Forschungsprojekt bislang keine Gemeinsamkeiten aufgefallen.

Sandra Wesenberg ist überzeugt, dass die Täterinnen und Täter, die so unkontrolliert viele Tiere halten, eigentlich umfassende Unterstützung auf verschiedenen Ebenen bräuchten. Bezogen auf Animal Hurting bräuchten wir eine stärkere Definition, ist sie überzeugt. Sie hält es für denkbar, dass Animal Hoarding vielleicht auch ein psychisches Erkrankungsbild darstellt.

Bad Iburg: Prozessauftakt gegen Halter von 47 Hunden beginnt am 08.09.2025 vor dem Amtsgericht in Osnabrück
© Imago / Swaantje Hehmann

Animal-Hoarding-Fall von Bad Iburg: Prozessauftakt gegen den Halter von 47 Hunden am 08.09.2025 vor dem Amtsgericht in Osnabrück

Shownotes
Animal Hoarding
Sammeln von Tieren als Quälerei
vom 07. September 2026
Moderation: 
Christoph Sterz
Autorin: 
Krissy Mockenhaupt, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
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