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Wenn der Bitcoin-Kurs explodiert, können Leute im besten Fall mit einem Schlag zum Multimillionär werden. Im besten Fall. Wenn sie aber das Passwort vergessen, mit dem sie an ihre Bitcoins herankommen, sehen sie sehr alt aus.

Wer mit Bitcoins handelt, weiß in der Regel (oder sollte es zumindest wissen), wie reizvoll, aber eben auch riskant das Geschäft ist. Die Kurse unterliegen immensen Schwankungen: Ende letzter Woche hatte der Wert eines Bitcoins das Rekordhoch von fast 42.000 Dollar erreicht. Am Montag (11.01.2020) fiel die Kryptowährung dann wieder auf knapp über 30.000 US-Dollar zurück. Aktuell liegt er wieder bei über 34.800 US-Dollar.

Passwort = Geld

Wer im richtigen Moment seine Bitcoins los wird, kann reich werden. Wer sein eigenes Passwort vergisst, kann das nicht. Es gibt nämlich keine Inhaberzuordnung zu einer Person: Wer das Passwort hat, hat den Zugriff auf das Geld, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat.

"Wer das Passwort hat, hat die Kohle."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ebenso futsch ist das Geld, wenn das eigene Passwort in fremde Hände gerät, etwa wenn der eigene Computer oder das Konto bei einer Bitcoin-Börse gehackt wird.

Stefan Thomas, ein deutsch-amerikanischer Programmierer aus San Francisco, hatte zunächst alles richtig gemacht, berichtet die New York Times. 2011 hatte er Bitcoins geschenkt bekommen, die heute, zehn Jahre später, 200 Millionen Dollar wert sind. Um seinen Computer vor Hackerangriffen zu schützen, hatte er sich damals einen "Ironkey" angeschafft, also einen separaten Hardware-Stick, den er nur dann an den Computer anschließt, wenn er auch gerade mit den Bitcoins handeln will.

Die Geschichte des Stefan Thomas

Dieser Ironkey hat aber auch ein Passwort – und genau das hat Stefan Thomas offenbar vergessen. Auch der Zettel, auf dem er es sich notiert hatte, ist verschwunden. Der Sicherheitsmechanismus des Ironkey erlaubt maximal zehn Versuche, danach wird der Stick unwiderruflich gelöscht. Acht falsche Versuche hat Stefan Thomas schon eingegeben. 7002 Bitcoins sind auf seinem Stick gespeichert – das sind momentan 200 Millionen Dollar, vor ein paar Tagen waren es sogar noch 280 Millionen.

"Der Sicherheitsmechanismus des Ironkey erlaubt maximal zehn Versuche. Und acht falsche Passwörter hat Stefan Thomas schon eingegeben."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Alleine ist der Programmierer mit diesem Problem nicht: Die Sache mit vergessenen Passwörtern, versehentlich gelöschten Festplatten oder versehentlich auf die Müllkippe geschmissenen Notebooks sei schon so alt wie der Bitcoin selbst, sagt unser Netzreporter. Der Schaden sei eigentlich nur die investierte Summe selbst, nicht die absurd hohe Steigerung – denn diese sei ja immer nur eine Möglichkeit ohne Garantie gewesen.

Dezentral und anonym

Bei einem normalen Online-Konto lässt sich ein neues Passwort beantragen, sollte man das alte vergessen haben. Ein bisschen Aufwand ist das natürlich, in der Regel müssen sich die Kontoführenden per Post-ID neu legitimieren. Aber es ist möglich.

"Beim Bitcoin gibt es keine übergeordnete Instanz, die euren Zugriff wiederherstellen kann."
Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat

Bitcoins oder auch andere Cyberwährungen (hier eine Übersicht über die Top 100) sind aber dezentral organisiert – das heißt, auch mit dezentralen, anonymen oder zumindest pseudonymen "Konten". Es gibt also keine Instanz, die euch kennt, euer Passwort retten oder euren Zugriff wiederherstellen könnte.

Zertifikate auf die Bitcoin-Entwicklung

Wer in den Bitcoinhandel einsteigen möchte, sollte sich eine seriöse Handelsplattform aussuchen, empfiehlt Michael Gessat. Hardware-Wallets sind an sich eine gute Idee – das Device selbst und vor allem auch das Passwort sollten aber sicher verwahrt und geschützt werden.

Wem das alles zu heikel und zu kompliziert ist, für die oder den kommen vielleicht Zertifikate auf die Bitcoin-Entwicklung in Frage. Diese werden von renommierten Banken herausgegeben und ganz normal an der Börse gehandelt. Für einige Prozent Gebühr spart man sich auf diesem Wege das Passwort- und Verlustrisiko.