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Eigenes Haus, eigene Familie, Garten, Haustier und ein solides Einkommen: Hanna hat all das nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr. Im Roman "Pause" von Lena Kupke muss Hanna deshalb mit 36 zurück zu ihren Eltern ziehen. Sie braucht eine Pause.

"Ist gut Hanna." Saras Nasenflügel blähen sich auf. Dazu die dicke Ader am Hals, die schmalen Augen, der leicht verzogene Mundwinkel, die Röte im Gesicht und die Härte in ihrer Stimme. Sara ist wütend. Natürlich ist sie wütend. Ihre Schwester Hanna hat ihr Dinge an den Kopf geworfen, die sie nicht hören will. Hanna nervt sie. Aber Hanna ist auch wütend. Und zur Abwechslung lässt sie ihre Wut mal raus.

Geschwister (Hass-)Liebe

Die beiden Schwestern stehen sich gegenüber, als wären sie nicht erwachsen, sondern wieder 14 und 16 Jahre alt. Aber heute geht es um was anderes als früher. Hanna will von ihrer Schwester gesehen werden. Sie will endlich gefragt werden, was los ist, warum sie plötzlich wieder in Lüneburg im Haus ihrer Eltern wohnt, sie will, dass Sara fragt, wie es ihr geht, nach all der Scheiße, die Hanna durchgemacht hat. Und sie will reden.

Stattdessen packt Sara sie bei den Oberarmen und schiebt sie aus dem Flur durch die Wohnungstür hinaus ins Treppenhaus. Hanna presst ihren Körper gegen das Türblatt, aber Sara ist stärker. Ganz langsam schließt sich die Tür.


Zufluchtsort: Altes Kinderzimmer

Schöner Abend. Nicht. Er wird noch schöner, als Hanna nach Hause kommt, also, in ihr früheres Zuhause, zu ihren Eltern Silvia und Wolfgang. Da ist Nackt-im-Flur-stehen eine große Sache. Vor allem dann, wenn die Gefahr besteht, dass die Nachbarn das mitbekommen und die allgemeine Abendruhe gestört wird.

Und natürlich nennt Hanna ihre Eltern nicht Silvia und Wolfgang, sondern Mama und Papa. Und obwohl sie nicht freiwillig hier ist, gibt es gerade keinen anderen Ort, an dem sich so geben kann, wie sie sich fühlt: total kaputt.

"Der Roman "Pause" von Lena Kupke ist sehr traurig, und gleichzeitig auch sehr lustig. Es erzählt von Hanna, ohne H, weil man das H sowieso nicht hört, so die Begründung ihrer Eltern."
Lydia Herms, Autorin

Hanna ist sechsunddreißig, Illustratorin in Berlin und seit vier Jahren mit Paul zusammen. Und in dieser Zeit erlebt Hanna was Schlimmes. Etwas, das jede Minute, jede Stunde, jeden Tag und jede Nacht, die darauf folgen, mit Schmerz begleitet, mit Erschöpfung, mit Panikattacken, mit Appetitlosigkeit, mit Zusammenreißen und Durchhalten.

Bis sie mitten in einer Präsentation zusammenbricht und erst wieder aufsteht, als sie zurück bei Mama und Papa ist, und zum Kind wird, zu Hannaschatz, die Hausschuhe anziehen soll, damit sie sich nicht verkühlt. Hanna weiß, dass das nicht reicht. Sie muss endlich einfordern, was sie braucht. Sie muss reden.

Das Buch: "Pause" (Romandebüt) von Lena Kupke, dtv, 316 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 23 €, eBook: 4,99 € (Stand: 20.05.2026), ein Hörbuch gibt es auch, toll gelesen von Lena Kupke selbst; ET: 15.05.2026

Die Autorin: Lena Kupke wurde 1986 geboren und hat English Studies und Geschichte in Bonn studiert. Sie ist Autorin und Stand-up-Comedian. "Pause" ist ihr erster Roman.

Shownotes
Das perfekte Buch für den Moment ...
…wenn du eine ganz feste Umarmung brauchst.
vom 22. Mai 2026
Autorin: 
Lydia Herms