Nicht immer hat sich Deutsch so angehört wie heute. Noch vor wenigen Jahrzehnten dominierten regionale Dialekte den deutschen Sprachraum. Heute bestimmen vor allem soziale Faktoren, wie wir reden. Ein Vortrag des Sprachwissenschaftlers Simon Kasper.
Unser Deutsch wandelt sich: Unsere Großeltern haben anders gesprochen als wir. Zwar färben regionale Dialekte wie Rheinländisch, Sächsisch, Schwäbisch, Bayerisch oder Platt auch heute noch unsere Sprache – doch ihr Einfluss nimmt immer weiter ab.
"Die regionale Prägung im Deutschen verliert an Profil und Bedeutung, während die soziale Prägung in gleichem Maße an Profil und Bedeutung gewinnt."
Dafür gewinnen andere Faktoren an Bedeutung: die sozialen Gruppen, zu denen wir gehören, und die Medien, die wir nutzen. Deutsch hat sich in den vergangenen sechzig Jahren massiv verändert, sagt Simon Kasper. Er ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
In seinem Vortrag erklärt er, wie sich die deutsche Sprache über die Jahrhunderte verändert hat und was den gegenwärtigen Sprachwandel besonders macht.
"Landsprachen" wie Zweitsprachen lernen
Um das Jahr 1300 hatte jeder Landstrich seine eigene regionale "Landsprache". Diese Sprachen unterschieden sich so stark, dass sich die Sprechenden meist gegenseitig nicht verstehen konnten. Um mit Menschen aus anderen Regionen zu kommunizieren, musste man deren Landsprache wie eine Zweitsprache lernen. Ein überregionales Deutsch gab es nicht.
"Es gab weder eine Sprechform noch eine Schreibform, die über diesen Landsprachen existiert hätte."
Im 17. Jahrhundert bildete sich dann eine überregionale deutsche Schriftsprache heraus. Gesprochen wurde jedoch weiterhin in regionalen Dialekten. Noch bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten regionale Dialekte, wie Deutsch gesprochen wurde.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nehmen regionale Sprecharten jedoch rasant ab. Höhere Mobilität und neue Medien haben dazu geführt, dass heute vor allem soziale Faktoren bestimmen, wie wir Deutsch sprechen.
Simon Kasper ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sein Vortrag trägt den Titel "Sprachwandel in den vergangenen 60 Jahren" und er hat ihn am 27. Oktober 2025 in Düsseldorf im Rahmen des Bürgeruniversitäts-Programms der Heinrich-Heine-Universität gehalten.
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