• Deutschlandfunk App
  • ARD Sounds
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • Abonnieren

In der griechischen Antike begründete Kleisthenes die Gleichheit vor dem Gesetz – schloss Frauen, Sklaven und Fremde jedoch aus. Zudem zerschlug er durch gezielte Bevölkerungszerteilung Adelsclans. Welchen Einfluss hat er auf die heutige Demokratie?

Kleisthenes wurde um 570 v. Chr. als Sohn des angesehenen Adelsgeschlechts der Alkmeoniden geboren. Die Alkmeoniden waren erbitterte Gegner der Tyrannei des Peisistratos, der 560 v. Chr., vermutlich mit Waffengewalt, an die Macht gelangt war. Nach dem Tod des Peisistratos übernahmen 528 v. Chr. seine Söhne Hippias und Hipparchos die Herrschaft in Athen. Ob es sich bei den "Peisistratiden" tatsächlich um eine brutale Diktatur oder "nur" um eine straff geführte Autokratie gehandelt hat, ist wegen der lückenhaften Quellenlage nicht abschließend zu beantworten.

Jedenfalls regte sich in der Athener Bürgerschaft Widerstand. Bei einem Bürgerfest 514 v. Chr. wurde ein Attentat verübt, bei dem Hipparchos getötet wurde und nur Hippias überlebte. Seine Macht verteidigend verschanzte Hippias sich 510 v. Chr. auf der Akropolis, musste aber angesichts der Übermacht der Belagerer – zu denen auch der Spartanerkönig Kleomenes I. gehörte – aufgeben und handelte freies Geleit ins Exil aus.

"Kleisthenes wurde 570 v. Chr. geboren, als Spross der Familie des Adelsgeschlechts der Alkmeoniden."
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte

Kleisthenes betrieb Sturz der Tyrannei

Den Sturz der Tyrannei hatte maßgeblich Kleisthenes betrieben, der nach innenpolitischen Machtkämpfen 508 v. Chr. aus dem Exil nach Athen zurückkehrte. Um eine erneute Alleinherrschaft zu verhindern, gewann Kleisthenes die Unterstützung des Volkes (altgriechisch Demos) für eine grundlegende Reform der politischen Strukturen. Der Geschichtsschreiber Herodot, der im folgenden Jahrhundert über diese Ereignisse berichtete, sah darin den eigentlichen Grundstein der Athenischen Demokratie.

Kleisthenes teilte die Bevölkerung der Region Attika in drei geografische Zonen ein: die Bewohner der Stadt, der Küste und des Binnenlandes. Diese Zonen wurden in Unterbezirke (Trittyen) zerlegt und anschließend per Los zu zehn neuen Bürgerverbänden, den sogenannten Phylen, zusammengewürfelt. Jede dieser zehn Phylen enthielt somit zu gleichen Teilen Bürger aus allen drei Wohngebieten.

"Im Vergleich zu anderen historischen Figuren wissen wir relativ viel über Kleisthenes’ Herkunft – also über seine Familie und deren Zugehörigkeit."
Charlotte Schubert, Uni Leipzig

Auf diese Weise wurden die alten Adelsclans zerschlagen, und die unterschiedlichen regionalen Interessen waren fortan gemeinschaftlich im neuen "Rat der 500" vertreten. Zudem begründete Kleisthenes die "Isonomia", die Gleichheit der Vollbürger vor dem Gesetz, und sicherte ihnen das gleiche Wortrecht (Isegoria) in der Volksversammlung zu. Auch wenn Frauen, Sklaven und Fremde von der Mitbestimmung ausgeschlossen blieben, schuf dieses System wesentliche Vorläuferprinzipien moderner demokratischer Ordnungen.

Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:

  • Die Althistorikerin Charlotte Schubert erläutert das Verhältnis der Kleisthenes-Familie zu den "Peisistratiden".
  • Der Bielefelder Historiker Uwe Walter beschäftigt sich mit Inhalt und Wirkung der Reformen des Kleisthenes.
  • Der Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung, Hans Vorländer, erklärt, welchen Einfluss die Reformen des Kleisthenes und die attische Demokratie auf moderne Demokratien haben.
  • Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt die innenpolitischen Auseinandersetzungen mit den Peisistratiden in Athen am Beginn des 6. Jahrhunderts vor Christus.
  • Deutschlandfunk Nova-Reporter Armin Himmelrath beschreibt das Abstimmungsprozedere im Rat der 500.
Shownotes
508 v. Chr.
Die Reformen des Kleisthenes und die attische Demokratie
vom 05. Juni 2026
Moderation: 
Steffi Orbach
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
Autor: 
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
Gesprächspartnerin: 
Charlotte Schubert, Althistorikerin Uni Leipzig, Hochschullehrerin im Ruhestand
Gesprächspartner: 
Uwe Walter, Althistoriker an der Uni Bielefeld
Gesprächspartner: 
Hans Vorländer, Seniorprofessor an der TU Dresden
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armim Himmelrath über das Abstimmungsprocedere im Rat der 500 
  • Althistorikerin Charlotte Schubert über das Verhältnis der Kleisthenes-Familie zu den "Peisistratiden"
  • Historiker Uwe Walter über Inhalt und Wirkung der Reformen des Kleisthenes
  • Politikwissenschaftler Hans Vorländer über Einflüsse der Kleisthenes-Reformen und Einfluss der attischen Demokratie auf moderne Demokratien