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Bürgerkrieg im Sudan – und ein Ende ist gerade nicht in Sicht. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Eine Nothelferin erzählt, wie sie hungern und aus Schlammpfützen trinken müssen. Und was es jetzt bräuchte, um den Menschen wirklich zu helfen.

Lange Zeit konnten internationale Journalist*innen kaum in den Sudan einreisen. Jetzt ist es zumindest eingeschränkt wieder möglich – wenn auch unter strenger Aufsicht des Militärs. Für ARD-Korrespondent Moritz Behrendt ist das ein entscheidender, wenn auch begrenzter Zugang. Derzeit berichtet er aus der Hauptstadt Khartum. Hier hatte der Krieg 2023 begonnen.

Gewalt, Flucht und ein bisschen Alltag

Der Korrespondent fasst zusammen: Die paramilitärischen Rapid Support Forces (kurz: RSF-Milizen) und die reguläre Armee lieferten sich heftige Häuserkämpfe. Vor etwa einem Jahr habe die Armee die Hauptstadt zurückerobert. Seitdem sei es dort vergleichsweise ruhiger geworden. "Menschen gehen wieder ihrem Alltag nach, Kinder gehen zur Schule", sagt er. Gleichzeitig werde das Internet immer wieder abgestellt und überall gebe es Einschusslöcher, zerstörte Fassaden und ganze Straßenzüge, die in Trümmern lägen.

"In der Hauptstadt herrscht eine Mischung aus viel Zerstörung und einem gewissen Maß an Normalität."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent

Während es in Khartum etwas ruhiger ist, hat sich der Krieg in abgelegenere Regionen verschoben: nach Darfur und Kordofan. Orte, an die internationale Journalist*innen nicht gelangen. "Dort gibt es wenig Aufmerksamkeit, das nutzen die Kriegsparteien", so Moritz Behrendt. Der Journalist berichtet von Massakern, etwa nach der Einnahme der Stadt Al-Fashir in Darfur. Nach monatelanger Belagerung sollen dort Tausende Menschen getötet worden sein. Auch von systematischer sexualisierter Gewalt ist die Rede.

Südsudan – eine Flucht ins Nichts

Was das konkret für die Menschen bedeutet, beschreibt Sarah Easter. Sie arbeitet für die Hilfsorganisation Care und war an der Grenze zum Südsudan. Dorthin fliehen viele Menschen aus dem benachbarten Kriegsland.

Die Region beschreibt sie folgendermaßen: "Da ist wirklich überhaupt gar keine Infrastruktur, nur Sand, ein paar Büsche und extreme Hitze." Es sind vor allem Frauen und Kinder, die hierher flüchten, sagt Sarah Easter. Viele von ihnen seien tage- oder wochenlang zu Fuß unterwegs gewesen. Sie tragen nur das, was sie bei ihrer Flucht am Körper hatten. Viele Kinder seien sogar barfuß unterwegs gewesen.

"Viele Menschen haben unterwegs aus Schlammpfützen getrunken. Sie kommen im lebensbedrohlichen Zustand hier an."
Sarah Easter, Hilfsorganisation Care

Der körperliche Zustand vieler Geflüchteter ist dramatisch, sagt Sarah Easter. Viele seien stark unterernährt, krank und traumatisiert. Entsprechend klar sei, was sie jetzt am dringendsten brauchen: "Diese Menschen brauchen Gesundheitsversorgung, Essen, sauberes Wasser und einen Ort, an dem sie keine Angst mehr haben müssen."

Korrespondent: Pattsituation im Sudan

Moritz Behrendt beschreibt die politische Lage im Land als festgefahren: "Ein Ende des Krieges ist derzeit nicht in Sicht." Anfangs habe es so ausgesehen, als könnten die RSF-Milizen schnell die Kontrolle übernehmen. Doch der Kriegsverlauf habe sich mehrfach gedreht. Inzwischen teilen sich beide Seiten das Land mehr oder weniger auf.

"Eine Annäherung gibt es gerade nicht. Beide Seiten wollen die Kontrolle über das gesamte Land."
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent

Zu wenig Geld, zu viel Leid

Für die Zivilbevölkerung bedeutet das: Das Leid wird weitergehen. Gleichzeitig wird die humanitäre Lage durch fehlende internationale Gelder verschärft. Davon könnte auch das Gesundheitszentrum von Care im Südsudan betroffen sein, sagt Sarah Easter. Stand jetzt gebe es Gelder bis Juni 2026. Was danach passiert, sei unklar.

Das mitanzusehen beschreibt Sarah Easert als belastend. Und so bleibt am Ende ein Appell – und die Hoffnung, dass er gehört wird. Denn der Krieg im Sudan, sagt Sarah Easter, steht kaum im Fokus der Weltöffentlichkeit.

"Wir müssen unglaublich viel mehr für diese Menschen tun. Es braucht einfach mehr Aufmerksamkeit."
Sarah Easter, Hilfsorganisation Care

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Drei Jahre Krieg
"Die Menschen im Sudan sind am Ende"
vom 15. April 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Moritz Behrendt, ARD-Korrespondent
Gesprächspartnerin: 
Sarah Easter, Hilfsorganisation Care