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Nach einer Trennung können Trauer, Wut und Selbstzweifel hochkommen. Ob drei Jahre oder drei Monate Beziehung – Liebeskummer trifft uns oft mit voller Wucht. Warum manche schneller loslassen als andere und was beim Verarbeiten wirklich hilft.

Sie wollten eigentlich zusammenziehen. Endlich keine Fernbeziehung mehr führen, sondern gemeinsam in einer Wohnung leben. Eine passende Wohnung hatten sie auch bereits gefunden. Doch kurz vorher machte er Schluss.

Für Marlene kam die Trennung unerwartet. "Ich dachte nur: Wir hatten doch das ganze Jahr zusammen geplant." Trotzdem bleibt sie zunächst in Berlin bei ihrem Exfreund. Wenige Tage später sollte ihre gemeinsame Reise nach Kapstadt beginnen. Sie hatten schon alles gebucht.

Wenn die engste Bezugsperson plötzlich weg ist...

Den ersten Monat teilten sie sich eine Unterkunft, im zweiten zog er aus. Rückblickend beschreibt Marlene diese Zeit als eine Art "Soft Ending" ihrer Beziehung.

"Ich bin echt super dankbar, dass die Trennung so erwachsen verlief. Es war immer sehr liebevoll, verständnisvoll und wertschätzend."
Marlene, über ihre Trennung

Doch auch eine respektvolle Trennung schütze nicht vor Schmerz und Traurigkeit. Marlene beschreibt die Zeit nach der Trennung als Achterbahnfahrt. Anfangs habe sie kaum begreifen können, was gerade passiert. "Und dann trifft es dich mit Wucht: Ich verliere meine engste Bezugsperson."

Mal mehr, aber auch mal weniger Schmerz

Mit der Zeit habe sie aber auch Momente der Erleichterung gespürt: Plötzlich musste sie etwa keine Kompromisse mehr eingehen oder Lebenspläne anpassen. "Ich kann meine Ziele und meine Träume weiterverfolgen", sagt sie heute, drei Monate nach der Trennung.

"Wenn man die Person wieder sieht, sie umarmt oder riecht, dann denkt man sofort: Hilfe, jetzt werde ich wieder zurückgerissen."
Marlene, über ihren Trennungsprozess

Gleichzeitig war da immer noch die Angst, wieder "zurückgeworfen zu werden", erzählt Marlene. Vor allem bei Treffen mit ihrem Ex. Wenn das wirklich passiert, stellte sie sich den Gefühlen. Natürlich habe sie sich auch abgelenkt, Sport gemacht, gearbeitet und schöne Dinge unternommen, erzählt Marlene. Entscheidend sei für sie aber gewesen, die Gefühle nicht dauerhaft zu verdrängen.

"Wenn die Emotion hochkommt, dann lasse ich alles andere fallen. Ich fühle mich in die Emotion rein und ich weine und weine und weine."
Marlene, über ihren Trennungsprozess

Heute, drei Monate später, fühlt sich Marlene sogar gestärkter als vor der Beziehung, sagt sie.

Bei der Verarbeitung habe ihr auch ein langes Abschiedsgespräch mit ihrem Ex geholfen. Marlene glaubt, dass sie mit mehr Menschen über die Trennung gesprochen hat. Ihr Ex habe die Trennung eher mit sich selbst ausgemacht, vermutet sie.

Männer und Frauen verarbeiten Trennungen oft unterschiedlich

Die Perspektive von Marlenes Ex kennen wir nicht, aber laut Forschung gehen Männer und Frauen, die in heterosexuellen Beziehung waren, unterschiedlich mit Liebeskummer um. Beziehungspsychologin Iris Wahring hat dazu gemeinsam mit anderen Forschenden eine Studie durchgeführt. Sie sagt: Männer sprechen im Durchschnitt seltener über emotionale Belastungen und Alltagssorgen – auch deshalb, weil das oft nicht zum traditionellen männlichen Rollenbild passe.

Wie Männer sonst im Durchschnitt mit Trennungen umgehen und welche Bedeutung Paarbeziehungen für sie haben, erklärt Iris Wahring in der Podcastfolge.

Das eigene Selbstbild

Wie schnell wir auf eine Trennung klarkommen, ist individuell und hängt von vielen Faktoren ab – etwa von der Dauer der Beziehung. Doch auch das eigene Selbstbild spielt eine Rolle, erklärt Christina De Bock. Die Diplom-Psychologin betont zudem, dass Trennungen meist in mehreren emotionalen Phasen verlaufen. Auf den ersten Schock folgen oft Wut, Trauer, Verzweiflung oder Schuldgefühle. Erst später gelingt langsam eine Neuorientierung.

Problematisch werde es, wenn Menschen über lange Zeit im emotionalen Ausnahmezustand feststecken und keine Veränderung spüren, erklärt Christina De Bock. Dann könne professionelle Hilfe sinnvoll sein.

Was beim Loslassen helfen kann

Laut der Diplom-Psychologin gelingt es Menschen leichter, eine Trennung zu verarbeiten, wenn sie einen stabilen Selbstwert, Resilienz und soziale Unterstützung haben. Auch Selbstmitgefühl sei wichtig – also die Fähigkeit, freundlich mit sich selbst umzugehen.

"Wenn ich einen Großteil meines Selbstwertes aus der Beziehung gezogen habe, kann es sehr schwer sein, mich zu lösen."
Christina De Bock, Diplom-Psychologin

Gerade nach einer Trennung entstünden häufig Selbstzweifel: Bin ich nicht gut genug? Warum wurde ich verlassen? Werde ich wieder jemanden finden?

Dann könne es helfen, bewusst gegen diese innere Abwertung anzugehen. Christina De Bock empfiehlt, "mit sich selbst so zu sprechen wie mit einer guten Freundin". Ebenso wichtig sei ein stabiles soziales Umfeld: Menschen, die zuhören, unterstützen und zeigen, dass man weiterhin liebenswert ist.

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Shownotes
Ex loslassen
Liebeskummer: Wie finden wir wieder zu uns selbst?
vom 27. Mai 2026
Gesprächspartnerin: 
Marlene, ist seit ein paar Monaten von ihrem Ex getrennt
Gesprächspartnerin: 
Iris Wahring, Beziehungspsychologin, aktuell Post-Doc am Institut für Psychologie der Entwicklung und Bildung der Uni Wien 
Gesprächspartnerin: 
Christina De Bock, Diplom-Psychologin
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Timur Gökce, Stefan Krombach, Jonas Kyora, Mo Lorenz, Yevgeniya Shcherbakova, Friederike Seeger, Anton Stanislawski 
Produktion: 
Philipp Adelmann
Quellen: