Hitze, Dürre, Starkregen: Für viele Landwirte ist das längst Alltag. Justus baut seinen Hof um und probiert neue Anbaumethoden an. Doch reicht das? Und wie muss sich Landwirtschaft verändern, damit in Zukunft genug Lebensmittel produziert werden?
In wenigen Tagen beginnt für Justus Gödecke die Ernte. Eigentlich ein Zeitpunkt, auf den Landwirtinnen und Landwirte das ganze Jahr hinarbeiten. Statt Vorfreude überwiegt bei ihm aber auch Anspannung. Nach Starkregen und Hagel in Teilen Deutschlands schaut der Agrarstudent ständig aufs Regenradar. Bilder von zerstörten Feldern bei Kommilitoninnen und Kommilitonen zeigen ihm, wie schnell monatelange Arbeit verloren sein kann. Extremwetter ist für viele Betriebe längst kein Ausnahmefall mehr.
Auch wenn Justus in diesem Jahr bisher Glück hatte, erlebt er die Veränderungen seit Jahren. Vor allem die lang anhaltenden Trockenphasen hätten deutlich zugenommen. Wissenschaftler Lorenz Kottmann vom Julius-Kühn-Institut beobachtet dieselbe Entwicklung: Hitze, Trockenheit, Starkregen und Hagel stellten die Landwirtschaft immer häufiger vor große Herausforderungen. Gleichzeitig schwankten die Erträge deutlich stärker als früher.
Landwirtschaft muss sich anpassen
Eine Patentlösung gebe es nicht, erklärt Kottmann. Stattdessen brauche es verschiedene Ansätze, die je nach Region, Boden und Betrieb unterschiedlich kombiniert werden müssten. Besonders wichtig seien hitze- und trockenheitstolerantere Sorten sowie mehr Vielfalt auf den Feldern. Fällt eine Kultur wegen extremer Witterung aus, könnten andere den Ertragsverlust zumindest teilweise ausgleichen.
"Sorten wählen, die zum Beispiel gut mit Hitze klarkommen, die besser mit Trockenheit klarkommen. Und dann: Diversifizierung, also möglichst viele Kulturen im Anbau haben."
Ganz so einfach sei das allerdings nicht: Für neue Kulturen brauche es auch funktionierende Absatzmärkte. Nur wenn sich diese wirtschaftlich vermarkten ließen, lohne sich der Anbau für die Betriebe.
Justus und sein Vater haben ihren Betrieb bereits umgestellt. Sie bearbeiten den Boden deutlich weniger als früher und setzen auf vielfältige Zwischenfrüchte. Dadurch soll der Boden mehr Wasser speichern und das Bodenleben gestärkt werden.
"Wir verzichten massiv auf Bodenbearbeitung, versuchen das immer weiter zu reduzieren."
Die ersten Veränderungen seien bereits sichtbar. Wo früher trockener, sandiger Boden lag, finde sich heute häufiger lockere Erde mit Regenwürmern. Bis sich die Maßnahmen vollständig auszahlen, werde es aber noch Jahre dauern.
Anpassung kostet Zeit und Geld
Neben der Geduld spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Gerade kleinere Betriebe könnten nicht ohne Weiteres in neue Technik investieren. Auch Bewässerung helfe nur begrenzt und sei teuer. Kottmann sieht deshalb Politik und Gesellschaft in der Verantwortung. Langfristige Förderung, Forschung und Planungssicherheit seien wichtig, damit Betriebe den Umbau stemmen können.
"Natürlich wäre immer eine langfristige Förderung, beispielsweise von Forschung und Wissenstransfer wichtig, eine Art Risikomanagement und auch Planungssicherheit."
Nach Einschätzung von Kottmann tragen die Betriebe die Risiken der Anpassung zunächst selbst. Deshalb seien finanzielle Förderungen wichtig. Das liege auch im Interesse der Gesellschaft, denn Ziel müsse es sein, die Lebensmittelproduktion in Deutschland langfristig auf einem hohen Niveau zu sichern. Trotz aller Herausforderungen blickt der Wissenschaftler vorsichtig optimistisch nach vorn. Deutschland bleibe grundsätzlich ein guter Standort für die Landwirtschaft.
Für Justus ist der Wandel längst Realität. Einige Kulturen sieht er auf seinen Flächen künftig nicht mehr. Andere könnten ihren Platz einnehmen. Wie Landwirtschaft in zehn Jahren aussieht, hängt deshalb nicht nur vom Wetter ab – sondern auch davon, wie schnell sich Betriebe, Politik und letztlich auch Verbraucherinnen und Verbraucher auf neue Bedingungen einstellen.
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