Paare, die sowieso schon in einer Fernbeziehung leben, sind es gewohnt, sich länger nicht zu sehen. Doch in Zeiten von Corona-Krise und Social Distancing ist ungewiss, wann es ein Wiedersehen gibt. Um diese Zeit gut zu überstehen, rät Paartherapeut Eric Hegmann: über Emotionen sprechen.

Köln-Frankfurt: Andi trennen 200 Kilometer von seinem Freund. Bislang haben sie das immer gut geschafft. Doch jetzt quält sie vor allem, dass sie nicht wissen, wann sie sich wiedersehen. Klar könnten sie sich besuchen. Aber: Sie haben kein Auto und wollen keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Denn weder wollen sie sich selbst anstecken, noch das neuartige Coronavirus übertragen.

"Ich gebe ehrlich zu: Was mir am meisten zu schaffen macht, ist, sich nicht berühren zu können."
Andis Freund lebt 200 Kilometer entfernt in Frankfurt

Hamburg-Köln: Zwischen Lisa und ihrem Freund liegen 500 Kilometer. Für die beiden ist ebenfalls klar: Social Distancing. Lisa ist selbstständig und will sich nicht anstecken, damit sie weiterhin arbeiten kann. Das Paar schreibt sich und macht Videochats. Sie denken sich jeden Tag etwas Neues aus, abwechselnd muss sich jeder Gedanken machen. So liest Lisa ihrem Freund aus einem Buch vor oder sie trinken zusammen ein Glas Wein. Geplant ist auch ein Spieleabend.

Wenn die Aussicht auf ein Wiedersehen fehlt

Im Gegensatz zu Andi kann sich Lisa auf ein baldiges Wiedersehen freuen, denn ihr Freund macht das Auto flott, um sie in Köln zu besuchen. Genau das, hält viele Fernbeziehungen am Laufen, sagt der Paartherapeut Eric Hegmann: die Aussicht auf ein Wiedersehen.

"Ich glaube, es hilft schon vielen Paaren, dass sie wissen: Okay, übernächstes Wochenende sehen wir uns wieder."
Eric Hegmann, Paartherapeut

Weil das Wiedersehen aber für Fernbeziehungen gerade fraglich ist, rät der Paartherapeut, nicht auf das "tägliche Gespräch am Küchentisch" zu verzichten, sich dazu zu verabreden und virtuell zu treffen.

Fernbeziehung und Sex

Aber neben der Standardfrage: "Na, Schatz, wie war dein Tag?", sollten beide nachhaken und fragen, was den jeweils anderen beschäftigt hat. Denn so könnte es dem Paar auch in der Fernbeziehung gelingen, Emotionen auszutauschen und dem anderen nahe zu sein.

"So stellen die Partner sicher, dass dieses Ritual nicht dazu führt, dass man sich seinen Terminkalender gegenseitig vorträgt, sondern dass man wirklich über seine Emotionen an dem Tag spricht."
Eric Hegmann, Paarthearpeut

Für manche Paare ist es auch wichtig, nicht nur Gefühle, sondern auch sexuelle Bedürfnisse auszutauschen. Für Andi uns seinen Freund ist das eine ganz neue Option, bei der sie sich noch nicht sicher sind, ob das wirklich für sie passt.

"Wir sind beide nicht die Leute, die es jetzt so geil finden, Telefonsex zu haben. Also … ähm … wir sind da noch am überlegen, wie es geht."
Andi und sein Freund halten sich an Social Distancing