Lehrermangel, kaputte Fenster, nasse Wände – und das ist nur ein Teil des Problems: Frankreichs Schüler sind auf der Straße – manche Studierende und Lehrkräfte auch. Was steckt hinter der Wut dieser Bewegung?
Viele Schülerinnen und Schüler in Frankreich protestieren gerade – begonnen haben die Proteste bereits Ende September in Créteil, in der Nähe von Paris. "Saint-Denis ist einer der Hauptorte des Protests", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Und auch diese Stadt liegt nah bei der französischen Hauptstadt.
Ein Protest, viele Gründe
Neben dem Lehrermangel geht es um zu große Klassen, längliche Stundenpläne, marode und unklimatisierte Gebäuden und Schwächen in dem Zulassungssystem Parcoursup für die Anmeldung an Hochschulen.
"Die Schülerinnen und Schüler sagen, die Schulen seien schon seit Jahren unterfinanziert. Und diese Kritik teilen übrigens auch etliche Lehrkräfte."
Teils sind die Proteste gewaltsam: Neben Brandstiftung kommt es zu körperlichen Angriffen auf Lehrkräfte, Schulpersonal und die Polizei. Rund 400 Schulen sind geschlossen, mehr als 5.000 Personen sind festgenommen worden (Stand 05.10.2026). "Auch an verschiedenen Unis in Frankreich hat es Protestaktionen von Studierenden gegeben", sagt Johannes Döbbelt.
Verletzungen und Angriffe
Aufseiten der Protestierenden gibt es Verletzte, manche von ihnen schwer. Dokumentiert sind bislang unter anderem: ein gebrochener Kiefer und der Verlust mehrerer Zähne bei einem Protestierenden. In Lens ist die Hand eines 15-Jährigen durch die Explosion einer Polizeigranate zerfetzt worden. Gegen Unbekannte wird wegen versuchten Mordes an einem Polizisten in Belfort ermittelt (Stand 05.10.2026).
Alle Auseinandersetzungen stehen im Licht des Wahlkampfes für die Präsidentschaftswahlen 2027, sagt unser Korrespondent für Frankreich, Stephan Detjen. Der erste Wahlgang ist Ende April, der zweite dann Anfang Mai. Er erinnert daran, dass Frankreich momentan von einer Minderheitsregierung regiert wird und der Haushalt Einsparungen von mehr als 40 Milliarden Euro vorsieht. Bezogen auf die Bildungsausgaben bewertet die Opposition das folgendermaßen: "Wenn man die Inflation mit hinzurechnet, dann hat das Bildungssystem faktisch weniger Geld als vorher."
"Die Regierung beteuert, dass im Bildungssystem nicht gespart werde", sagt Stephan Detjen. Gleichzeitig sei sie zurückhaltend bei der Nachbesetzung von Stellen an den Schulen. Die Protestierenden klagen nun eben auch über Unterrichtsausfall.
"Mit Blick auf den demografischen Wandel brauchen wir gar nicht mehr so viele Lehrer, sagt die Regierung."
Bei der Präsidentschaftswahl stehen sich zwei Lager gegenüber: das extrem rechte Rassemblement National mit seiner Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und auf der radikalen Linken Jean-Luc Mélenchon. Er ist Gründer der Partei La France insoumise. Wörtlich bedeutet das widerständiges Frankreich.
"Da ist der Name Programm. Diese Partei, La France insoumise, hat sich hinter die Proteste der Schülerinnen und Schüler gestellt."
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