• Deutschlandfunk App
  • ARD Sounds
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • Abonnieren

Lea überfordert das Thema Finanzen: Eine regelrechte mentale Blockade hindert sie daran, sich mit Geldanlage zu beschäftigen. Warum das besonders Frauen schwer fällt – und wie wir unsere finanzielle Zukunftsplanung am besten angehen.

Lea und ihre Finanzen – ein schwieriges Thema. Es gab eine Zeit, da hatte sie einen sehr guten Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben, Schulden gab es nicht. Doch dann geriet alles aus dem Ruder, erzählt sie.

"Ich habe gerade überhaupt keinen Überblick. Ich gebe Geld aus, als hätte ich zu viel davon. Ich schaue gar nicht mehr auf mein Konto und hoffe einfach, dass alle Abbuchungen durchgehen", sagt sie.

Der Struggle mit den eigenen Finanzen

Lea sagt, dass es ihr selbst sehr unangenehm ist, wie sie zurzeit mit ihrem Geld umgeht.

"Ich habe nie Bargeld oder mein Portemonnaie dabei. Das heißt, ich habe nur mein Handy. Dann mache ich einen Doppelklick, bezahle mit Apple Pay – und hope for the best."
Lea, fällt es schwer, einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen

Eine Zeit lang hat Lea ihre Kreditkarte wie ihr Girokonto benutzt. Jeden Monat war sie rund 600 Euro im Minus. "Irgendwann dachte ich: Das ist ungut. Dann habe ich angefangen, mich damit auseinanderzusetzen, wie ich überhaupt in diese Situation geraten bin", erzählt sie.

Lea hat dann angefangen, ihre Finanzen zu dokumentieren und täglich Content auf Tiktok darüber zu veröffentlichen: "Dadurch habe ich das in den Griff bekommen. Ich bin so ein Mensch: Ich brauche Leute, die mir bei Dingen zuschauen – dann ziehe ich sie auch durch." Irgendwann hat sie allerdings aufgehört, Inhalte über ihre Finanzen auf Social Media zu posten. Danach ging es wieder bergab.

"Das ist so bescheuert: Ich muss das Leuten in irgendeiner Art und Weise mitteilen, damit ich was ändere – weil die Leute es dann ja wissen."
Lea, fällt es schwer, einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen

Lea erinnert sich noch gut daran, wie in ihrer Familie über Geld gesprochen wurde – nämlich gar nicht. Dabei hat sie sich schon früh für das Thema interessiert. "Als Kind und Jugendliche habe ich Leute manchmal einfach gefragt: 'Und, wie viel verdienst du?' Alle waren total schockiert."

Schwierigkeiten beim Sparen

Schon als Jugendliche hat Lea gemerkt, dass sie eher verantwortungslos mit ihrem Geld umging, erzählt sie. "Ich hatte mein Taschengeld und am nächsten Tag hatte ich dann kein Taschengeld mehr. Ich war nie eine Person, die gespart hat. Das wurde immer direkt ausgegeben."

"Ich war schon immer so eine Person, die Geld einfach sehr gerne ausgegeben hat."
Lea, fällt es schwer, einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen

Lea fühlt sich bei ihren Finanzen oft planlos. Aber liegt das daran, dass sie eine Frau ist? Studien zeigen tatsächlich Unterschiede: Männer haben im Durchschnitt einen besseren Überblick über ihre Finanzen.

Wie Männer und Frauen mit Geld umgehen

"Der größte Unterschied besteht darin, dass Frauen viel seltener am Kapitalmarkt aktiv sind. Sie halten deutlich seltener Aktien oder Aktienfonds in ihrem Portfolio und blenden diesen Teil der Geldanlage oft komplett aus", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Alexandra Niessen-Ruenzi.

Unterschiedlicher Vermögensaufbau

In Deutschland besitzen 15 Prozent der Frauen Aktien, bei den Männern sind es 25 Prozent. Laut Alexandra Niessen-Ruenzi ist dieser Unterschied von 10 Prozent erheblich. Langfristig wirkt er sich auf den Vermögensaufbau aus und trägt dazu bei, dass Männer und Frauen unterschiedlich viel Vermögen bilden.

"Weil Aktien mit Risiken verbunden sind, ist das grundsätzlich eine Anlageklasse, die Frauen weniger liegt als Männern – unter anderem, weil sie Risiken eher scheuen."
Alexandra Niessen-Ruenzi, Wirtschaftswissenschaftlerin

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Finanzmärkte sind traditionell stark männlich geprägt, erklärt Alexandra Niessen-Ruenzi. Über Jahrzehnte hinweg waren es vor allem Männer, die mit Aktien handelten und am Kapitalmarkt aktiv waren. Weibliche Vorbilder gab es dagegen nur wenige.

Studien ihres Forschungsteams zeigen zudem, dass sich die Finanzindustrie in den vergangenen 50 bis 60 Jahren vor allem auf männliche Kunden ausgerichtet hat.

Welche Folgen das für Frauen hat

Dass sich viele Frauen von Investmentthemen weniger angesprochen fühlen, hat Konsequenzen: Sie kennen sich häufig schlechter am Finanzmarkt aus und trauen sich finanzielle Entscheidungen oft weniger zu.

Hinzu kommt, dass Frauen ohnehin ein höheres Risiko haben, im Alter finanziell schlechter abgesichert zu sein – unter anderem wegen des Gender-Pay-Gaps und des Gender-Investment-Gaps.

Die finanzielle Zukunftsplanung angehen

Es gab eine Zeit, in der sich Lea intensiver mit dem Thema Geldanlage beschäftigt hat. Eigentlich würde sie sich auch heute gerne wieder mehr damit befassen – doch sie fühlt sich schnell überfordert, sagt sie: "Ich weiß, ich sollte das machen. Aber wenn ich darüber nachdenke, finde ich es erstens irgendwie super langweilig, leider. Und zweitens überfordert mich allein der Gedanke daran so sehr, dass ich gar nicht erst anfange. Ich weiß einfach nicht, wo man anfangen soll."

Lea sagt, dass diese Überforderung mit dem Thema Finanzen eine Art Blockade in ihrem Kopf auslöst. Sie hindert sie daran, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen.

"Wo lege ich das an? Dann gibt es Aktien, ETFs und ich weiß nicht, was noch alles – im Zweifel auch noch Bitcoin. Es ist einfach ein so großes Thema, dass mein Gehirn dichtmacht."
Lea, fällt es schwer, einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen

Leas Plan ist, zunächst ihre Ausgaben wieder grundlegend in den Griff zu bekommen und sich danach wieder intensiver mit dem Thema Investieren zu beschäftigen. Denn sie weiß: Geldanlage ist grundsätzlich auch mit wenig Zeitaufwand möglich.

Warum trotzdem viele Frauen Schwierigkeiten damit haben, mehr Durchblick bei ihren Finanzen zu bekommen, erklärt die Gründerin von FemInvest und Finanzexpertin Francesca Barbera-Eckert. Sie möchte Frauen dabei unterstützen, souveräner finanzielle Entscheidungen zu treffen und weniger Angst vor dem Thema zu haben.

"Die meisten meiner Kundinnen sagen mir, sie haben Angst davor, Geld zu verlieren. Sie können das Risiko nicht einschätzen, das mit dem Investieren einhergeht."
Francesca Barbera-Eckert, Finanzexpertin
Francesca Barbera-Eckert
© Livia Bass
Die Finanzexpertin Francesca Barbera-Eckert hilft Frauen dabei, sich besser mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen

Laut der Finanzexpertin fehlt Frauen beim Thema Finanzen häufig grundlegendes Wissen. In ihren Beratungen beginnt sie deshalb meist bei den Basics: "Ich muss nicht erklären, was Aktien sind. Wir müssen noch einen Schritt davor anfangen, weil viele einfach kein Gefühl für Finanzen haben und grundlegende finanzielle Begriffe gar nicht kennen."

Die Angst vor dem Investieren überwinden

Wie bei vielen anderen Themen im Leben gilt auch im Finanzbereich: Man muss sich seinen Ängsten stellen, rät Francesca Barbera-Eckert. Deshalb empfiehlt sie, sich zunächst Wissen rund um Geldanlage und Investieren anzueignen: "Ich finde, Wissen ist so ermutigend und empowering, weil man dann selbst versteht: Wie kann mein Geld arbeiten – und was ist eigentlich das Risiko?"

Lernen, über Geld zu sprechen

Dabei können wir uns auch im Internet, auf Social Media oder mithilfe von KI-Diensten weiterbilden. Hilfreich sei es außerdem, sich im Freundeskreis auszutauschen.

"Ich finde sowieso, dass wir viel mehr über Geld sprechen sollten – über Investieren und Vorsorge. Wir können im Freundeskreis einfach mal nachfragen: Wie machst du das? Wie sorgst du eigentlich vor? Bei welchem Anbieter bist du und warum?“, sagt Francesca Barbera-Eckert.

Das klassische Haushaltsbuch nutzen

Der erste Schritt ist, einen grundlegenden Überblick über die eigenen Finanzen zu bekommen. Dabei kann bereits ein klassisches Haushaltsbuch helfen, erklärt die Finanzexpertin. "Mittlerweile gibt es online auch viele gute Tools. Aber die erste Übung, die ich mit meinen Kundinnen mache, ist immer: 'Okay, wir führen ein Haushaltsbuch für die vergangenen drei Monate. Was sind deine Einnahmen? Und vor allem: Was sind deine Ausgaben? Wofür gibst du dein Geld aus?'“

So lässt sich besser einschätzen, wie viel Geld am Monatsende tatsächlich für Investitionen übrig bleibt. Dabei müssen es nicht gleich große Summen sein: Schon kleine Beträge – etwa 20 Euro im Monat – können über einen langen Zeitraum angelegt werden und einen großen Unterschied machen.

"Angenommen du machst das für 10, 20, 30, vielleicht sogar 40 Jahre, dann kannst du unglaublich viel Kapital akkumulieren. Und das unterschätzen ganz viele, dass man mit Zeit unfassbar viel schaffen kann", sagt Francesca Barbera-Eckert.

Meldet euch!

Ihr könnt das Team von Facts & Feelings über Whatsapp erreichen.

Uns interessiert: Was beschäftigt euch? Habt ihr ein Thema, über das wir unbedingt in der Sendung und im Podcast sprechen sollen?

Schickt uns eine Sprachnachricht oder schreibt uns per 0160-91360852 oder an factsundfeelings@deutschlandradio.de.

Wichtig:
Wenn ihr diese Nummer speichert und uns eine Nachricht schickt, akzeptiert ihr unsere Regeln zum Datenschutz und bei Whatsapp die Datenschutzrichtlinien von Whatsapp.

Shownotes
Geld anlegen
Wie verlieren wir die Angst vorm Investieren?
vom 20. Juli 2026
Gesprächspartnerin: 
Lea, struggelt einen Überblick über ihre Finanzen zu bekommen und ihre finanzielle Zukunft zu planen
Gesprächspartnerin: 
Alexandra Niessen-Ruenzi leitet den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Corporate Governance an der Uni Mannheim
Gesprächspartnerin: 
Francesca Barbera-Eckert, Gründerin von FemmeInvest, Finanzexpertin und Unternehmerin
Autorin und Host: 
Shalin Rogall
Redaktion: 
Sarah Brendel, Yevgeniya Shcherbakova, Bettina Brecke, Timur Gökce, Anton Stanislawski, Friederike Seeger
Produktion: 
Philipp Adelmann