Elâ liebt es, Menschen Geschenke zu machen. Sie denkt schon Monate im Voraus darüber nach und zelebriert das Ganze richtig. Anderen ist das weniger wichtig. Eine Paartherapeutin erklärt, dass solche Unterschiede auch mit der Erziehung zusammenhängen.
Elâ gehört auf jeden Fall zum Team 'Geschenke'. Sie führt das ganze Jahr über eine Liste, in die sie Geschenkideen einträgt – zumindest für die Menschen, die ihr nahe stehen. Elâ sagt über sich selbst, dass ihre 'Love Language' Geschenke sind – also ihre Art, anderen Menschen ihre Zuneigung zu zeigen: "Ich mag das besonders, wenn Leute gar nicht mit dem Geschenk rechnen. Aber man merkt ihnen an, dass sie sich richtig doll freuen. Und das freut einen dann mit."
"Ich mag es so gerne, Sachen zu verschenken und Leuten eine Freude zu machen, weil mich das dann doppelt glücklich macht."
Der Gedanke hinter dem Geschenk
Elâ ist es wichtig, ihren Freunden, ihrer Familie oder ihrem Partner keine 08/15-Geschenke zu machen. Und das erwartet sie auch von anderen, die ihr ein Geschenk machen: "Mir geht es oft gar nicht um das Geschenk selbst, zum Beispiel, wenn ich die Person bin, die Geschenke bekommt, sondern eher darum, dass man sieht: Die Person hat sich wirklich Gedanken gemacht und nicht einfach das Erstbeste gegriffen."
Sich immer wieder zu beschenken, auch ohne besonderen Anlass – so ist Elâ aufgewachsen, erzählt sie. "Wir waren schon immer eine große Schenker-Familie, und ich habe erst später gemerkt, dass das gar nicht so normal ist. Das kommt auch ein bisschen vom Türkischen, dass wir es einfach so lieben, zu schenken."
Wie viel wir für Weihnachtsgeschenke ausgeben
Schon seit Jahren zeigt sich der Trend, dass die Menschen in Deutschland bereit sind, vergleichsweise viel für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Das beobachtet Oliver Gansser, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Fachhochschule für Ökonomie und Management. Er führt jedes Jahr eine Weihnachtsstudie durch, bei der Menschen per Fragebogen angeben, wie viel sie für das kommende Weihnachtsfest ausgeben wollen. 2024 waren es im Schnitt 533,20 Euro.
"Die Generation bis 27 Jahre, die gibt so um die 270 Euro aus und die Generation über 27 bis 43, da springt es dann schon über 500 Euro."
Äußere Umstände – etwa Kriege, Inflation oder die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt – können unser Schenkverhalten jedoch durchaus beeinflussen.
Der Druck, immer bessere Geschenke zu machen
Elâ hat ihr Weihnachtsbudget in diesem Jahr deutlich gekürzt, allerdings eher, weil sie und ihr Freund sich etwas gemeinsam schenken: eine große Reise. Elâ sagt, sie hat trotzdem etwas Kleines für ihn, damit er etwas zum Auspacken hat.
Für seinen 30. Geburtstag im nächsten Jahr überlegt sich Elâ schon länger, was sie ihm schenken möchte. Sie findet jedoch auch, dass mit der Zeit ein gewisser Druck entsteht: "Dann möchte man sich ja auch oft verbessern und irgendwie noch einen drauflegen. Irgendwann geht das nicht mehr."
Auch einfache Geschenke können wertvoll sein
Wenn Elâ jemanden zwischendurch beschenkt, erwartet sie dafür keine Gegenleistung. Sie findet auch, dass wir anderen schon mit sehr kleinen Geschenken eine große Freude machen können. "Das kann ja schon bei den kleinsten Sachen anfangen. Man ist im Supermarkt, weiß, dass man die Person gleich sieht, und nimmt das Lieblingsgetränk mit. Kostet ja nicht die Welt. Das ist kein Aufwand."
Ähnlich sieht das die Psychologin und Paartherapeutin Linda Mitterweger. Sie ist der Meinung, dass auch ohne große finanzielle Mittel wertvolle Geschenke gemacht werden können: "Ich kann ja auch abwägen, dann zum Beispiel mehr Arbeit in eine persönliche Karte zu stecken, wenn ich dafür vielleicht mehr Ressourcen aufbringen kann."
"Ich bin gut genug, auch wenn mein Geschenk sehr einfach verpackt ist, auch wenn ich dieses Jahr nur das leisten konnte, was ich geleistet habe."
Falls wir einmal in die Situation kommen, dass eine Arbeitskollegin uns beispielsweise ein Weihnachtsgeschenk überreicht, wir aber im Ansatz nicht darüber nachgedacht haben, ihr auch etwas zu schenken, rät Linda Mitterweger dazu, offen und ehrlich zu reagieren: "Ich würde sagen: Wow, ich danke dir für das Geschenk. Ich habe gar nicht damit gerechnet. Ich habe gar nichts für dich vorbereitet. Wenn du möchtest, lade ich dich nach Weihnachten gern auf einen Kaffee ein. Dann können wir einfach ein bisschen Zeit zusammen verbringen."
Menschen, die gerne schenken, erwarten das auch von anderen
Es gibt Menschen, die einfach gerne schenken und das gefühlt zu jeder Gelegenheit tun. Sie schenken viel und sind immer sehr aufmerksam. Das kann zu einer gewissen Erwartungshaltung führen, meint Linda Mitterweger: "Diese Personen wünschen sich dann auch, reich beschenkt zu werden, und wünschen sich die gleiche Aufmerksamkeit von ihrem Gegenüber."
"Das Konzept der 'Love Languages' sagt eigentlich nur aus, dass Menschen sich durch ganz unterschiedliche Gesten, Handlungen usw. geliebt fühlen und auch ihre Liebe ausdrücken."
Personen, die gerne schenken und beschenkt werden, wird oft Oberflächlichkeit unterstellt. Diese Menschen sind jedoch häufig so sozialisiert, sagt die Psychologin. In der Kindheit wurde Liebe beispielsweise oft durch Geschenke ausgedrückt.
Durch die Kindheit geprägt
"Vielleicht haben die Eltern viel gearbeitet, waren länger weg und es gab wenig Familienzeit. Die Eltern kamen aber immer wieder mit vielen Souvenirs und schönen Geschenken für die Kinder nach Hause", erklärt Linda Mitterweger. "So kann sich zum Beispiel eine 'Love Language' der Geschenke etablieren."
"Es ist immer ein guter Hinweis, zu gucken, was habe ich über Liebe kennengelernt in meiner Familie? Wie habe ich das wahrgenommen und wie wurde mir das auch beigebracht?"
Von Oberflächlichkeit würde die Psychologin bei solchen Angewohnheiten aber nicht unbedingt sprechen: "Menschen, die ihre Geschenke wirklich leben, schenken auch nicht oberflächlich. Sie machen sich tiefgehende Gedanken: Wann steht bei welcher Person was an? Wann braucht es eine besondere Aufmerksamkeit? Was mag die Person genau? Und in jedem Detail steckt wirklich Liebe.“
Was tun, wenn das Geschenk nicht gefällt?
Und trotzdem kann es passieren, dass wir ein Geschenk bekommen, das uns so gar nicht gefällt. Wie wir darauf am besten reagieren, hängt von der Situation ab, sagt Linda Mitterweger. Wenn es sich zum Beispiel um Menschen handelt, die wir selten sehen und die keine große Rolle in unserem Leben spielen, sollten wir darüber hinwegsehen.
"Wenn es eine Tante ist, die ich einmal im Jahr an Weihnachten sehe, und die mir dann für acht Euro hässliche Ohrringe geschenkt hat, kann ich mich einfach höflich bedanken."
Anderer Fall: Der Partner oder die Partnerin schenkt etwas, das gar nicht gut ankommt. Im schlimmsten Fall bekommen wir in den folgenden Jahren immer wieder Geschenke von dieser Person, die uns nicht gefallen. Deshalb rät die Psychologin, dann das Gespräch zu suchen. "Es kann ein schwieriges Gespräch werden. Das kann dazu führen, dass die andere Person sich zurückgewiesen fühlt. Aber je nach Beziehungskonstellation lohnt sich das Gespräch mehr oder weniger."
Mögliche Sätze, um ein solches Gespräch zu starten, wären beispielsweise:
- Warum hast du das denn für mich ausgewählt?
- Was hast du dir bei dem Geschenk gedacht?
- Wieso hat dieses Geschenk dich an mich erinnert?
Das heißt: Interesse zeigen an der Intention hinter dem Geschenk. Nachdem die Person ihre Antwort gegeben hat, können wir dann zum Beispiel sagen: 'Mich berührt dein Gedanke, aber dieses Geschenk gefällt mir nicht so gut.'
Wunschlisten schenken, um Reinfälle zu vermeiden
Linda Mitterweger empfiehlt, sich Wunschlisten zu schenken. 'Ich weiß, dass viele Menschen direkt eine Abneigung dagegen haben und sagen: 'Ich will ja eine Überraschung.' Bei der Überraschung gibt es jedoch die Gefahr, dass es nicht genau das ist, was wir uns gewünscht haben."
Die Psychologin hält es auch für vollkommen in Ordnung, enttäuscht über Geschenke zu sein, die uns nicht gefallen: "Wir dürfen auch Erwartungen haben. Wir dürfen auch enttäuscht sein, wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen. Aber wir haben kein Recht darauf, dass die andere Person irgendetwas tut, nur weil wir das von ihr erwarten."
Und wir sollten auch mal über einen Perspektivwechsel nachdenken und uns fragen: Ist der Partner oder die Partnerin vielleicht in anderen Lebensbereichen sehr aufmerksam und fürsorglich?
"Vielleicht bringt genau dieser Partner oder diese Partnerin das ganze Jahr über den Müll raus, wenn wir irgendetwas brauchen, baut er oder sie es uns direkt und überschüttet uns mit Worten der Liebe und Anerkennung."
"Es kann helfen, mit der Enttäuschung ein bisschen besser umzugehen, wenn wir feststellen, dass der Partner oder die Partnerin vielleicht nicht der oder die Beste im Schenken ist. Aber derjenige spricht einfach eine andere Liebessprache und zahlt auf anderen Ebenen zurück", meint die Psychologin.
Hinweis: Auf dem Bild oben ist nicht Elâ zu sehen.
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