Eine Quelle der Bildung – die alle kostenlos nutzen können – heute vor 25 Jahren startete die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Eine Geschichte von Idealismus, Eitelkeiten, Korrekturen und der Frage, wie Wissen im dritten Jahrtausend vermittelt wird.
Schon im alten Europa gab es Versuche, das Wissen der Zeit zu bündeln und für jene zugänglich zu machen, die lesen und schreiben konnten. Im antiken Rom plädierte Marcus Fabius Quintilianus für ein ganzheitliches Bildungsprogramm, bei dem neben der Vermittlung rhetorischer Fähigkeiten vor allem die Weitergabe von Wissen im Mittelpunkt stehen sollte.
Der Wunsch, Wissen festzuhalten
Den ersten enzyklopädischen Versuch könnte man in der Naturalis historia von Plinius dem Älteren entdecken, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert eine Wissenssammlung aus den Naturwissenschaften, aber auch aus der Medizin, der Geographie und der Kunst verfasst hat. Mit der "karolingischen Renaissance" während der Herrschaft Karls des Großen wurde ein weiteres Mal Wissen – in diesem Fall aus der Antike – gesammelt und der Nachwelt erhalten.
Zwischen dem 11. und dem 17. Jahrhundert verwandelt sich der europäische Kontinent in eine Wissenslandschaft. Hunderte von Universitäten, Forschungs- und Bildungseinrichtungen verteilen sich über Europa. Die gängige Sprache ist Latein; jeder Student und jeder Professor konnte also an jeder beliebigen Universität lehren oder lernen – er musste nur Latein können.
Der Zugang zu Wissen war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts für die meisten Menschen mit hohen Hürden verbunden. Das änderte sich in der Zeit nach der Aufklärung mit der Einführung der Schulpflicht, die zwar in einigen deutschen Ländern schon vorher existierte, aber flächendeckend und für Jungen und Mädchen gleichermaßen verpflichtend erst im 19. Jahrhundert wurde.
Von der Enzyklopädie zur Wikipedia: Wissen wird öffentlich
Die erste neuzeitliche Sammlung von Wissen und technischen Verfahren war die "Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke", die Denis Diderot und Jean-Baptiste le Rond d’Alembert zwischen 1751 und 1780 verfasst haben.
Die moderne Form dieser Enzyklopädie ist Wikipedia – allerdings mit einem gravierenden Unterschied. Während an der Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts zwar viele Autoren beteiligt waren, die ihre Artikel in unterschiedlicher Qualität verfassten, kann bei Wikipedia jeder und jede mitmachen.
Es ist also nicht das Wissen einiger, das sich in dem Online-Portal versammelt, sondern das Wissen aller, die sich an Wikipedia beteiligen wollen.
Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:
- Die Historikerin Brigitte Englisch erläutert Aspekte der Bildungs- und Intellektualitätsgeschichte des Mittelalters
- Der Schriftsteller und Historiker Philipp Blom beschreibt die erste Enzyklopädie Europas von d’Alembert und Diderot
- Die Sprachwissenschaftlerin Ulrike Hass beschreibt, ob und wie Wikipedia unser Leben verändert hat
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt die Anfänge der Wissensvermittlung in der Antike und im Mittelalter
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Luisa Filip erinnert an den Tag, an dem Wikipedia online ging.
- Brigitte Englisch
- Phillipp Blom
- Ulrike Hass
