Der Goldpreis steigt – allein im vergangenen halben Jahr um rund sechs Prozent. Viele können sich Gold als Geschenk kaum noch leisten. Und trotzdem bleibt das Edelmetall gefragt. Warum? Die Antwort hat mit Herkunft, Vertrauen und Geschichte zu tun.

Gold ist mehr als Schmuck. Für viele Menschen in Deutschland ist es ein kulturelles Symbol. Ob zur Hochzeit, zur Geburt oder als Erbstück: In zahlreichen Familien hat Gold einen festen Platz – gerade in türkischen, arabischen oder südasiatischen Communities.

Doch der Preis ist hoch: Im letzten halben Jahr ist er um etwa sechs Prozent gestiegen. Trotzdem wird nicht weniger Gold gekauft oder verkauft. Ayse aus Essen etwa sagt, sie habe sehr viel Gold – noch von ihrer Hochzeit.

"Später kann es verkauft werden. Und ganz ehrlich: Wenn ich sehe, wie viel Gold heute wert ist, überlege ich schon, einen Teil zu verkaufen."
Ayse aus Essen

Ayse überlegt mittlerweile, einen Teil davon abzugeben – nicht nur wegen des hohen Werts, sondern auch, weil das Edelmetall für sie eine sichere Anlage sei, erklärt sie.

Tradition: Gold als finanzielles Backup

Auch Srity, deren Eltern aus Sri Lanka stammen, kennt die Bedeutung von Gold als Absicherung. In der tamilischen Community sei es üblich, dass eine Frau bei ihrer Hochzeit viel Gold geschenkt bekommt – als Sicherheit für den Fall, dass der Ehemann als Ernährer nicht mehr da ist oder nicht mehr für die Familie sorgen kann.

Das sei historisch gewachsen, weil Frauen früher selten ihr eigenes Geld verdient hätten. Gold sei dann das finanzielle Backup gewesen.

"Wenn eine Frau in unserer Community heiratet, kriegt sie einen Haufen Gold geschenkt."
Srity, ihre Eltern stammen aus Sri Lanka

Diese Verbindung von Tradition und Absicherung kennt auch die Mutter von Deutschlandfunk-Nova Reporterin Büsra Tasdemir. Sie sagt, in der türkischen Kultur werde Gold verschenkt, weil es praktisch nie an Wert verliere – und als Zeichen der Wertschätzung bei Geburten und Hochzeiten.

"Dass wir Gold auch Babys bei der Geburt und Bräuten bei Hochzeiten schenken, ist ein Symbol für die Wertschätzung des anderen."
Mutter von Deutschlandfunk-Nova Reporterin Büsra Tasdemir

Gerade deshalb gehöre das Gold – bis heute – fest zum Start in einen neuen Lebensabschnitt.

Steigende Nachfrage nach Gold

Dass der Goldpreis weiter steigt, beobachtet auch Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Er nennt gleich mehrere Gründe: Die internationale Lage, geopolitische Spannungen, niedrigere Leitzinsen – all das führe zu einer höheren Nachfrage nach Gold.

"Die internationalen Spannungen, gesunkene Leitzinsen und politische Entwicklungen – das alles sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Gold steigt."
Ralf Scherfling, Verbraucherzentrale NRW

Und da das Angebot begrenzt sei, steige der Preis entsprechend.

Aus Gold mach Geld?

In der Praxis zeigt sich das zum Beispiel in Düsseldorfer Goldschmieden: Kerstin, Beraterin in einem Juweliergeschäft, berichtet von deutlich mehr Kund*innen, die Altgold verkaufen oder in Anlagegold investieren, erklärt sie. Die Menschen würden erkennen, dass in ihrer Schublade mit Goldschmuck echte Werte liegen – und dass diese aktuell gut zu Geld gemacht werden könnten.

Auch der symbolische Wert bleibt: In Deutschland stehe Gold zwar weniger für Tradition, aber immer noch für Beständigkeit, sagt Kerstin.

"Also bei uns ist Gold wirklich ein Geschenk für den Augenblick. Man kauft natürlich goldene Ringe zur Eheschließung. Die werden aber nicht als Wertanlage gedacht."
Kerstin von der Düsseldorfer Goldschmiede

Bei den klassischen goldenen Eheringen zum Beispiel gehe es nicht in erster Linie um eine Wertanlage, sondern um die Idee von Unendlichkeit und Wertigkeit in der Beziehung.

Shownotes
Auf Rekordkurs
Gold – emotional unbezahlbar
vom 02. Juni 2025
Moderator: 
Niklas Potthoff
Autorin: 
Büsra Tasdemir, Deutschlandfunk-Nova Reporterin