• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Der Journalist und Autor Hasnain Kazim ist in Deutschland geboren und aufgewachsen – aber weil er einen nicht deutschen Namen und dunklere Haut hat, wird er immer wieder angefeindet. Auch Morddrohungen bekommt er in seinem Job. Einschüchtern lassen will er sich davon nicht. Ganz im Gegenteil. Er sagt: Wir müssen wieder mehr streiten - sonst werden rassistische Haltungen normal.

Seine ersten Hassbriefe bekam Hasnain Kazim als 17-Jähriger. 1992, als Rechtsextreme in Rostock-Lichtenhagen Asylbewerber angreifen, Einwohner dabei zusehen, sogar applaudieren und Politiker im Anschluss vor einer sogenannten "Überfremdung" warnen. Hasnain Kazim schreibt einen Kommentar, kritisiert das Verhalten von Politik und Einwohnern und bekommt daraufhin sieben Briefe per Post. "Keiner davon setzte sich inhaltlich mit meinem Kommentar auseinander, das waren alles Beschimpfungen", sagt Hasnain Kazim.

"Du als Ausländer hast hier das Maul überhaupt nicht aufzureißen."
Hasnain Kazim über den Inhalt seiner ersten Hassbriefe

Hasnain Kazim wird 1974 in Oldenburg geboren, als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer. Nach seinem Abitur studiert er an der Universität der Bundeswehr in Hamburg Politik, wird Marineoffizier und später Journalist. Wegen seines nicht deutschen Namens und seiner dunkleren Haut wird er von Beginn an immer wieder angefeindet – egal worüber er schreibt.

"Ich kann schreiben, über was ich will, es können völlig harmlose, belanglose Themen sein. Es gibt Leute, die mich angreifen wegen meines Namens."
Hasnain Kazim, Journalist

Hasnain Kazim arbeitet viele Jahre lang als Korrespondent für den Spiegel, berichtet aus Pakistan, der Türkei und Österreich. Morddrohungen gehören neben den Beleidigungen auch immer wieder zu seinem Alltag. Fast alle kommen von Männern, sagt er.

"Das Spektrum der Morddrohung ist eigentlich eine literarische Gattung an sich."
Hasnain Kazim, Journalist

Von den Hassnachrichten und Morddrohungen will sich Hasnain Kazim aber nicht einschüchtern lassen. Auf Twitter und Facebook steigt er immer wieder in Diskussionen ein, vertritt seine Meinung, begegnet Pöblern und Hassrednerinnen oft mit Zynismus oder Humor. Und er sagt: Wir müssen mehr streiten und uns dafür einsetzen, dass rassistische, menschenverachtende Haltungen nicht normal werden. "Es sind viel mehr Dinge sagbar geworden, die aus guten Gründen nicht sagbar waren."

"Wenn wir dem nichts entgegensetzen, wenn wir uns nicht streiten und sagen: Halt, stopp, bis dahin und nicht weiter, lassen wir diese Grenzverschiebung zu."
Hasnain Kazim, Journalist