Proteine aus Insekten sollen besser sein als solche aus Fleisch - weil die Insektenzucht das Klima schont und weniger Platz verbraucht. Aber stimmt das? Ganz so einfach ist die Rechnung nicht.

Es scheint auf den ersten Blick nicht sehr appetitlich – aber die Idee, Fleischprodukte durch Insektenprodukte zu ersetzen, ist nicht abwägig. Erste Insektenburger waren schon auf dem Markt. In der EU sind einige Insektenarten in Lebensmitteln zugelassen. Und die Tiere sind gesund und proteinreich.

Insektenzucht auf dem Prüfstand

Ihre Zucht könnte außerdem umweltfreundlicher sein, als die Rinder- oder Schweinezucht. Eine neue Studie (PDF) des Stockholm Environmental Institute sagt jetzt aber: Das ist vielleicht gar nicht so.

"Insekten verwerten ihr Futter sehr effizient. Manche Arten können etwa die Hälfte ihrer Futtermasse direkt in Körpergewicht umwandeln."
Jens Többen, Deutschlandfunk Nova

Für die Insekten spricht, dass sie sehr pflegeleicht sind. Sie brauchen nicht viel Platz, nicht viel Wasser und man könnte ihnen alles Mögliche verfüttern, zum Beispiel auch Bioabfälle.

Dazu kommt: Insekten sind sehr gute Futterverwerter. Einige Arten können etwa die Hälfte ihrer Futtermasse in Körpergewicht umwandeln. Deswegen vermehren sie sich auch rasant. Das heißt, Insekten sind eigentlich ein schneller, effizienter Weg, um beispielsweise Bioabfall in proteinhaltige Nahrung umzuwandeln.

Insektenzucht in der Praxis schädlicher als in der Theorie

Aber: In der Praxis funktioniert das nicht so einfach, wie in der Theorie. Zum einen nämlich entstehen auch bei der Insektenzucht viele CO2-Emissionen, weil die kaltblütigen Insekten eine bestimmte Temperatur benötigen, um gut zu gedeihen. Studienautorin Cleo Verkuijl sagt, es müssen gleichbleibend um die 25 bis 30 Grad Celsius sein. Und das kostet natürlich Energie.

"Insects need their controlled temperature to be about 25 to 30 degrees Celsius around the year."
Cleo Verkuijl, Stockholm Environment Institute

Außerdem, so die Wissenschaftlerin, können Insekten zwar theoretisch mit Abfällen gefüttert werden. In der Praxis passiere das aber meistens nicht.

Das Insektenfutter sorgt für CO2-Emmissionen

Dafür gibt es zwei Gründe: Einmal, weil im Bioabfall auch Schadstoffe sein könnten, wodurch sich die Qualität des Insektenproteins verschlechtert. Daher bekommen Zuchtinsekten oft ein Futter aus Getreide, was wiederum mit Flächen- und Wasserverbrauch einhergeht. Und so entstehen laut der Studie durch Insekten-Protein ähnlich viele Emissionen, wie in der Hühner- oder sogar Schweinefleischzucht.

"Durch Futter und Zucht entstehen bei Insekten Treibhausgase."
Jens Többen, Deutschlandfunk Nova

Das Hauptproblem ist aber, dass Insektenproteine meistens gar nicht als Alternative zu Fleischprodukten im Handel auftauchen. Wenn, dann sind sie eher in Brot, Nudeln oder Riegeln verarbeitet. Da ersetzen sie jedoch keine tierischen Proteine, sondern pflanzliche Proteine. Und die sind meistens noch umweltfreundlicher.

Das heißt, die Insekten werden großteils gezüchtet, um damit andere Tiere zu füttern, die dann wiederum bei uns auf dem Teller landen: Das ist in etwa die bizarre Situation, die die Studie umreißt.

Pflanzliche Proteine vielleicht bessere Alternative

Insekten sind zwar ein sehr proteinhaltiges Nahrungsmittel, vielleicht besser als irgendein Getreidebrei. Aber das ursprüngliche Ziel, nämlich den Fleischkonsum zu verringern, stellt Studienautorin Cleo Verkuijl infrage.

Sie ist daher der Meinung, dass pflanzliche Proteine mehr Potenzial für die Zukunft haben: Einmal im Sinne der Nachhaltigkeit, aber auch aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen.

Shownotes
Insekten statt Fleisch?
Warum Mehlwürmer und Co. keine optimale Alternative sind
vom 30. Mai 2026
Moderator: 
Christopher Sterz
Gesprächspartner: 
Jens Többen, Deutschlandfunk Nova