Das Zweite Vatikanische Konzil brachte eine Neuorientierung: Es ging um die Beziehungen der katholischen Kirche zu einer sich rasant wandelnden Welt. Die angestoßenen Reformen gingen den Konservativen zu weit.
Die Geschichte der bedeutenden Konzilien ist lang: Sie beginnt im Jahr 325 in Nicäa. Damals standen sich Arianer, die sich auf den Theologen Arius aus Alexandria beriefen und römische Christen gegenüber. Sie stritten über die "Wesensgleichheit" von Gott als Vater, Sohn und Heiligem Geist. Das Konzil verwarf den Arianismus schließlich als Irrlehre.
Ist Jesus Gott oder Mensch?
381 folgte das Konzil von Konstantinopel, auf dem die bis heute bestehende Einheit von Gott als Vater, Sohn und Heiligem Geist (sogenannt Trinität) festgeschrieben wurde.
In den folgenden Jahrhunderten gab es weitere Konzilien, von denen das Erste Vatikanische Konzil 1869 stattfand. Im 1871 gegründeten deutschen Kaiserreich stand die katholische Kirche im sogenannten Kulturkampf.
Der Staat versuchte, die Möglichkeiten der Kirche einzugrenzen, auf Politik und Gesellschaft Einfluss zu nehmen. Die Kirche beschloss beim Ersten Vatikanischen Konzil eine Stärkung der Rolle des Papstes. Ihm sollte Unfehlbarkeit zugesprochen werden, wenn er in seiner Funktion als oberster Lehrherr der Kirche verbindliche Entscheidungen in strittigen theologischen Fragen verkündete.
Reformen, die den Konservativen zu weit gingen
Das Zweite Vatikanische Konzil dauerte vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965. Es ging vor allem um die Beziehung der katholischen Kirche zu einer sich in den 1960er-Jahren rasant wandelnden Welt.
Mehr als 3.000 Teilnehmer reformierten die Liturgie, das Verhältnis zur protestantischen Konfession, zum Judentum und anderen nicht-christlichen Religionen. Außerdem bejahten sie die Religionsfreiheit.
In kirchlichen Kreisen kam das nicht überall gut an. Konservative Kräfte monierten die ihrer Meinung nach zu tiefgreifenden Reformen und den Weg in eine Säkularisierung der westlichen Welt, der sich die katholische Kirche mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils beugen würde.
Ihr hört in Eine Stunde History:
- Der Theologe Knut Wenzel erläutert die Absichten und Motive des Zweiten Vatikanischen Konzils.
- Der Kirchenhistoriker Michael Pfister fasst die wesentlichen Ergebnisse des dreijährigen Konzils zusammen.
- Die Theologin Julia Knop beschreibt die Wirkungen und Folgen der Beschlüsse des Konzils.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld lässt einige der wichtigsten Konzilien der katholischen Kirche Revue passieren.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries beschreibt, wie die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils von den Gläubigen diskutiert worden sein könnten.
- Theologe Knut Wenzel erläutert die Absichten und Motive des Zweiten Vatikanischen Konzils
- Kirchenhistoriker Michael Pfister fasst die wesentlichen Ergebnisse des dreijährigen Konzils zusammen
- Die Theologin Julia Knop beschreibt die Wirkungen und Folgen der Beschlüsse des Konzils
